Enquetekommissions-Sitzung Der Wohlstandskompass

Kompass

Wohlstand auf einen Blick

Die Enquete Kommission hat in ihrer heutigen Sitzung ein Indikatorenwirrwarr verabschiedet. Mit dem vorgeschlagenen „Wohlstandsindikatorensatz“ wurde eine wichtige Chance vertan, das BIP zu relativieren. Den im Abschlussbericht der Projektgruppe 2 vorgeschlagenen „Wohlstandsindikatorensatz“ halten die grünen Mitglieder der Enquete Kommission sowohl für die politische Kommunikation als auch zur politischen Steuerung für ungeeignet. Denn zehn Leitindikatoren, neun Warnlampen und eine Hinweislampe – das versteht wirklich keiner. Die grünen Mitglieder der Enquete Kommission schlagen deshalb als Alternative einen Wohlstandskompass vor.

Der Wohlstandskompass zeigt den Weg

Dem BIP müssen verpflichtend und gleichwertig soziale und ökologische Kriterien beiseite gestellt werden. Wir brauchen repräsentative Indikatoren, die die Zukunftsfähigkeit zum Ausdruck bringen und Zielkonflikte offenlegen. Der Wohlstandskompass stellt sicher, dass politische Entscheidungen in den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie richtungssicher bewertet werden können Die Begrenzung auf vier Indikatoren gewährleistet, dass eine breite Öffentlichkeit politische Entscheidungen in allen Bereichen zeitnah beurteilen kann.

Zukünftig müssen Regierungen nicht nur Rechenschaft über Wachstumsraten ablegen, sondern auch über veränderte Werte in den Bereichen Ökologie und Soziales, aber auch, wenn sich die Lebenszufriedenheit der Menschen verschlechtert.

Der Wohlstandskompass misst die ökologische Dimension mit dem Natur-und Ressourcenverbrauch, die soziale Dimension mit der Einkommensverteilung, die gesellschaftliche Dimension mit einer Umfrage zur Lebenszufriedenheit und die ökonomische Dimension mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Stärkung der Indikatoren der Nationalen Nachhaltigkeit für die politische Arbeit

Ein Nachhaltigkeitsindikatorenset mit 38 Indikatoren existiert mit der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie seit über zehn Jahren. Diese Indikatoren sind mit Zielwerten unterlegt und werden regelmäßig überprüft. Es gibt also schon ein Indikatorensystem zur Beurteilung von politischen Entscheidungen. Das vorgeschlagene „Wohlstandsindikatorenset“ fällt hinter den Nachhaltigkeitsindikatoren weit zurück. Es ist weder mit Zielwerten unterlegt, noch in einen institutionellen Rahmen eingebettet.

Derzeit mangelt es in Deutschland aber an der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie. Es braucht mehr Anstrengungen, vor allem aber mehr Willen, die Nachhaltigkeitsziele im politischen Alltag umzusetzen. Freiwillige Verpflichtungen sind gut, aber nur ein konsequenter Rahmen schafft faire Wettbewerbsbedingungen und fördert die Verwirklichung einer innovativen und zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsweise. Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht sich für die Stärkung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie mit dem dazugehörigen Indikatorenmodell aus.

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2 Kommentare
Richtige Richtung, aber...
Stefan Thiesen 28.01.2013

Es ist selbst unter "mainstream" Volkswirten kein wirkliches Geheimnis, daß der BIP ein sehr grober und zusem nichtlinearer Wohlstandindikator ist, der zudem nicht nicht linear oder exponentiell an Wohlstand gekoppelt ist. Vielmehr verläuft die Koppelung von Wohlstand und BIP scheinbar erst linear, dann parallel exponentiell, dann scheinbar logistisch (S Kurve - BIP wächst weiter, Wohlstand zeigt Sättigung), während es dann zu einem Vorzeichenwechsel kommt: BIP steigt, Wohlstand (im Sinne von lebenswertes Leben) fällt. BIP ist als Indikator schlicht ungeeignet. Und Wohlstand sollte heißen: Wie wohl fühle ich mich? Wie wohl geht es der Welt, die uns umgibt.

leider wieder nur ein kleiner Schritt ...
Hans Frieß 29.01.2013

Wir "bippen" munter weiter !? Es scheint nur auf den ersten Blick, dass nichts passiert. Ein Erfolg ist, dass sich nach der Nachhaltigkeitsstrategie (NHS) des Bundes (2002) nun auch das Parlament mal sehr intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit (und Postwachstum) befasst. Es hätte mehr raus kommen, sicher. Die Indikatoren bringen kaum Neues zur NHS, eine kleine Ausnahme: Die 80/20-Relation des Wohlstandsquartetts. Und: Der ökologische Fußabdruck wäre es längst wert in das Set zu kommen, den versteht jeder. Und: Was soll der Stickstoffüberschuss? Da wär der Ökolandbau und/oder der Flächenverbrauch viel nütztlicher! www.liki.nrw.de

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