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Konferenz | 28.04.2012

Elberaum entwickeln – nachhaltig, zukunftsfähig und naturverträglich

Seite 2: Zukunft der Elbe

Die Bedeutung der Binnenschifffahrt wird in Zukunft nicht zunehmen.
Jiri Aster, Präsident der Kammerunion Elbe/Oder, stellte die Bedeutung des Elbeeinzugsgebietes in Europa heraus und erläuterte die Abhängigkeit der Tschechischen Republik von der Elbe als Transportweg und einziger Verbindung zum Weltmeer.
Michael Cramer MdEP, grüne Fraktion im europäischen Parlament, berichtete, dass die EU-Kommission die Elbe als eines der wichtigsten Verkehrsprojekte sieht, obwohl 80 Prozent der Binnenschifffahrt in Deutschland auf dem Rhein stattfinden.
Prof. Dr. Uwe Grünewald von der TU Cottbus hat die Wasserverfügbarkeit der Elberegion mit anderen Flussregionen in Europa verglichen und festgestellt, dass der deutsche Elberaum ein Wassermangelgebiet ist, welches im europäischen Vergleich lediglich von der Themse unterboten wird.
Dr. Roland Hennecke von der Deutschen Bahn AG stellte fest, dass die Elbetrasse nicht überlastet ist und die Verkehrsnachfrage durch die Deutsche Bahn abgedeckt werden kann.
Stephan Kühn MdB verwies darauf, dass die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die Elbe immer geringer wird, dafür sich aber der Tourismuss entlang der Elbe zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt.
Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gab einen Rückblick auf die letzten 23 Jahre der Diskussion über die Entwicklung der Elbe.
Matthias Scholz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig verwies in seinem Vortrag zu den ökologischen Risiken für den Elberaum darauf, dass die Auen ein Hotspot der biologischen Vielfalt sind.
Dorothea Steiner MdB resümierte, dass es nicht reicht, den Flüssen mehr Raum zur geben, sondern dass diese auch mehr Wasser benötigen.
Undine Kurth MdB diskutierte darüber wie der Elberaum zukunftsfähig entwickelt werden kann.
Valerie Wilms MdB berichtete, dass die Bahn eine Alternative zum Binnenschiffsverkehr ist und diese bisher auf der Elbestrecke noch nicht an einen Engpass gelangt ist.
Damit sich die Situation der Elbauen verbessert, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die hydrologischen und morphologischen Standortbedingungen verbessern und die die Grundwasserstände in der Aue stabilisieren.

In seiner Begrüßung ging Stephan Kühn MdB, Sprecher für Verkehrspolitik, darauf ein, dass vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie vom Ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im vergangenen Jahr Eckpunkte für ein Gesamtkonzept Elbe vorgelegt wurden und dass 2012 alle Interessensgruppen gemeinsam darüber diskutieren sollen. Dieser Diskussionsprozess wurde lange von den Grünen eingefordert, unter anderem wurde im vergangenen Jahr ein entsprechender Antrag in den Bundestag eingebracht, der die Entwicklung eines Konzeptes zum Ausbau der wirtschaftlichen Potenziale in der Elberegion zum Ziel hat. So wird sich für eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik mit dem Ziel eingesetzt, ein gemeinsames Güterverkehrskonzept sowie ein Tourismuskonzept für die Euroregion Elbe/Labe zu entwickeln.

Kühn unterstrich die Erwartung, dass die Diskussion offen und ohne Vorfestlegungen stattfindet und erklärte, dass man sich selbstverständlich beteiligen werde, diese Konferenz sei der Auftakt dazu. Als Diskussionsgrundlage stellte Stephan Kühn ein Eckpunktepapier von Undine Kurth, Dorothea Steiner, Dr. Valerie Wilms und sich selbst vor. Kühn stellte die besondere Bedeutung der Elbe als letzter in Teilen naturnaher Strom Mitteleuropas heraus und betonte, dass die einzigartige Naturlandschaft im Mittelpunkt der zukünftigen Entwicklung stehen muss.

