Aufklärung, Bewegung und gesunde Ernährung
Jüngste Studien belegen: Das Problem des Übergewichts und der Fehlernährung nimmt weiter zu. So gibt es heute 50 Prozent mehr übergewichtige und doppelt so viele adipöse (fettleibige) Kinder wie noch vor 20 Jahren. Besonders häufig betroffen sind Kinder aus Familien mit geringem Einkommen, oder Kinder deren Eltern ebenfalls übergewichtig oder adipös sind. Diesen Trend konnten auch die wegweisenden Initiativen aus der rot-grünen Regierungszeit nicht stoppen – auch weil sie von der großen Koalition nicht entschieden weiterverfolgt wurden.
Im Vordergrund der bisherigen Maßnahmen standen vor allem die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Kinder. Jetzt kommt es auf gezielte Erziehungs-, Bildungs- und Präventionsmaßnahmen an.
Übergewicht: Ursachen…
Übergewicht hat zahlreiche Ursachen. Dazu zählt eine falsche, nicht an den Lebensstil angepasste Ernährung. Gekennzeichnet ist diese Fehlernährung durch eine fettreiche und vitaminarme Kost, bei der der Kohlenhydrat- und der Obstanteil sehr gering ist.
Aber auch sozioökonomische wie auch kulturelle Gründe werden von wissenschaftlichen Untersuchungen als Ursachen benannt. Häufig werden Sport- und Freizeitaktivitäten zugunsten von übermäßigem Fernseh- und Computerkonsum eingeschränkt.
Ferner kommt den aggressiven Werbestrategien großer Unternehmen für das Ernährungs- und Freizeitverhalten von Kindern eine Bedeutung zu. Aber auch angeborene genetisch-biologische Faktoren spielen eine Rolle.
… und Folgen
Der zu beobachtende Trend zum Übergewicht verschärft auch die damit verbundenen Folgeerkrankungen. So machen die Behandlungskosten für ernährungsmitbedingte Erkrankungen mittlerweile fünf bis zehn Prozent der Gesundheitskosten aus. Die Folgekosten solcher Erkrankungen belaufen sich für das deutsche Gesundheitssystem bereits auf 70 Mrd. Euro, Tendenz stark steigend.
Lebensbedingungen verbessern
Neben einer Verbesserung von Bildungsarbeit und Ernährung, zu der Bündnis 90/Die Grünen bereits zahlreiche Vorschläge vorgelegt haben, spielt die Bewegung eine zentrale Rolle.
Zudem haben Auswertungen internationaler Präventionsprogramme ergeben, dass zur Verbesserung des Ess- und Bewegungsverhaltens die gesellschaftlichen Verhältnisse verbessert werden müssen. Zahlreiche Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass die finanziellen Mittel vom Sozialgeld beziehungsweise Arbeitslosengeld II eine ausreichende und ausgewogene Ernährung entsprechend den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als fast unmöglich erscheinen lässt.
Präventionsmaßnahmen müssen deshalb auch an den Lebensbedingungen der Betroffenen ansetzen und diese verbessern. Es gilt in Zukunft die Lebenswelt des Einzelnen selbst positiv zu beeinflussen und sie nicht nur als Zugang für Maßnahmen zu nutzen. Hier bietet sich das Instrument der Kampagne an, bei der die Lebenskontexte längerfristig positiv beeinflusst werden.
Dieses Konzept ist für Bündnis 90/Die Grünen ein Schlüssel zur Problemlösung. Der sportpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Winfried Hermann, sagte dazu 2008 im Deutschen Bundestag:
"Kampagnen müssen darauf zielen, dass sich etwas verändert, zum Beispiel in der Stadtpolitik und in der Verkehrspolitik. Wenn wir heute über Bewegungsmangel und über die daraus resultierenden Probleme reden, dann müssen wir auch feststellen, dass über Jahre, in der Statistik nachweisbar, der Anteil des Fußgängerverkehrs und des Radverkehrs stagniert, während es bei den energieintensiven Verkehren wie […] dem motorisierten Individualverkehr Wachstumsraten gibt. Darin liegt ein großes Problem. Wenn wir wollen, dass Menschen gesünder leben, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Bewegung im Alltag hinzukommt".
Mehr Bewegung fördern
Somit kommt dem Sport eine große Bedeutung zu, da er nicht nur das Problem des Übergewichts bekämpft, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl der Gesellschaft stärkt und eine integrative Wirkung für alle besitzt.
Sport macht Spaß, fördert die Gesundheit, schafft Lebensfreude, soziales Miteinander und Lernvermögen. Sportpolitik muss bei der Stadtplanung wie auch beim Bau von Sportanlagen der gesellschaftlichen Vielfalt gerecht werden. Bündnis 90/Die Grünen setzen sich deshalb für vielfältige Sportstätten und Spielmöglichkeiten ein. Besonders in sozialen Brennpunkten fehlen diese Einrichtungen bzw. sind nur durch weite Anfahrten zu erreichen. Hier gilt es, neue Bewegungsräume zu schaffen, um den Kindern und Jugendlichen in ihrem direkten sozialen Umfeld sportliche Entfaltungsangebote anzubieten.
Eine moderne Sportstätteninfrastruktur muss zudem den Bedürfnissen einer alternden und zunehmend gesundheitsorientierten Gesellschaft gerecht werden. Auch sollen Sport- und Bewegungsangebote für Zielgruppen, wie etwa Mädchen und Frauen, MigrantInnen sowie ältere Personen und Menschen mit Behinderungen adäquat und für jeden erreichbar gestaltet sein. Zudem wollen Bündnis 90/Die Grünen die Spiel-, Sport- und Bewegungsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen stärker berücksichtigen. Dafür brauchen wir keine teuren, genormten Sporthallen, sondern nutzbare Freiflächen vor Supermärkten oder leerstehende Büroetagen.
Wir Grüne wollen die Kultur des Straßenkicks, Streetbasketballs oder des Fangespiels auf Spielstraßen und Plätzen fördern. Denn der öffentliche Raum ist dafür da, dass sich Menschen bewegen können und nicht in erster Linie die Autos!
