Energiewende Altmaier hat sich verrechnet

Euroscheine stecken in einem angeschalteten Stromverteiler.

Der Zahl 1 Billion Euro als Kosten für die Energiewende wollte die Fachwelt schon vorher keinen Glauben schenken. Jetzt hat eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace Energy und Bundesverband Erneuerbare Energie gezeigt: Der Bundesumweltminister hat sich verrechnet – und zwar nicht nur ein bisschen!

Rechenfehler Nummer 1: Kosten seit Beginn des EEG

Nach Peter Altmaier sind seit Beginn der Förderung von Erneuerbare-Energien-Anlagen Kosten von insgesamt 67 Milliarden Euro entstanden. Diesen Betrag errechnet er aus den gesamten Vergütungen für EEG-Strom abzüglich des Börsenpreises. Er vernachlässigt in dieser Rechnung jedoch, dass die vorrangige Einspeisung von Ökostrom den Börsenstrompreis merklich abgesenkt hat. Dieser „Merit-Order-Effekt“ hat allein zwischen 2006 und 2011 mehr als 20 Milliarden Euro eingespart. Dieser Posten taucht in seiner Rechnung leider gar nicht erst auf!

Rechenfehler Nummer 2: Kosten bis 2022

Bei den Kosten für die kommenden zehn Jahre stellt der Umweltminister seine Rechenschwäche noch deutlicher unter Beweis: Hier veranschlagt er für die heute schon stehenden Anlagen insgesamt 250 Milliarden Euro für die EEG-Förderkosten. Vergleicht man diese Zahl mit den aktuell 16 Milliarden Euro, die pro Jahr an die Ökostromproduzenten bezahlt werden, wird ziemlich schnell klar, dass die Viertelbillion ziemlich hochgegriffen ist. Denn selbst wenn die aktuellen Förderkosten bestehen blieben, wäre man 2022 bei 160 Milliarden Euro angekommen. Allerdings ist auch diese Zahl zu hoch gegriffen, schließlich sinken die Vergütungssätze stetig. Diesen gesetzlich festgelegten Umstand ignoriert Altmaier schlicht. Dazu kommt, dass er selbst kürzlich einen Deckel für die Photovoltaik eingeführt hat, der in wenigen Jahren erreicht sein wird. Ein weiterer kostenbremsender Faktor.

Rechenfehler Nummer 3: Kosten bis Ender der 2030er Jahre

Beim Kostenpunkt für diesen Zeitabschnitt – 360 Milliarden Euro – schlägt sich der vorangegangene Rechenfehler noch gravierenderer nieder. Denn die Kosten für die Einspeisevergütung werden durch die Degression bis dahin weiter gesunken sein. Und selbst wenn man die heutige Gesetzeslage und die jetzt noch vorgesehenen Vergütungssätze ansetzten würde, käme man nicht auf die Altmaier’sche Zahl.

Rechenfehler Nummer 4: Vermiedene Kosten

Um eine seriöse Rechnung der Kosten der Energiewende aufzustellen, muss man auch die vermiedenen Belastungen miteinbeziehen. An dieser Stelle ist Altmaier besonders unseriös: Denn in seiner Analyse tauchen weder die höheren Investitionen für Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke auf, die es ohne den Ausbau der Erneuerbaren geben würde – laut Studie wären allein für die AKW-Nachrüstung bei Laufzeitverlängerung fast 50 Milliarden Euro fällig geworden –, noch berücksichtigt er die vermiedenen Umweltschäden. Allein für den Strombereich ist hier mit einer Ersparnis von 362 Milliarden Euro zu rechnen. Diese Zahl liegt deutlich über den 203 Milliarden Euro, die Altmaiers Ministerium im letzten Jahr als Mehrbelastung errechnet hat bei einem Vergleich der Erzeugungskosten von erneuerbaren und konventionellen Kraftwerken.

Fazit: Setzen, sechs! Herr Minister.

Letztlich zeigt sich: Die Energiewende kostet nicht, sie vermeidet Kosten! Quod erat demonstrandum.

Oder hatte Altmaier erst gar nicht vor seriös zu rechnen und wollte sich im Wahlkampf nur als Mahner und Retter vor einer selbsterfundenen Kostenexplosion aufspielen? So oder so: Der notwendigen und gesellschaftlich gewollten Energiewende in Deutschland hat Altmaier damit einen Bärendienst erwiesen.

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15 Kommentare
Grüne setzen 7
Gast 12.03.2013

Zunächst sollte man sich die Frage stellen wie neutral die Auftraggeber der Studie sind.

Der niederige Börsenstrompreis entsteht, weil den Öko- (Ab- und Zu) Strom niemand haben will (Angebot / Nachfrage). Das ist keine Folge von niedrigen Erzeugungskosten des Ökostroms.

Welche vermiedenen Kosten meinen Sie im Umweltbereich? Etwa irgendwelche fiktiven Folgen des Klimaschwindels? Das kann man beliebig aufblähen.