Im Wettbewerb der verschiedenen Nutzungsansprüche von Naturschutz bis Hochwasserschutz und über die Binnenschifffahrt ist die Nutzung als Transportweg der entscheidende Knackpunkt. Kühn berichtete von der Diskrepanz eine ganzjährige Fahrrinnentiefe von 1,60 Metern durch Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen zu garantieren und dem tatsächlichen Misserfolg. Allein 2011 wurde dieses Ziel beispielswiese auf der Elbestrecke 4 zwischen Elster- und Saalemündung an 116 Tagen unterschritten. Entsprechend niedrig sind die Zahlen der Gütertransporte auf der Elbe im Bereich der Stadtstrecke Magdeburg mit 0,8 Millionen Tonnen im Jahr 2011.

Kühn verwies auf den Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff, der sich für eine bessere Schiffbarkeit der Elbe einsetzt. Eine solche Verbesserung würde jedoch massive Eingriffe in den Fluss und dessen Ökosystem erfordern. Einen solchen Ausbau der mittleren und oberen Elbe lehnen die Grünen ab. Das Beispiel der von der Elbe abwandernden Reeder zeigt, dass die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die Elbe immer geringer wird. Stattdessen hat sich der Tourismuss entlang der Elbe zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Anschließend wurde in zwei Foren und einer Podiumsdiskussion angeregt und kontrovers diskutiert.

In der abschließenden Zusammenfassung betonte Stephan Kühn MdB, dass neben den vielen Gemeinsamkeiten, für ihn drei Punkte besonders deutlich wurden:

1. Die Bedeutung der Binnenschifffahrt wird in Zukunft nicht zunehmen.

2. Tschechien hat ein berechtigtes Interesse am Ausbau der Transportverbindungen nach Deutschland. Allerdings solle man der Schienengüterverkehrstrasse Dresden - Prag mehr Bedeutung beimessen, da diese höhere Transportkapazität besitze.

3. Sei bei der Debatte zur Unterhaltung deutlich geworden, dass dem „mehr Raum für den Fluss“ deutlich in den Mittelpunkt rücke.

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Die Bedeutung der Binnenschifffahrt wird in Zukunft nicht zunehmen.
Jiri Aster, Präsident der Kammerunion Elbe/Oder, stellte die Bedeutung des Elbeeinzugsgebietes in Europa heraus und erläuterte die Abhängigkeit der Tschechischen Republik von der Elbe als Transportweg und einziger Verbindung zum Weltmeer.
Michael Cramer MdEP, grüne Fraktion im europäischen Parlament, berichtete, dass die EU-Kommission die Elbe als eines der wichtigsten Verkehrsprojekte sieht, obwohl 80 Prozent der Binnenschifffahrt in Deutschland auf dem Rhein stattfinden.
Prof. Dr. Uwe Grünewald von der TU Cottbus hat die Wasserverfügbarkeit der Elberegion mit anderen Flussregionen in Europa verglichen und festgestellt, dass der deutsche Elberaum ein Wassermangelgebiet ist, welches im europäischen Vergleich lediglich von der Themse unterboten wird.
Dr. Roland Hennecke von der Deutschen Bahn AG stellte fest, dass die Elbetrasse nicht überlastet ist und die Verkehrsnachfrage durch die Deutsche Bahn abgedeckt werden kann.
Stephan Kühn MdB verwies darauf, dass die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die Elbe immer geringer wird, dafür sich aber der Tourismuss entlang der Elbe zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt.
Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gab einen Rückblick auf die letzten 23 Jahre der Diskussion über die Entwicklung der Elbe.
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Dorothea Steiner MdB resümierte, dass es nicht reicht, den Flüssen mehr Raum zur geben, sondern dass diese auch mehr Wasser benötigen.
Undine Kurth MdB diskutierte darüber wie der Elberaum zukunftsfähig entwickelt werden kann.
Valerie Wilms MdB berichtete, dass die Bahn eine Alternative zum Binnenschiffsverkehr ist und diese bisher auf der Elbestrecke noch nicht an einen Engpass gelangt ist.
Damit sich die Situation der Elbauen verbessert, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die hydrologischen und morphologischen Standortbedingungen verbessern und die die Grundwasserstände in der Aue stabilisieren.

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