Pferdefleischskandal Schwachstellen der Lebensmittelproduktion

Ein Mitarbeiter des Berliner Landeslabors testet Lebensmittelproben.

Mittlerweile ist klar: Auch in Deutschland sind Fertiggerichte mit Pferde- statt Rindfleisch auf den Markt gekommen und anscheinend haben auch deutsche Hersteller Pferdefleisch statt Rindfleisch verarbeitet. Laut Verbraucherministerium sollen allein 179.000 Lasagne-Packungen betroffen sein, zusätzlich aber auch weitere Produkte. Dieser aktuelle Fleischskandal zeigt, wie international und verworren die Strukturen im Lebensmittelhandel sind und wie schwierig es ist, den Weg einzelner Produkte zurück zu verfolgen – obwohl Händler und Hersteller gesetzlich verpflichtet sind, alle Waren rückverfolgen zu können. Die langen Produktwege, die meist darauf ausgerichtet sind, möglichst billig Lebensmittel herzustellen, sind ein Einfallstor für Betrug und Täuschung.

Wir wollen eine andere Lebensmittelproduktion, die sich an der Qualität anstatt nur am Preis ausrichtet und durch wenige Produktionsschritte und kurze Wege zwischen Aufzucht der Tiere und Fleischverarbeitung mehr Sicherheit und Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher schafft. Damit Verbraucher die Möglichkeit haben, regionale Kreisläufe zu stärken, muss die Kennzeichnung verbessert werden. Der aktuelle Fall zeigt aber auch, dass die Kontrollen verbessert werden müssen und die Informationen gegenüber den VerbraucherInnenn.

Verbraucherministerin Aigner hat nun einen Zehn-Punkte-Plan mit den Ländern aufgelegt. Das ist dringend notwendig, um diesen europaweiten Betrugsfall aufzuklären. Aber zur Behebung der Ursachen ist er ungeeignet – hierzu braucht es grundlegendere Veränderungen in der Agrarpolitik. Außerdem bleibt er vage, da es sich hauptsächlich um Prüfaufträge statt konkrete Maßnahmen handelt. Noch dazu um Prüfaufträge für Forderungen, die wir seit Jahren erheben, um mehr Sicherheit und Transparenz herzustellen und die die Bundesregierung bisher ablehnte. So hat die Bundesregierung noch vor zwei Jahren eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung blockiert, als das EU-Parlament diese einführen wollte. Es ist ein Armutszeugnis für Aigner und die Bundesregierung, dass sie immer erst auf Skandale und Krisen reagiert anstatt von vornherein Verbraucherpolitik mit Weitsicht zu machen.

Unsere Forderungen:

  • Kennzeichnung verbessern: Auch für verarbeitetes Fleisch sollte es eine Herkunftskennzeichnung geben, an der ersichtlich wird, wo ein Tier geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde. Außerdem brauchen wir ein verbindliches Regionalsiegel, damit VerbraucherInnen sich bewusst für regionale Produkte entscheiden können.
  • Internationale Strukturen im Lebensmittelhandel verlangen eine entsprechende Kontrollstruktur: Für große, international agierende Lebensmittelunternehmen sollte es spezielle, übergeordnete Kontrollstellen geben. Betriebe müssen ihre Zulieferer besser kontrollieren. Innerhalb der EU und insbesondere beim Import aus Drittländern müssen umfangreiche Einfuhrkontrollen sichergestellt werden.
  • Verbraucherinformation verbessern: Verbraucher haben das Recht darauf, zu wissen, was in ihren Lebensmitteln drin ist. Sie müssen nicht nur bei Verdacht auf Gesundheitsgefährdung, sondern auch im Fall von Täuschung erfahren, welche konkreten Produkte betroffen sind. Auch bei verbraucherrelevanten Täuschungsfällen müssen Unternehmen die Behörden und VerbraucherInnen über Probleme informieren anstatt durch „stille Rückrufe“ still und heimlich die betroffenen Waren aus dem Regal zu nehmen.
  • Verbrauchertäuschung darf sich für Lebensmittelunternehmen nicht weiter lohnen. Wir fordern eine Überprüfung und Konkretisierung der Eigenkontrollverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft und die Abschöpfung der durch Täuschung erzielten Gewinne. Diese müssen an die Verbraucherinnen und Verbraucher zurück fließen.

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7 Kommentare
Höhn bei hart aber fair
Wolfram Glück 19.02.2013

Sachliche Diskussio ? Fehlanzeige
Wahlkampf übelster Sorte !!
Höhn ist eine Zumutung für jeden interessierten Bürger.

Rose 19.02.2013

@ Wolfram Glück Bärbel Höhn finde ich voll in Ordnung ihre Meinung war sehr gut. Was ihr immer auszusetzen habe. Man wo leben wir hier.

@Gast "müssten die Grünen auch fordern, dass kriminelle Ausländer ausgewiesen werden"

Nun schlägt es hier den Boden aus, kann es sein das du vom rechten Ufer bist? Solche Äußerung Nee.

Zu den Lebensmitteln es muss schärfer kontrolliert werden. Es kann nicht sein das die Bürger getäuscht werden. Was ich auch schlimm finde das im Dönerfleisch sogar Schwein drinn ist. Die Muslime dürfen kein Schwein essen. Somit werden die auch getäuscht. Der Verbraucher verlässt sich auf die Hersteller und Verkäufer. Jeden Tag kommen neue Skandale.

Pferdefleisch
Heike 19.02.2013

Ich möchte mal wissen lange das mit der Pferdefleisch - Mafia schon geht wie viel Jahre schon ??

-
- 19.02.2013

Am besten ist es sowieso Vegetarier oder Veganer werden. Dann weiß man wenigstens was man ist .Was soll der Skandal ob Rind oder Pferd? Am Ende sind es doch immer noch Tiere die in gleichen grausamen Konditionen gehalten werden.

So lange die Grünen...
Gast 20.02.2013

...das betrügerische Schneeball-Geldsystem decken (durch Privatbanken wird Geld aus dem Nichts geschaffen und gegen (nicht vorhandene) Zinsen verliehen), brauchen sie sich über dessen Auswirkungen (Gier, Rücksichtslosigkeit gegen Tier und Mensch usw.) nicht aufregen.

vom rechten Ufer?
Gast 22.02.2013

An Rose
nein ich bin nicht vom rechten Ufer (was auch immer das sein soll). Ich habe lediglich per Vergleich kritisiert, dass die Grünen bestimmte Themen aufbauschen und andere gravierende Probleme vollständig ignorieren. Was ich sehr erschreckend finde, dass Sie das Kriminalitätsproblem bestimmter Gruppen (und ich rede hier nicht von Einbruch sondern Menschenhandel, Vergewaltigung, Ehrenmord, Totschlag usw.) scheinbar weniger problematisch sehen als die Kritik an der Ignoranz dieser Probleme.

Antwort an "Gast"
Grüne Fraktion 22.02.2013

Die Annahme, dass Sie "vom rechten Ufer" seien, basiert vielleicht darauf, dass Sie Menschenhandel und Mord mit unseren ausländischen Mitbürgern verknüpfen. Das ist Rassismus. Bitte distanzieren Sie sich davon.

Außerdem sollten Sie ihre Annahme überprüfen, wir kümmerten uns nur um Teile der Politikfelder. Durchsuchen Sie unsere "Themen" (Siehe Link oben) und Sie werden sehen, dass wir keine Probleme ignorieren.

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