Die Energiewende kostet also nichts, sie vermeidet Kosten? Deshalb ist auch der Strom immer teuerer. Alles nur Einbildung die gestiegenen Preise? Wem wollen Sie das erzählen?

verrechnet
ratzengift 12.03.2013

das Politiker nicht rechnen können weiß ich. die meisten sind Juristen und wer Jura studiert braucht nicht mehr rechnen nur Paragraphen

Die gesunde Mitte
Michael G. 12.03.2013

Wenn links und rechts in der Polizik sich streiten ist meist die mitte richig. Ich vermute die wirklichen Kosten liegen irgendwo in der Mitte zwischen denen von Altmeier und denen der Studie - da beide höchstwahrscheinlich zum Gunsten ihrer Position zur rechnen.

Von wegen fiktive Kosten des Klimawandels
Frederic G. 12.03.2013

Die angeblich "fiktiven Kosten" des Klimawandels sind hinreichend belegt. Die Klimaerwärmung oder auch der sauren Regen werden durch die herkömmlichen Arten der Energieerzeugung weiter forciert.

Aber selbst wenn man sich dieser Thematik komplett verschließt, bleibt immer noch das Problem des atomaren Restmülls. Wohin damit? Und was eine sichere Aufbewahrung in Summe für Kosten bedeutet, steht wohl außer Frage, wenn man die Halbwertzeiten dieses Materials bedenkt…

An Frederic
Gast 13.03.2013

Die fiktiven Kosten des Klimaschwindels äh -wandels sind nicht belegt sondern nur prognostiziert (vorhergesagt) wie alles, was mit dieser Lüge (zur Besteuerung aller menschlichen Aktivitäten) zu tun hat. Ich frage mich außerdem wer in der Vergangenheit die Kalt- und Warmzeiten bezahlt hat. Die Urmenschen?

Der "radioaktive Restmüll" kann ins Bergwerk woher das Material kam. Oder stört sie das Uran im Bergwerk auch? Wollen Sie etwa auch die in der Natur vorkommenden Uranbestände "entsorgen" ? Wollen Sie die ganze Erde "sanieren" und alle radioaktiven Elemente ausbuddeln und auf den Mond schießen weil die angeblich so schädlich sind?

Tatsächlich verrechnet
Dieter 13.03.2013

Altmaier hat sich tatsächlich verrechnet. Berücksichtigt hat er nur die kumulierten Kosten für die EEG Umlagen, wenn der Ausbau so weiter geht. Er hat die Kosten der Abwanderung der Industrie Deutschlands vergessen sowie die Kosten für Stromspeicher, Gaskraftwerke (Netzsteuerung) und Transporttrassen. Außerdem hat er die Kosten für den importierten Strom und die Ausfälle des bisher exportierten Stroms vergessen (Leider muss der Ökostrom verschenkt werden aber selbst dann will ihn niemand im Ausland). Er sollte noch mal nachrechnen dann kommt er vielleicht auf 2 Billionen oder mehr.

Strompreis
der Sachse 14.03.2013

Ob nun eine Billion mehr oder weniger, Leute der Wahlkampf hat begonnen. Bleiben wir lieber bei den Fakten, im Jahr 2000 lag der Strompreis bei umgerrechnet 0,12 €, heute liegt er bei 0,28 €. Bei einer EEG Umlage von 0,053 € macht das eine Erhöhung von 18,9 %, die konventionellen hingegen
erhöhen dreist Ihren Preis auf 38,2 %. Kann jeder selbst nachrechnen, wenn er will. Meine Frage, wer ist
denn nun der Preistreiber ????

radioaktiver Restmüll ins Bergwerk
der Sachse 14.03.2013

Mich stören die natürlichen Uranvorkommen nicht.
Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied zwischen natürlichen Uranvorkommen und angereichertem Uran ( Plutonium ). Wäre der Umkehrprozess möglich bzw. machbar wäre demjenigen der Nobelpreis sicher. Ich würde mir wünschen das die Kommentare hier etwas sachlicher
sind.

An der Sachse
Gast 14.03.2013

So einfach ist das nicht ganz mit den Ursachen der Preistreiberei.
Neben den ca. 25 % Kosten für Erzeugung und Vertrieb sind im Strompreis 25 % Netzkosten. Durch den Netzausbau wegen EE hat sich der Aufwand aber erhöht. Ca. 50 % des Strompreises sind Steuern, Abgaben und Umlagen (überwiegend ökologisch gerechtfertigt, wenn auch nicht ökologisch):
- EEG (Erneuerbare Energien),
- KWK (Kraft-Wärme-Kopplung),
- Offshore Haftungsumlage (Windräder),
- Stromsteuer (Ökosteuer) usw.
Die Kosten der sog. Energiewende verstecken sich vielfältig und werden überdies noch auf die Produktpreise aufgeschlagen. Hoffentlich verdienen Sie genug um das durchzuhalten. Beste Grüße

An der Sachse
Gast 14.03.2013

Lösungen der Energiefrage sind längst erfunden. Diverse Erfinder dürften aber nicht den Nobelpreis bekommen denn echte Lösungen sind (auch von den Grünen) unerwünscht, wenn sie das Geldsystem (Petro-Dollar) gefährden.
http://www.politaia.org/wp-content/uploads/2013/01/Der-Welt-Geldbetrug.pdf
oder
http://www.youtube.com/watch?v=_h0ozLvUTb0

Genau deshalb sollte die Bevölkerung zusammenhalten und sich nicht um die Streitbrocken schlagen, die ihnen von diversen Parteien zur Ablenkung vorgeworfen werden. (Devide et impera). Besser alles kritisch hinterfragen - auch meine Kommentare :-)
Gruß aus TDO

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