Die Zukunft fährt grün
Mit der Art und Weise, wie wir heute Auto fahren, brausen wir in den Klimacrash. 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entstehen durch den Straßenverkehr. Er ist ein Hauptfaktor der globalen Erwärmung. Nur wenn wir Mobilität neu gestalten und von fossilen Kraftstoffen unabhängig machen, ist das weltweite Verkehrswachstum und die Zunahme des Autobestands überhaupt verkraftbar.
Mobilität muss grün werden. Moderne Verkehrspolitik stellt Alternativen zum Autofahren bereit und erleichtert die Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel. Denn der Straßenverkehr schränkt Sicherheit und Lebensqualität vielfach ein. Ein leistungsfähiges Bahnnetz, das auch ländliche Räume anbindet, muss umfassende Mobilität gewährleisten und große Anteile des Güterverkehrs übernehmen. Insbesondere in Städten, wo ein Großteil verkehrsbedingter Emissionen entsteht, müssen öffentlicher Nahverkehr und attraktive Rad- und Fußgängerinfrastruktur eine schnelle, sichere und bequeme Mobilität ermöglichen. Dies wird weiter im Fokus grüner Verkehrspolitik stehen.
Das Auto wird Bestandteil der Mobilität bleiben. Doch das Auto der Zukunft fährt grün - oder gar nicht. Nur mit neuer umweltschonender Automobiltechnik erreichen wir eine zivilisierte Mobilität. Vision ist ein grünes Autos, das weitgehend klimaneutral ist, keine Schadstoffe ausstößt, leise fährt, keine schweren Unfälle mehr verursacht und in ein integriertes Verkehrssystem eingebettet ist.
Nach massiver Kritik an gewissenloser PS-Protzerei und unverändert hohen Verbrauchswerten präsentiert sich die IAA 2007 grüner als je zuvor. Die Marketingstrategie läuft jedoch Meilen vor der Realität. Bis auf einige nachgebesserte Öko-Modelle betreibt die Branche weiter Business as usual. Umwelttechnik in allen Modellen und in Serie ist die Anforderung, die die IAA 2007 nicht erfüllt. Vom grünen Auto der Zukunft ist sie noch weit entfernt. Als Messe der Auslaufmodelle müsste ihr Motto statt "Sehen, was morgen bewegt" ehrlicherweise lauten: "Sehen, was heute schon nicht mehr geht!"
Die deutsche Automobilindustrie muss die Ökologisierung der Automobilität als dauerhafte Herausforderung und Chance zugleich begreifen. Mit der Blockade wirksamer Verbrauchsobergrenzen sägt sie an dem Ast, auf dem sie sitzt. Denn ihre Produkte werden künftig nur noch dann das Prädikat "Premium" erhalten, wenn sie die Spitze ökologischer Innovationen, niedrigen Verbrauch und modernste Antriebstechniken anbieten. Nur mit einem Technologievorsprung bei umweltfreundlichen Autos werden die deutschen Marken im Wettbewerb der Zukunft bestehen.
Effizienzsteigerung und Downsizing sind die ersten dringenden Schritte auf dem Weg zum grünen Auto. Alle Möglichkeiten, den Kraftstoffverbrauch zu senken, müssen ausgeschöpft werden. Weniger Gewicht, Leichtlaufreifen, elektronische Schaltempfehlung und optimierte Verbrennungsmotoren lassen die CO2-Emissionen weiter sinken. Die aktuelle Auto-Umweltliste des VCD zeigt, was schon heute möglich ist: Die zehn besten Familienautos emittieren durchschnittlich weniger als 130 g CO2/km und liegen damit unter dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen Grenzwert für das Jahr 2020. Biokraftstoffe sind, wenn sie nachhaltig angebaut werden, eine sinnvolle Ergänzung zu einer radikalen Effizienzstrategie.
