Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Wir gedenken am 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz voller Trauer der Millionen Menschen, die von den Nazis ermordet wurden. Wir erinnern an sämtliche Opfer des Nationalsozialismus: an die sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die Sinti und Roma, die politischen Gegnerinnen und Gegner, die Menschen mit Behinderungen, die Kriegsgefangenen, die Homosexuellen, die Wehrmachtsdeserteure.
Wir gedenken der Menschen, die in Konzentrationslager verschleppt und dort auf grausamste Weise gequält und ermordet wurden. Wir gedenken der Opfer der Massenerschießungen und der grauenhaften Politik des Verhungern Lassens in den Kriegsgefangenenlagern, der Opfer der Vernichtungslager und der "Euthanasie"-Morde. Die Unmenschlichkeit und Verbrechen des Hitler-Regimes dürfen nie in Vergessenheit geraten.
Im Deutschen Bundestag hält Prof. Dr. Marcel Reich-Ranicki am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus die Gedenkrede. Der bekannte Literaturkritiker ist Überlebender des Warschauer Gettos. Seine Eltern wurden in den Gaskammern von Treblinka ermordet. Von seiner Familie überlebte lediglich noch eine Schwester den Holocaust.
Der diesjährige Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist von beklemmender neuer Aktualität. Im November 2011 wurde bekannt, dass die Mörderbande "Nationalsozialistischer Untergrund" über ein Jahrzehnt lang eine Blutspur durch Deutschland gezogen hat. Mindestens zehn Morde gehen auf das Konto der Gruppe, ebenso Bombenanschläge wie der Anschlag mit einer Nagelbombe in Köln mit 22 Verletzten. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss im Bundestag wird nun den Fragen nachgehen, warum der rechtsextremistische und rassistische Hintergrund dieser Verbrechen nicht erkannt wurde, warum die Gruppe so lange unentdeckt blieb und welche Unterstützer sie hatte.
Rückhaltlose Aufklärung ist dringend nötig, reicht aber nicht aus. Die gesamte Gesellschaft ist gefordert, neue Anstrengungen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und anderer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu unternehmen. Jede Bagatellisierung des Rechtsextremismus in Deutschland und seiner Gefahren muss beendet werden. Rechtsextremisten und Rassisten dürfen sich nicht in unserer Gesellschaft breit machen und die Fundamente angreifen, auf denen unser freiheitlicher demokratischer Rechtstaat aufgebaut ist.
Mit einer Demokratieoffensive und Prävention auf allen Ebenen müssen wir dem rechtsextremen Gedankengut, das bis in die Mitte der Gesellschaft verankert ist, entschieden entgegentreten. Die zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für unsere offene Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus einsetzen, verdienen unseren Respekt, brauchen statt Schikanierung eine stärkere, stabile Förderung.

