Bundesregierung tut nichts gegen drohenden Fachkräftemangel
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage (BT-Drs. 17/6412) der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen liefert die Bundesregierung die Fakten dafür, warum der Nachwuchs der Tourismuswirtschaft den Rücken kehrt. Gleichzeitig bestätigt Schwarz-Gelb, dass Deutschland auf einen Fachkräftemangel zusteuert. Eine Lösung zeigt sie allerdings nicht auf.
Ausbildung in der Tourismuswirtschaft derzeit wenig attraktiv
Die Ausbildungen zum Hotelfachmann/-frau und zum Restaurantfachmann/-frau belegen in einem Ranking des DGB die beiden letzten Plätze. Das hat der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergeben, indem Auszubildende zur Zufriedenheit in 25 der meist gewählten Berufen befragt wurden.
Dass die Arbeitsbedingungen in der Ausbildung und danach nicht nur als schlecht empfunden werden, sondern auch real verbesserungswürdig sind, zeigt die Antwort der Bundesregierung.
- Die Löhne, die in der Tourismuswirtschaft prinzipiell am untersten Rand der Entgeltskala liegen, sind von 2007 bis 2009 nicht einmal im Rahmen der Inflationsrate gestiegen, bei den geringfügig Beschäftigten sind sie sogar gesunken.
- Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse ist zwischen 2007 und 2010 stetig zurück gegangen (-16%).
- Die Vertragslösungsquoten liegen bei den Kochlehrlingen mit 44%, bei den Lehrlingen zum Restaurantfachmann/-frau mit 43,6% und den Lehrlingen zur Fachkraft im Gastgewerbe mit 42,7% deutlich über dem Durchschnitt der dualen Ausbildung (22,1%).
Rahmenbedingungen der Ausbildung verbessern
Zu viele Nachtschichten und unbezahlte Überstunden dürfen nicht zur Tagesordnung in Hotels gehören. Die Regierung muss sich hier ihrer Verantwortung stellen und zusammen mit den Ländern konkrete Schritte erarbeiten, um den Arbeitsschutz zu gewährleisten. Ein Kompetenzgeschiebe wird keinem Jugendlichen, der nachts oder viel zu lange arbeitet, weiterhelfen.
Wenn weit mehr als jeder Dritte in der Tourismusbranche seine angefangene Ausbildung abbricht, insgesamt die Zahl der Jugendlichen, die eine neue Ausbildung beginnen, jedes Jahr sinkt und die Reallöhne nicht steigen, dann ist das eine untragbare Situation auf die die Bundesregierung mit konzertierten Maßnahmen reagieren muss. Wir müssen es schaffen, den Nachwuchs für diese Branche zu begeistern, das geht aber nur, wenn die Rahmenbedingungen der Ausbildung erheblich verbessern.

