Produktverschleiß Gekauft, gebraucht, kaputt

Der geplante Verschleiß von Produkten verursacht nicht nur Ärger, sondern produziert auch riesige Müllberge. Wir verbrauchen immer mehr Rohstoffe, auch weil Geräte immer schneller kaputt gehen. Das ist eine Verschwendung und schadet der Umwelt. Viele Menschen wollen, dass man defekte Geräte auch wieder reparieren kann. Wir Grünen im Bundestag wollen weg von der Wegwerfgesellschaft und uns dafür einsetzen, dass weniger Müll produziert wird. Verbraucherinnen und Verbraucher möchten nicht weiter zum Neukauf gezwungen werden, weil viele Produkte zu schnell kaputt gehen und nicht mehr zu reparieren sind.

Dieses Thema betrifft Umwelt und Verbraucherschutz. Am 20. März 2013 sprachen Dorothea Steiner, Sprecherin für Umweltpolitik, und Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik, dazu mit Fachleuten aus Wirtschaft, Verbraucherschutz und Umweltverbänden.

Auf der Veranstaltung wurde die von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegebene Studie zum Thema „Geplanter Verschleiß“ vorgestellt. Einer der Autoren, Stefan Schridde (Blog „murks? Nein danke!“), zeigte an Beispielen (Präsentation s. Kasten rechts), wie schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in Produkte eingebaut werden, indem zum Beispiel für Einzelteile Material minderer Qualität verwendet wird oder die Konstruktion Reparaturen nicht zulässt oder nur zu einem unverhältnismäßig hohen Preis. Die Folge sind schnell verschleißende Produkte und eine völlig unnötige Ressourcenverschwendung.

Die Studie illustriert an konkreten Beispielen wie überlegt einige Hersteller heute auf geplanten Verschleiß setzen. Das geht bis hin zu bewussten Managemententscheidungen. In Ansätzen werden Handlungsmöglichkeiten benannt, wie Politik und Produzenten Strategien für einen geplanten Verschleiß ausbremsen können.

Die Problematik ist bekannt. Von negativen Erfahrungen innerhalb der herstellenden Industrie berichtete Elmar Möller, stellv. Leiter Produktmanagement der TechniSat Digital GmbH. Er verwies darauf, dass sich TechniSat bewusst von diesem Trend absetzen möchte, indem in der Konstruktion und Produktion neuer Geräte gezielt auf Qualität und Langlebigkeit geachtet wird. Auch der Kundenservice sei entscheidend, so dass die Produkte reparierte werden können. Denn mittlerweile lassen sich immer weniger Geräte überhaupt reparieren, ohne dass sie beim Öffnen zerstört werden. Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit.

Und wie gut sind Verbraucherinnen und Verbraucher gegen diese Methoden geschützt? Nicht wirklich gut, stellte Hyewon Seo vom Bundesverband der Verbraucherzentralen fest. Sie verwies darauf, dass Gewährleistungsfristen überarbeitet werden müssen. Die Zahlen der Beschwerden über geplante Verkürzung der Lebensdauer seien deutlich gestiegen. Frau Seo erläuterte, wie sich negative Konsequenzen durch die steigende Zahl an elektronischen Geräten in unseren Haushalten für die Nachhaltigkeit ergeben. Hyewon Seo regte an, den Begriff „Wohlstand“ in der Gesellschaft neu zu diskutieren. (Präsentation s. Kasten rechts).

Auch für den Abfallsektor stellt der geplante Verschleiß ein wachsendes Problem dar, wie Kristine Sperlich vom Umweltbundesamt berichtete. Die konkreten Kenntnisse seien allerdings noch unvollständig, konkrete Schätzungen umstritten. Das Umweltbundesamt plant noch in diesem Jahr ein Forschungsvorhaben zu den Ursachen für geplante Obsoleszenz. Außerdem setze sich das Umweltbundesamt dafür ein, dass bessere Regelungen in der EU Ökodesign-Richtlinie und in den nationalen Gesetzen verankert und umgesetzt werden. (Präsentation s. Kasten rechts).

Was können wir tun, um geplanten Verschleiß zu verhindern?

