Positionspapier Ländliche Räume: Soziale Infrastruktur stärken

Älterer Mann mit Enkel auf einem Bootssteg

Es ist kein Geheimnis, dass der demografische Wandel besonders in vielen ländlichen Räumen seine Spuren hinterlassen wird. Sehr wohl ist es derzeit ein Geheimnis, was die schwarz-gelbe Bundesregierung für diese Regionen tun möchte. Die Bundeskanzlerin veranstaltet Gipfel und Gipfel, allein, der demografische Wandel wird nicht warten, bis die Bundesregierung zu Ende beraten hat. Wir müssen jetzt die Weichen stellen.

Ein Ergebnis der grünen Demografietour durch Deutschland diesen Jahres war, dass es vor allem die soziale Infrastruktur ist, die über Wegzug oder Bleiben vor allem junger Menschen vor Ort entscheidet: So kann eine Kita bereits das entscheidende Argument für oder gegen einen Ort sein. In einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft ist es aber auch wichtig, dass wir schon jetzt an die Bedürfnisse älterer Menschen denken. Auch hier müssen wir die soziale Infrastruktur vorausschauend planen. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat jetzt einen Beschluss zur sozialen Infrastruktur in ländlichen Regionen gefasst. Wir zeigen darin, welche Stellschrauben jetzt zu drehen sind. Für uns ist wichtig, dass der demografische Wandel nicht von „oben herab“ bewältigt werden kann. Das Kirchturmdenken muss aufhören. Nur durch eine größere Kooperation beispielsweise zwischen Kommunen oder zwischen Staat und Zivilgesellschaft werden wir den Herausforderungen gerecht werden“

Die zwölf Kernforderungen aus dem Papier:

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen setzt sich vor allem dafür ein,

  • dass alle Kinder gute und gerechte Startchancen bekommen – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und der Region, in der sie aufwachsen. Daher brauchen wir ein qualitativ hochwertiges Angebot an ganztägiger Kindertagesbetreuung. Dies befördert auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf;
  • auch auf dem Land ein flächendeckendes Angebot gebundener Ganztagsschulen zu schaffen, die als selbstständige Einrichtungen individuelle Förderung aller Kinder und Jugendlichen gewährleisten;
  • mit multifunktionalen Bildungszentren, kulturellen und mobilen Beratungsangeboten den ländlichen Raum für Jugendliche attraktiv zu gestalten. Dabei müssen Jugendliche an der Weiterentwicklung der Angebote grundlegend beteiligt werden;
  • Bildungsinstitutionen zu vernetzen, Ausbildung und Hochschulen als Motoren regionaler Entwicklung zu nutzen und gute Arbeit in der Region zu unterstützen;
  • die Teilhabe vor allem älterer Menschen zu gewährleisten, indem sie bei Entscheidungen über die Gestaltung der Lebenswelt, Infrastruktur und so weiter verbindlich einbezogen werden;
  • Räume für Austausch, Kooperation und Vernetzung einzurichten. Soziale Infrastruktur kann räumliche Distanzen überwinden und lebendige Zivilgesellschaft zusätzlich stärken;
  • die pflegerische Versorgung im ländlichen Raum beispielsweise durch die Verfügbarkeit eines Pflegebudgets, den Ausbau von entlastenden Diensten und von alternativen Wohn- und Betreuungsformen zu stärken;
  • die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe zu verbessern und der Pflege einen größeren Stellenwert zu geben. Zugleich müssen mehr Anreize für sektorenübergreifende Versorgungsformen geschaffen werden;
  • das Programm „Altersgerecht Umbauen“ zu verstetigen und Programme in den Bereichen Stadtentwicklung weiterzuentwickeln;
  • die kulturelle Infrastruktur zu erhalten und auszubauen, denn Kulturangebote und Gelegenheiten zur künstlerischen Aktivität haben einen entscheidenden Einfluss auf das Identitätsempfinden zum Heimatort und auf die Attraktivität von Orten;
  • die finanzielle Situation der Kommunen zu verbessern;
  • Mobilität und Breitbandversorgung im ländlichen Raum zu gewährleisten.

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3 Kommentare
Mobilität und Breitbandversorgung
Boissier 07.10.2012

Da bin ich ja aber mal gespannt,wann,nach über 20 Jahren deutsche Einheit,sich hier im ländlichen Raum etwas tut.Das Internet ist hier so schnell,wie 1990 als ich damit anfing in Brühl.
Der ländliche Raum wird einfach vernachlässigt.Nach der Devise:die paar Alten??????

Positionspapiere müssen das "wie" adressieren!
Anael Labigne 08.10.2012

Punkte wie "die finanzielle Situation der Kommunen zu verbessern" oder "dass alle Kinder gute und gerechte Startchancen bekommen" aber sogar "ein qualitativ hochwertiges Angebot an ganztägiger Kindertagesbetreuung" haben mit Positionierung im Sinne konkreter Strategien wenig zu tun. "Positionspapiere" sind nicht zu verwechseln mit Honig verteilen. Alle wollen Honig, aber WIE wird der produziert? Von fleissigen Bienen die einen extrem gut koordinierten (sogar inkorporierten) PLAN haben.

"Wie" und vor allem "Womit"?
Annelie Scharfenstein 08.10.2012

So, jetzt gibt es also einen Beschluß zu den bekannten Positionen. Es steht aber nichts zu konkreten Instrumenten drin, wohl auch, weil die Finanzierung nicht konkret thematisiert wird. Gerade im Sozialbereich müssen die Kommunen zahlen, was vom Bund in Gesetze und Verordnungen gegossen wird.
Und das soll jetzt auf die BDK einstimmen, oder was?

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