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Die grüne Position | 28.10.2009

Grüne Waldpolitik für naturnahe Wälder

Unsere Wälder brauchen eine nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft. Der Schutz der Natur muss integraler Bestandteil der Waldbewirtschaftung sein. Strukturreiche Mischwälder sind das Ziel. Sie sollen die bestehenden Kiefern- und Fichten-Altersklassenwälder nach und nach ersetzen. Der Weg dorthin führt über eine Dauerwaldbewirtschaftung, die auf Kahlschlagflächen verzichtet.

Ein naturnah bewirtschafteter Wald dient nicht nur dem Schutz der biologischen Vielfalt. Er ist zugleich stabiler gegenüber Stürmen und Schädlingsbefall. Auch der Klimawandel, der die Umweltbedingungen verändert, kann ihm weniger anhaben. Ein solcher Wald zeichnet sich durch höhere Bestandsstabilität und bessere Holzqualität aus und sichert auch langfristig die Grundlage der heimischen Forst- und Holzwirtschaft.

Zum Schutz der biologischen Vielfalt müssen geeignete Konzepte des integrativen Naturschutzes angewandt werden. Unter anderem ist für ein ausreichendes Maß an Alt- und Totholz in den Wäldern zu sorgen. Sie sind für einige Pilz- und Insektenarten lebenswichtig. In intensiv genutzten Forsten, in denen alte Bäume gefällt werden bevor die Alters- und Verfallsphase einsetzt, haben es solche Arten besonders schwer. Sie gehören daher besonders häufig zu den bedrohten Arten.

Um unsere waldpolitischen Ziele zu erreichen, setzen wir Grüne auf verschiedene Maßnahmen. So wollen wir unter anderem allgemeine ökologische Mindeststandards im Bundeswaldgesetz als Rahmenvorgabe für alle Wälder festlegen. Konkrete Schritte dazu finden sich in unserem Antrag "Das Bundeswaldgesetz novellieren und ökologische Mindeststandards für die Waldbewirtschaftung einführen" (BT-Drucksache 16/9450) aus der 16. Legislaturperiode. Über diese Mindeststandards hinausgehende Ziele wollen wir durch anspruchsvolle Zertifizierungssysteme und durch die Einführung von Vertragsnaturschutz im Wald erreichen, zum Beispiel durch Kofinanzierung von Waldumweltmaßnahmen gemäß der ELER-Verordnung.

Daneben müssen bestimmte schützenswerte Wälder unter besonderen Schutz gestellt werden. Gebiete mit einem strengen Schutzstatus - bis hin zum Totalreservat - sollten dabei bevorzugt in das Eigentum von öffentlichen und privaten Institutionen übergehen, die dem Allgemeinwohl und dem Naturschutz verpflichtet sind.

In Deutschland ist der Wald nahezu vollständig Wirtschaftswald. Auch in Zukunft muss es so bleiben, dass der Großteil der Wälder bewirtschaftet und zur Gewinnung des nachwachsenden Rohstoffes Holz genutzt wird. Gleichwohl unterstützen wir das Ziel, fünf Prozent der deutschen Waldfläche einer natürlichen Entwicklung zuzuführen. Die Befürchtungen und Bedenken der deutschen Forst- und Holzwirtschaft gegen diese Pläne können wir zum Teil nachvollziehen. Wenn Flächen stillgelegt werden, wird auch der Holzeinschlag sinken. Nachteile für die deutsche Forst- und Holzwirtschaft sind daher nicht auszuschließen. Gleichzeitig wird der Markt in der Tat versuchen, dieses Holz aus anderen Quellen zu ersetzen. Der Druck auf andere Wälder, zum Beispiel in den Tropen, könnte damit steigen.

Dennoch sehen wir Deutschland in der Pflicht, die Nutzung seiner Wälder zu beschränken. Denn wir stehen zum Beispiel beim Schutz von Buchenwäldern auch international in der Verantwortung. Um die biologische Vielfalt zu erhalten, ist ein Mindestanteil an ungenutzten Wäldern von großer Wichtigkeit. Auf diese Weise können Wälder mit natürlichem Charakter und einem vollen Artenspektrum entstehen. Deutschland muss in seiner Waldpolitik glaubwürdig sein, wenn es zum Beispiel bei der Erhaltung von Ur- und Tropenwäldern von anderen Ländern erwartet, den ökologischen vor den wirtschaftlichen Nutzen zu stellen.

Schon aus waldbaulicher Sicht ist ein bestimmter Anteil an Naturwaldflächen als Referenzfläche sinnvoll. Diese Waldökosysteme ohne Störungen durch den Menschen spiegeln den natürlichen Prozess wider. Sie zeigen uns, welche Antwort die Natur auf sich ändernde Naturgegebenheiten gibt. Gerade in Anbetracht von Klimawandel und steigendem Nutzungsdruck kann dies den Forstwirten wertvolle Hinweise geben, die sich langfristig auch ökonomisch auszahlen können.

 

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