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Waldstrategie | 21.03.2011

Holz muss effizienter eingesetzt werden

Entwurf der Bundesregierung naturschutzpolitisch und holzwirtschaftlich dürftig

Am 21. März 2011, dem Tag des Waldes, wollte Agrarministerin Aigner die Waldstrategie der Bundesregierung vorstellen. Stattdessen aber hat sie die Notbremse gezogen und die Veröffentlichung der Waldstrategie auf unbestimmte Zeit bzw. auf 'eventuell noch in diesem Jahr' vertagt und einen erneuten Diskussions- und Dialogprozess ankündigen lassen.

Nach allem, was von der Waldstrategie bisher zu lesen war, war diese Notbremse dringend notwendig. Denn es handelte sich um einen sowohl aus naturschutzpolitischer als aus holzwirtschaftlicher Sicht absolut dürftigen und unzulänglichen Entwurf. Es besteht grundlegender Überarbeitungsbedarf. Und das, obwohl dem Entwurf ein dreijähriger Diskussionsprozess vorangegangen ist. Das ist ein ziemliches Armutszeugnis für die Bundesregierung.

Aus bündnisgrüner Sicht muss die Waldstrategie der Bundesregierung für alle Aspekte, die für die Wald- und Holzwirtschaft wesentlich sind, strategische Ziele und Lösungsansätze formulieren. Dazu gehören neben der Holzversorgung auch der Naturschutz im Wald und die Herausforderungen durch den Klimawandel. So muss die Bundesregierung endlich eine Antwort auf die Frage geben, auf welche Art und Weise sie ihr Ziel von bundesweit fünf Prozent ungenutzten Naturwäldern umsetzen will, damit die Spekulationen über die zu erwartenden Auswirkungen auf Waldbesitzer und Holzversorgung endlich ein Ende haben. Sie muss auch den jagdpolitischen Stillstand überwinden, den sie selbst verordnet hat. Übergeordnetes Ziel der Waldstrategie muss es sein, naturnahe, klimaplastische Wälder aufzubauen, die langfristig den wertvollen Rohstoff Holz liefern. Notwendig ist die Verknüpfung mit anderen Strategien der Bundesregierung, z.B. der für Biomasse und der für Biodiversität.

Etwa 30 Millionen Kubikmeter Holz, so wird prognostiziert, werden der holzverarbeitenden Industrie im Jahr 2020 fehlen. Diese Holzlücke will die Bundesregierung vorwiegend durch eine nochmalige Verbreiterung der Rohstoffbasis schließen, obwohl der Rohholzeinschlag in den letzten Jahren bereits auf 80 Millionen Kubikmeter verdoppelt wurde. Dabei hat das dritte Symposium “Waldstrategie 2020″ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im April 2010 in Berlin gezeigt, dass weder eine verstärkte Holzmobilisierung, eine Verkürzung der Umtriebszeiten, der Anbau von Kurzumtriebsplantagen, die Änderung der Baumartenwahl oder Maßnahmen der Forstgenetik allein oder in Kombination in der Lage sind, das bevorstehende Defizit auszugleichen. Es wird auch nicht möglich sein, die benötigten Rohholzmengen zu importieren. Das bisher entworfene Konzept der Bundesregierung ist also völlig unzureichend.

Deswegen muss die Bundesregierung auch die Frage beantworten, in welchem Umfang Maßnahmen zur Begrenzung des prognostizierten Wachstums im Bereich der Holzenergie – ebenfalls in der Größenordnung von 30 Millionen Kubikmetern jährlich – erforderlich werden können. Dazu will sich die Bundesregierung aber bisher nicht äußern. Dies zeigt, dass die Bundesregierung den Ernst der Lage für unsere Holzwirtschaft noch nicht voll und ganz erfasst und sich an die Frage, ob die Ziele beim Ausbau der Holzenergie noch zu halten sind, nicht heran traut.

Aus unserer Sicht ist klar, dass der Rohstoff Holz angesichts der drohenden Holzlücke künftig sparsamer und effizienter eingesetzt werden muss. Dafür ist dringend ein Forschungs- und Innovationsprogramm für den sparsamen und effizienten Holzeinsatz, eine Initiative zur effizienten Holzenergienutzung und eine Initiative zum verstärkten Holz- und Papierrecycling notwendig. Ziel muss es sein, zukünftig mehr Nutzen aus den zur Verfügung stehenden Holzressourcen zu erzielen als bisher.

Angesichts des abnehmenden Nadelholzanteils brauchen wir außerdem eine Technologie- und Innovationsinitiative zur Verwertung von Laubholz. Denn ein Stopp des Waldumbaus hin zu mehr Laubäumen kann aus ökologischer Sicht keine Perspektive sein, zumal sich alle Experten einig sind, dass die Anbaurisiken für die Fichte infolge des Klimawandels erheblich zunehmen werden.

Außerdem ist eine Initiative für den Holzbau angebracht, weil im Holzbau die Nutzungsdauer des Holzes am längsten ist, somit die Verwendung von Holz im Baubereich die nachhaltigste und klimapolitisch sinnvollste Verwertung ist.

 

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