Das Thema Pflege nimmt in der Politik bislang nicht den Stellenwert ein, den es verdient. Das meinen rund 70 Prozent der Bevölkerung nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts. Unsere Gesellschaft ignoriert offensichtlich bis heute die Tatsache, dass ab dem Jahr 2030 zirka acht Millionen Menschen in Deutschland über 60 Jahre alt sein werden. Auch wenn Alter nicht automatisch mit Pflegebedürftigkeit gleichzusetzen ist, so steigt ihre Wahrscheinlichkeit doch mit zunehmendem Alter. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Zahl pflegebedürftiger Menschen von heute 2,13 Millionen bis zum Jahr 2050 auf 4,35 Millionen mehr als verdoppeln könnte. Gleichzeitig sinkt die Zahl potenzieller privater Pflegepersonen. Auch in der beruflichen Pflege bestehen schon heute massive Engpässe, die sich in den nächsten Jahren erheblich verschärfen werden.
Nutzerorientierung
Ziel grüner Pflegepolitik ist es, den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen. Solch eine nutzerorientierte Pflege muss an den Bedürfnissen der Menschen ansetzen. Die meisten Menschen wünschen sich, auch bei Pflegebedürftigkeit solange wie möglich in der vertrauten Umgebung verbleiben zu können. Zentrales Leitbild einer menschenwürdigen Pflege muss ein veränderter Pflegebegriff sein, der psychische und körperliche Beeinträchtigungen gleichberechtigt behandelt und soziale wie finanzielle Einzelsituationen gesondert in den Blick nimmt. Individuelle, teilhabe- und ressourcenorientierte Pflege muss dabei im Mittelpunkt stehen. Zentral ist für uns, die Rolle der Pflegebedürftigen und ihrer Bezugspersonen - damit ist nicht nur Familie oder Verwandtschaft gemeint - zu stärken. Deshalb sind Schlüsselbegriffe unserer Pflegepolitik Verbraucherorientierung und Verbraucherschutz. Dazu zählt zum Beispiel auch die Gewährleistung einer unabhängigen Beratungsstruktur.
Arbeitsfeld Pflege
Die gesundheitliche und pflegerische Versorgung einer älter werdenden Bevölkerung wird sich entscheidend verändern. Sie wird von einem stärkeren Miteinander der Akteure im Sinne der Nutzer und weniger von einem Gegeneinander zur Wahrung der eigene Interessen und Besitzstände abhängen. Das gilt nicht nur für die Zusammenarbeit in einzelnen Feldern, sondern übergreifend. Doch nicht nur auf der professionellen beruflichen Ebene braucht es eine stärkere Vernetzung. Ob Pflege zukünftig menschenwürdig gestaltbar und finanzierbar ist, wird in entscheidendem Maße auch einen "guten Mix" verschiedener Hilfen erfordern. Es wird vermehrt darauf ankommen, bürgerschaftliches Engagement, Nachbarschaftshilfe, niedrigschwellige Angebote wie auch professionelle Dienstleistungen sinnvoll mit einander zu kombinieren und Reibungsverluste zu vermeiden.
Die grüne Bürgerversicherung: nachhaltig und sozial gerecht
Das von Schwarz-Gelb verfolgte Ziel einer Kapitaldeckung in der Pflege ist unsolidarisch und sozial ungerecht. Denn nach diesem Modell zahlen alle den gleichen Betrag (Kopfpauschale) – von der Altenpflegerin bis hin zu Josef Ackermann. Wir wollen, dass alle Bürgerinnen und Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit in eine Versicherung einzahlen. Alle Einnahmen sollen für die Beitragsbemessung zugrunde gelegt werden. Die unsolidarische Trennung zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung wollen wir aufheben. Es wird Zeit, sich für den demografischen Wandel zu rüsten, unsere Konzepte stehen bereit.