Hybridantriebe weisen möglicherweise den Weg zum Antrieb der Zukunft. Denn Elektromotoren haben einen sehr viel höheren Wirkungsgrad als Verbrennungsmotoren. Die Weiterentwicklung der Batterietechnik ermöglicht so genannte Plug-In-Hybride. Diese Fahrzeuge lassen sich auch an der Steckdose für einen rein elektrischen Betrieb aufladen. Für die Umwelt- und Klimabilanz ist dabei entscheidend, dass der elektrische Strom sauber ist. Klimaneutral sind Elektrofahrzeuge nur dann, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.
Politik hat nicht die Aufgabe, sich für eine bestimmte Technik zu entscheiden. Angesichts der ökologischen Herausforderung muss sie Rahmenbedingungen schaffen, die den Markt und seine Akteure dazu bringen, die besten ökologischen Lösungen zu wählen. Die Politik für eine grüne Marktwirtschaft definiert anspruchsvolle ökologische Ziele. Sie ist ökonomisch erfolgreicher, weil sie auf Effizienz setzt und im globalen Wettbewerb um ökologische Innovationen bestehen kann. Wer mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreibt, macht Lebensqualität, Arbeitsplätze und Wohlstand zukunftssicher.
Grüne Autos kommen nicht von alleine. Die Industrie wird neue Autos nur mit der entsprechenden politischen Flankierung und Nachfrage von Verbraucherinnen und Verbrauchern bauen. Das GREEN CAR CONCEPT beschreibt die ökologischen Leitplanken, die den Weg zum grünen Auto und zivilisierter Mobilität weisen:
- Der entscheidende Hebel für mehr Klimaschutz im Autoverkehr sind anspruchsvolle Grenzwerte für Neufahrzeuge. Wir fordern daher einen CO2-Grenzwert von 120 g/km ab dem Jahr 2012 und 80 g/km ab 2020. Fahrzeuge, die 2012 mehr als 240 g CO2 ausstoßen, dürfen keine Zulassung mehr erhalten. Ein Gutachten im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion zeigt, dass sich damit im Zeitraum 2008 - 2020 in der EU 521 Millionen Tonnen CO2 einsparen lassen, mehr als fünfmal so viel wie mit dem Vorschlag der Autoindustrie.
- Deutschland ist das einzige Land weltweit, das kein generelles Tempolimit auf Autobahnen hat. Ein solches Tempolimit befürwortet die Mehrheit der Deutschen und ist überfällig. Es würde den CO2-Ausstoß sofort um neun Prozent der Pkw-Emissionen auf Autobahnen senken und zu mehr Verkehrssicherheit beitragen.
- Wir wollen ergänzend zum Tempolimit eine verbindliche Motorabregelung bei 160 km/h. Sie beendet das Wettrüsten um die stärksten, schnellsten und zugleich sichersten Fahrzeuge. Neue sparsamere Autoentwicklungen werden möglich.
- Wer ein verbrauchsarmes Auto fährt, muss bei der Kfz-Steuer spürbar begünstigt werden. Wir wollen die Bemessungsgrundlage auf CO2 umstellen und eine progressive Besteuerung einführen. Ein Bonus-Malus-System soll Sparmobile zusätzlich fördern, finanziert durch Strafzahlungen von Spritschluckern. Die Abschreibungsfähigkeit von Dienstwagen muss von 2008 an ab einer Obergrenze von 140 g CO2/km gedeckelt werden.
- Ein Klimapass muss künftig Verbraucherinnen und Verbrauchern umfassend darüber Auskunft geben, ob das angebotene Auto im Vergleich seiner Klasse klimaverträglich ist oder nicht.
- Aussichtsreiche technologische Innovationen müssen stärker durch öffentliche Förderung unterstützt werden. Daher sind die Bundesmittel für die Forschung und Entwicklung der Hybrid- und Stromspeichertechnik auf 100 Millionen Euro pro Jahr aufzustocken. Wir wollen ein Programm "Eine Million Hybrid-/Elektrofahrzeuge bis 2020".
Die komplette Fassung des Fraktionsbeschlusses können Sie über den Link am Ende der Seite herunterladen.
