Anstatt eine Landwirtschaft zu stärken, die die heimische Nachfrage nach Qualitätslebensmitteln befriedigt, ist die Agrarpolitik von CDU/CSU und FDP ausgerichtet auf Massentierhaltungen und den Export mit der Zielrichtung außereuropäische Märkte. Handelsabkommen mit Libyen oder Vietnam werden euphorisch begrüßt - auch wenn diese tierquälerische Lebendtransporte mit sich bringen.
Dass dies ein Irrweg ist, zeigt die Situation auf dem Eiermarkt. Während CDU/CSU, SPD und FDP in Bund und Ländern die Rückkehr der Käfighaltung von Legehennen durchgesetzt haben, hat der gesamte deutsche Handel auf Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher das Käfig-Ei ausgelistet. Auch mehr und mehr Lebensmittelverarbeiter setzen auf Eier aus Freiland-, Boden- oder Ökohaltung. Verfehlte Politik und die Uneinsichtigkeit der Agrarindustrie führen dazu, dass heute Eier aus alternativen Haltungsformen importiert werden müssen, weil viele heimischen Erzeuger am Markt vorbei produzieren.
Massentierhaltung ist nicht zukunftsfähig
Auch die folgenden Fakten belegen, dass der Ausbau der Massentierhaltung falsch ist:
Während Ernährungswissenschaftler einen Verzehr von 350 Gramm Fleisch oder Wurst pro Woche empfehlen, liegt der pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland laut Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei 1.700 Gramm. Gesundheitliche Auswirkungen wie Störungen des Herz-Kreislaufsystems oder ein erhöhtes Krebsrisiko sind die Folgen. Eine Reduzierung unseres Konsums an tierischen Produkten ist also dringend geboten.
Tierische Produkte und ihre Herstellung sind besonders kritisch für das Klima. Der Weltklimarat IPCC und die Welternährungsorganisation FAO gehen davon aus, dass bis zu 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase aus der Tierhaltung stammen - mehr als aus dem Verkehrssektor. Bis zu neun Kilogramm Getreide sind nötig, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren. 65 bis 90 Prozent der Futter-Energie gehen verloren. Zudem stoßen Rinder und andere Wiederkäuer bei der Verdauung Methan aus, das ungefähr zwanzigmal so klimaschädlich ist wie CO2.
Die intensive Tierhaltung in Europa ist in hohem Maße von Importfuttermitteln abhängig. Schon heute werden gut 50 Prozent des Eiweißfutters importiert. Auf einem Drittel der weltweiten Anbaufläche werden Futtermitel angebaut. Im Zusammenhang mit der Frage, wie die wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann, wird dieser massive Import zu Recht stärker kritisiert werden. Europa und Deutschland täten gut daran, mit einer gentechnikfreien Eiweißstrategie eine bessere Eigenversorgung mit Futtermitteln in Angriff zu nehmen. Das setzt auch einen Abbau der Tierbestände voraus.
Industrielle Tierhaltungsanlagen geben keine positiven Impulse für die ländliche Entwicklung. Im Gegenteil: Die Lebensqualität für Anwohnerinnen und Anwohner verschlechtert sich und andere Wirtschaftszweige wie der Tourismus werden beeinträchtigt. Zudem ist klar: Der Aufbau einer großen Tierhaltungsanlage bedeutet gleichzeitig, dass viele bäuerliche Betriebe ihre Tierhaltung aufgeben müssen – im Schnitt gibt es keinen positiven Beschäftigungseffekt.
Grüne setzen auf artgerechte Haltung
Bündnis 90/Die Grünen sind überzeugt: Nur eine artgerechte Tierhaltung ist gut für Tiere, Umwelt und Klima, sichert die Existenz der bäuerlichen Betriebe und trägt zur Entwicklung der ländlichen Regionen und zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Dafür wollen wir die Rahmenbedingungen schaffen.
Wir Grüne haben maßgeblich dazu beigetragen, den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern. Jetzt gilt es, diesen Anspruch in die Praxis umzusetzen. Dazu werden wir in diesem Jahr unseren Entwurf für ein neues Tierschutzgesetz in den Bundestag einbringen.
Durch Reformen und strikte Anwendung des Emissions-, Bau- und Planungsrechts wollen wir den Bau von industriellen Massentierhaltungsanlagen verhindern. Eine staatliche Förderung von Agrarinvestitionen soll nur noch dann erfolgen, wenn das Vorhaben besondere Standards beim Tier-, Umwelt-, Klima- oder Naturschutz umsetzt. Die Agrarzahlungen müssen zukünftig an die Erbringung gesellschaftlicher Leistungen - auch im Tierschutz - geknüpft werden.
Außerdem wollen wir eine Tierschutzkennzeichnung für alle Lebensmittel einführen, um den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich bewusst für Produkte aus artgerechter Tierhaltung zu entscheiden.
Die Transportzeiten für Schlachttiere wollen wir auf acht Stunden beschränken. Der Export von Lebensmitteln sollte sich auf Qualitätsprodukte und Spezialitäten konzentrieren und nicht auf Schlachtrinder oder Schweinehälften.
