Bundesregierung nicht aussagefähig
Die Haltung von Delfinen in deutschen Delfinarien ist in keiner Weise tier- und artgerecht. Die natürlichen Bedürfnisse und Anforderungen der Tiere können hier nicht erfüllt werden. Die Delfine leiden unter Stress. In den zu kleinen und viel zu flachen Becken können sie weder tief genug tauchen noch andere biologische Verhaltensweisen ausleben. Daher gelingt die Aufzucht nur äußerst selten, "Nachschub" stammt zumeist aus dem europäischen Ausland oder aus "Wildfängen". Trotzdem werden noch immer zahlreiche Delfine in Deutschland gehalten.
Wir wollten erneut wissen wie hoch die aktuelle Zahl der derzeit in Deutschland und der EU gehaltenen Delfine ist und haben wir die Bundesregierung erneut befragt. Unsere letzte Anfrage liegt vier Jahre zurück.
Leider sind die Antworten der Bundesregierung wenig aussagekräftig. So liegen der Bundesregierung nach eigenen Informationen keine vollständigen Daten und Kenntnisse über die in Deutschland gehaltenen Delfine vor. Sie konnte weder die Anzahl, noch den genauen Zweck der Haltung nennen. Ebenso wenig Auskunft geben konnte sie über den Erfolg oder Misserfolg von Zuchtprogrammen sowie den Gesundheitsstand der Tiere. Und dies, obwohl die in Deutschland gehaltenen Delfinarten unter Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) und Anhang A der Europäischen Artenschutzverordnung fallen und damit sowohl durch internationales als auch europäisches Recht streng geschützt sind.
Wir Grüne sind gegen die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft. Im vergangenen Jahr haben wir die Bundesregierung deshalb aufgefordert, die Einfuhr und Haltung von Delfinen zu beenden. Leider wurde dieser Antrag mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FPD abgelehnt. Immerhin konnten wir jedoch erreichen, dass sich die damalige Regierung zu einer Überarbeitung der derzeitigen Haltungsvorgaben für Delfine im Rahmen des Säugetiergutachtens, das Mindestanforderungen an die Haltung verschiedener Tierarten festlegt, verpflichtete.
Eine Überarbeitung des Säugetiergutachtens ist dringend erforderlich, da es nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht. Die Vorgaben zur Haltung von Delfinen genügen bei Weitem nicht den natürlichen Bedürfnissen der Tiere und den Erfordernissen einer artgerechten Haltung. Die seit langem angekündigte Überarbeitung will die Bundesregierung nun endlich in Angriff nehmen. Mitte März wurden u. a. Tier- und Naturschutzverbände, Landesbehörden, Wissenschaft und Zoologische Gärten in einem ersten Schritt um Stellungnahmen hinsichtlich der Überarbeitung gebeten. Mit der Vorlage des überarbeiteten Gutachten ist laut Bundesregierung jedoch erst in zwei bis drei Jahren zu rechnen.
Wir werden weiter Druck machen und das Vorgehen der Bundesregierung bei der inhaltlichen Überarbeitung des Gutachtens sowie hinsichtlich der Regelungen zur Haltung von Delfinen in Deutschland auch weiterhin kritisch begleiten. Auch in Zukunft setzen wir uns für eine Beendigung der tierquälerischen Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ein.
