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Pflegeausbildung | 29.03.2011

Grünes Reformkonzept für Pflegeausbildung

Als erste Bundestagsfraktion hat Bündnis90/Die Grünen im März ein Positionspapier zur Reform der Pflegeausbildung mit dem Titel "Versorgung heute sichern und für morgen weiterentwickeln" verabschiedet.

Die schwarz-gelbe Koalition hat für 2011 eine Ausbildungsreform angekündigt. Laut Koalitionsvertrag wollen CDU/CSU und FDP die drei Pflegeberufe zu einem Berufsbild zusammenführen. Auf Eckpunkte oder gar einen Gesetzentwurf warten wir aber immer noch.

Auch wir Grüne sind dafür, einen Teil der Ausbildung zu harmonisieren. Gleichzeitig jedoch wollen wir – zumindest vorerst – an der heutigen Spezialisierung in der Alten-, (Kinder )Gesundheits- und Krankenpflege festhalten. Denn eine Ausbildungsreform muss einerseits den heutigen Versorgungsanforderungen Rechnung tragen und andererseits die Weichen für die Versorgungsbedarfe von morgen stellen.

Deshalb plädieren wir für:

  • ein integrativ gestuftes Ausbildungssystem: Im ersten Abschnitt erfolgt die Ausbildung auf Grundlage des gleichen Curriculums, im zweiten Teil findet die Spezialisierung in einem der bestehenden drei Ausbildungsabschlüsse statt;
  • ein durchlässiges und modular aufgebautes Aus- und Weiterbildungssystem: Allen soll es möglich sein, sich von der Pflegehilfs- oder Assistenzkraft über die Pflegefachkraft bis hin für zentrale Leitungspositionen oder für den akademischen Pflegebereich zu qualifizieren. In einem solchen Qualifizierungssystem müssen bereits geleistete Ausbildungsinhalte anerkannt werden.
  • eine solide Ausbildungsfinanzierung: Es soll ein einheitliches Finanzierungsmodell für alle drei Pflegeausbildungsberufe, orientiert an der Poolfinanzierung der (Kinder)Gesundheits- und Krankenpflege, entwickelt werden. Im Bereich der Altenpflege soll schnellstmöglich eine Ausbildungsumlage eingeführt werden. Die Kosten für die dreijährige Umschulung bzw. Weiterbildung zur Pflegekraft sollen vorerst für die gesamte Ausbildungsdauer von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Langfristig jedoch sehen wir hier auch die Einrichtungen und Dienste sowie die Bundesländer in der Verantwortung, sich an diesen Kosten zu beteiligen.

Komplette Zusammenführung der Ausbildungen birgt Risiken

Die komplette Zusammenlegung der Pflegeberufe (Generalisierung) und damit Auflösung der bestehenden drei Ausbildungsabschlüsse, wie es Schwarz-Gelb voraussichtlich anstrebt, halten wir derzeit unter anderem aus folgenden Gründen für den falschen Weg:

  • Damit würden wir den hohen Fachlichkeitsgrad in den drei Pflegeberufen und die in Europa einzigartige Expertise im Bereich der Altenpflege, die im demografischen Wandel aber immer wichtiger wird, teilweise aufgeben.
  • Eine Reform der Pflegeausbildung kann nicht die Versorgungslandschaft zwingen sich zu verändern. Die Generalisierung der Pflegeausbildung birgt zumindest in einer Übergangsphase die Gefahr von Versorgungsdefiziten in Bereichen, in denen spezialisiertes Wissen erforderlich ist. Diese Spezialisierung erst über Weiterbildungen im Anschluss an die Ausbildung zu erwerben, halten wir nicht für überzeugend.
  • Seit Jahrzehnten versucht die Pflege ihr Image der billigen, dienenden und zugleich allzuständigen Assistenzkraft loszuwerden und ihre Kompetenzen zu spezifizieren. Eine generalisierte Ausbildung könnte dieses schädliche Image der Omnipotenz neu beleben. Dies dürfte die Abgrenzung und Aufwertung der Pflege gegenüber anderen Berufsgruppen und Aufgabenbereichen erschweren und die Gefahr von Arbeitsüberlastungen erhöhen.
  • Man sollte den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Zentrale Fragen, die für eine generalisierte Ausbildung geklärt werden müssen, sind bisher unbeantwortet. So etwa, wie eine einheitliche Ausgestaltung der bisher sehr unterschiedlichen Fachseminare/Schulstandorte und Finanzierungsstrukturen aussehen könnte. Beides muss parallel zueinander geschehen, wenn eine Ausbildungsreform nicht zum reinen Selbstzweck werden soll. Unseren Fraktionsbeschluss in voller Länge finden Sie hier.

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