Fachgespräch Komplementärmedizin auf dem Prüfstand

Unter Komplementär- oder Alternativmedizin werden unterschiedliche Ansätze zusammengefasst. Dazu gehören komplexe Systeme wie Homöopathie, anthroposophische Medizin, traditionelle chinesische Medizin (ein Bestandteil ist die Akupunktur) oder Ayurveda ebenso wie Einzelansätze z.B. Bachblüten oder Fußreflexzonenmassage.

Alternative oder Glaubenssache

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat ein Fachgespräch zur Komplementär- oder Alternativmedizin veranstaltet. Wir wollten wissen wie und durch welche Methoden die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Ansätze nachgewiesen werden kann und welche Schlüsse das deutsche Gesundheitssystem aus qualitativ hochwertigen Studien zieht.

Patienteninformation und -beratung sowie der Verbraucherschutz sind urgrüne Anliegen. Dort spielt die Alternativmedizin jedoch kaum eine Rolle oder wird sogar als Gefahr für die PatientInnen dargestellt. So z.B. durch das Buch "Die Andere Medizin" der Stiftung Warentest, das die Komplementärmedizin sehr kritisch in den Blick nimmt. Es ist uns nicht gelungen, eine der beiden Autorinnen oder einen VertreterIn eer Verbraucherzentralen für unsere Veranstaltung zu gewinnen. Damit entfiel die geplante Kontroverse über die Aussagen des Buches "Die Andere Medizin".

Lesen Sie auf den nächsten Seiten:

Zum Vorwurf: Alternativmedizin vielfach nicht wirksam S. 2
Chancen und Grenzen von Evidenz- sowie Cognition-based Medicine in der Komplementärmedizin S. 3
Akupunktur und Schulmedizin in der Schmerztherapie - misst der Gemeinsame Bundesausschuss mit zweierlei Maß? S. 4
Erstes Fazit S. 5
   

 

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2 Kommentare
Komplemetaermedizin
Dieter Doering 26.04.2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als Facharzt für Allgemeinmedizin, 25Jahre Hausazt, habe ich mich jahrzehntelang mit der gesamten alternativen Medizin beschäftigt und sie gut beobachtet. Traurigerweise musste ich feststellen, dass ich immer wieder enttäuscht worden bin. Für mich ist die ganze Alternative Medizin, Naturheilkunde, Homöopathie, Komplementaermedizin usw eine reine Geschäftemacherei. Ein normaler Patient kann das natürlich nicht beurteilen und glaubt das denn, gibt dann viel Geld aus und jammert anschließend dann seinen Hausarzt was vor. Viele sehr üble Beispiele in meinen Jahren als Hausarzt erlebt. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen die mal berichten.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Doering
Facharzt für Allgemeinmedizin
Haus Horl Strasse 73
45357 Essen
Telefon: 0201 / 66 74 44

Qualifikation der ÄrztInnen
Andreas Roll 27.04.2012

Die Frage der Wirksamkeit von seriöser Komplementärmedizin, insbesondere der klassischen Homöopathie als anerkannter besonderer Therapierichtung ist längst positiv beantwortet. In der medizinischen Fachliteratur finden sich dazu unzählige Dokumentationen.

Das Problem liegt an einer anderen Stelle: die häufig mangelhafte Qualifikation der ÄrztInnen. Wer sich mit Homöopathie nur "beschäftigt", aber dabei nicht das Wissen erwirbt, sie auch zu praktizieren ist nicht in der Lage, sich ein wissenschaftlich belastbares Urteil zu bilden.

Die Weiterbildung selbst für die approbierte ÄrztIn ist nämlich ein langer und arbeitsreicher Weg. Keine/r der qualifizierten ÄrztInnen, die die Homöopathie praktizieren, kehrt zur Schulmedizin zurück, wenn die Effektivität und Effizienz einmal in der eigenen Praxis erlebt wurde. Ein paar Monate Zusatzausbildung und dann die Ergänzung auf dem Praxisschild reichen vielleicht aus, um ein paar naturheilkundlich orientierte PatientInnen zu behalten. Aber für die ungemein befriedigende Tätigkeit als ÄrztIn mit entsprechenden Heilungserfolgen reicht das nicht.

Die Aus- und Fortbildung muss hier weiter verbessert werden. Ebenso die Methodik des Wirksamkeitsnachweises, der mit den bisherigen "schulmedizinischen" Methoden nicht geführt werden kann. Der beste Nachweis der eigenen Leistung sind auch hier dauerhaft zufriedene und nachweisbar geheilte PatientInnen - eine in mancher einseitig schulmedizinisch ausgerichteten Praxis leider seltenen Erfahrung, die auch die PraxisinhaberIn zermürbt.

Mein Appell an die ÄrztInnen: mit qualifizierter Fortbildung lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen - wenn sie nicht von Pharmaunternehmen finanziert ist.

Mein Appell an die Politik: mit mehr Wahl- und Behandlungsfreiheit lassen sich hervorragende Ergebnisse und eine hohe PatienteInnenzufriedenheit erzielen.

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