Airlines und Industrie setzen Gesundheit und Sicherheit aufs Spiel
Fast alle Typen von Verkehrsflugzeugen saugen die Frischluft für die Kabine als sogenannte Zapfluft über die Triebwerke an. Damit können Flugreisen zur Gefahr für Sicherheit und Gesundheit der Passagiere und des Flugpersonals werden, wenn Inhaltsstoffe von Triebwerksölen die Kabinenluft kontaminieren. Dies bestätigten Sachverständige bei einer von der Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen beantragten Anhörung am 21. September im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages. Die Vorwürfe, mittlerweile wissenschaftlich belegt, wiegen schwer. Airlines und Industrie zeigen trotzdem keine Einsicht, sondern beteuern, dass die Luft an Bord von "einwandfreier Qualität" sei. Dagegen reichten im Vorfeld der Anhörung zahlreiche Betroffene - darunter Piloten und Flugbegleiter – Stellungnahmen ein. Aus unserer Sicht sind die von den Betroffenen beschriebenen gesundheitlichen Symptome erschreckend.
Die Sicherheit im Flugverkehr überwachen zwei Aufsichtsbehörden: die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) und das Luftfahrt-Bundesamt (LBA). Während die BFU sehr aktiv die wissenschaftlichen Erkenntnisse überprüft und Fälle erfasst, bemüht sich das LBA, das Problem selbst zu ignorieren. So begnügte sich das LBA bislang damit, dass Fälle, bei denen es zu Ereignissen mit kontaminierter Kabinenluft kam, erst auf Nachfrage gemeldet wurden. Sanktionen erfolgten nicht. Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis90/Die Grünen hervor.
Wir Grünen im Bundestag wollen nun einen Antrag formulieren und unter anderem den Einbau von Mess- und Kontrollsystemen für gesundheitsgefährdende Stoffe in der Flugzeugkabine, eine Nutzung von Triebwerkölen, die keine neurotoxischen Stoffe enthalten, sowie empfindliche Sanktionen bei Nichtmeldung und Unterlassung der Informations- und Betreuungsleistungen fordern.
Das Ausland ist im Fall kontaminierter Kabinenluft bereits weiter. Auch der neue Boeing Dreamliner 787 setzt positive Zeichen: Hier wird die Luft nicht mehr an den Triebwerken abgezapft. Eine Kontamination mit Öl ist damit nahezu ausgeschlossen.

