Kontrolle bestanden? Hygieneregeln eingehalten? Restaurantgäste wollen informiert sein bevor sie sich zum genüsslichen Mahl niederlassen. In einer Emnid-Umfrage vom April 2010 sprachen sich 93 Prozent der Befragten für eine smiley-Kennzeichnung von Prüfergebnissen direkt in den Lebensmittelbetrieben aus.
Dänemark macht seit dem Jahr 2001 vor, wie ein verbraucherfreundliches smiley-System der Lebensmittelüberwachung Klarheit schaffen kann und zugleich die Hygiene verbessert. Verbraucherminister, Verbraucherschutzverbände und Lebensmittelkontrolleure können sich für Deutschland ein anderes Symbol, ein sogenanntes Kontrollbarometer, vorstellen. Und auch Verbraucherministerin Aigner wollte noch vor einem Jahr ein bundesweites Modell einführen.
Kontrollbarometer statt smiley
Die Verbraucherministerkonferenz hat Ministerin Aigner deshalb im Mai 2011 aufgefordert, für eine für alle Länder einheitliche Rechtsgrundlage zu sorgen. Bisher ist unsicher, ob auch negative Untersuchungsergebnisse von den Behörden veröffentlicht werden dürfen. Und ein sofortiger Aushang vor Ort müsste ebenfalls rechtlich abgesichert werden.
Zunächst war Ministerin Aigner auch Feuer und Flamme, doch nachdem ihr Heimatland Bayern und die Wirtschaftsminister der Länder dagegen stimmten, will sie jetzt erst abwarten bis alle Länder sich einig geworden sind. Mit dieser Verzögerungstaktik gefährdet sie nun die Einführung des Kontrollbarometers zum Januar 2012.
Verzögerungstaktik kostet Vertrauen und Qualität
Wieder einmal folgt einer Ankündigung der Ministerin kein Handeln. Statt dem Vertrauensverlust in die heimischen Lebensmittelbetriebe - in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Skandalen wie Gammelfleisch und Schadstofffunden ins Gerede gekommen - entgegenzuwirken und den Verbraucherschutz zu stärken, knickt sie vor den kleinsten Einwänden der Gaststättenlobby ein.
In Dänemark hat das Transparenzsiegel nachweislich zu einem deutlichen Rückgang der Beanstandungen geführt. Im Jahr 2009 wurden nur noch 14 Prozent der Unternehmen bemängelt gegenüber 30 Prozent im Jahr 2002. Jeweils 88 Prozent der dänischen Verbraucherinnen und Verbraucher und auch der befragten Unternehmen finden den smiley eine gute Idee und vertrauen dieser Kennzeichnung. Auch Unternehmen des deutschen Einzelhandels wie zum Beispiel Lidl, Netto oder Aldi hängen ihre Ergebnisse in Dänemark aus.
In Deutschland muss die Verbraucherschutzministerin den Fuß von der Bremse nehmen.