Geplanter Verschleiß ist ein Thema an der Schnittstelle zwischen Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik und Verbraucherpolitik. Bisher ist es bei allen drei Bereichen oft unter den Tisch gefallen.

Dabei sind die Ziele klar definiert: langlebige Produkte herstellen, bessere Voraussetzungen für Reparaturen schaffen und qualitativ hochwertiges Recycling gewährleisten. Instrumente dafür können sein: Garantiezeiten und Gewährleistungsfrist verlängern und die Reparaturfähigkeit von Produkten unterstützen, zum Beispiel indem Produzenten veranlasst werden, Ersatzteile über längere Zeiträume vorzuhalten. Und was muss auf EU-Ebene geschehen? Hier müsste zum Beispiel die Ökodesign-Richtlinie um Qualität und Langlebigkeit von Produkten erweitert werden. Und letztendlich entscheiden auch die Verbraucher durch die Frage, wie viel Gewicht die bewusste Nachfrage nach langlebigen Produkten bei Kaufentscheidungen erhält.

Eine Vorabfassung der Studie „Geplante Obsoleszenz. Entstehungsursachen - Konkrete Beispiele - Schadensfolgen – Handlungsprogramm“ von Stefan Schridde und Christian Kreiß finden Sie im Kasten rechts zum Download.

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11 Kommentare
Endlich der Beweis für gezielt kaputt
Heinz Suhr 21.03.2013

Hervorragend, die Studie . Jahrelang habe ich mir schon gedacht, dass gezielte Machenschaften an Produkte angelegt werden, wenn ich in die randvolle Schublade mit Kameras und Handys schaue, die immer kurz nach Ablauf der Garantiezeit kaputtgingen. Gibt es denn eine Datenbank, die Produktname, Preis, Garantieablauf und Datum der Reparaturbedürftigkeit
festhält?

Gruß
Heinz Suhr

Endlich der Beweis: Murks-Studien sind Murks
Dipl.-Ing. Andreas Kuhn 22.03.2013

Viel Papier (hoffentlich sind dafür keine Bäume gestorben worden) - wenig Inhalt - nix Konkretes

Was nun dagegen tun?
Sabine Kurtz 22.03.2013

Das ärgert uns schon seit Jahren maßlos!!
Wegwerfproduktion = Umweltschädigung und immense Kostenfalle. Grenzt das nicht schon an kriminelles Potential?
Und was fangen wir jetzt mit der Erkenntnis an? Man sollte alle Produkte nebst Hersteller veröffentlichen, bei denen solcher Pfusch nachgewiesen wird, damit der Verbraucher durch Nichtkauf klare Zeichen setzen kann.
Grüße, S.K.

Gutes Design ist unsichtbar!
Andreas Kaps 22.03.2013

Hervorragendes Design ist nicht "Schön", sondern es funktioniert.
Verlängert doch einfach die Garantie von jedem Produkt auf 5 Jahre, volle 5 Jahre, ohne Gewährleistungspflicht des Käufers und schon werden einige Hersteller ins schwitzen kommen. Wenn dann noch eine Rücknahmepflicht mit voller Recycelfähigkeit des Produktes dazu kommt währe eine Menge Potenzial für eine Änderung vorhanden. Im übrigen sind auch viele Kreativagenturen an dem Problem beteiligt – den die denken sich ja solch einen Mist wie "Geiz ist Geil" aus – dass führt dann dazu das Qualität unwichtig wird.

Namen nennen
Jürgen Öhrlein 22.03.2013

Es wäre hilfreich, konkret mit Namensnennung der Hersteller die geplanten Sollbruchstellen der einzelnen Produkte zu beschreiben. Das motiviert sehr schnell zu einer besseren Qualität, besonders wenn dann solche Studienergebnisse auch in der Tagespresse behandelt werden. Die jetzige Studie ist viel zu allgemein gehalten, vieles davon war bekannt oder wurde zumindest vermutet.

Positivliste?
Emmi Hölzel 22.03.2013

Da Anprangern kaum durchführbar ist (Prozeßkosten und Schadensersatzforderungen der angeprangerten Firmen!): Wie wäre es mit einer Positiv-Liste? Vorausgesetzt natürlich, es gäbe Firmen, die kein Verfallsdatum ihrer Produkte einbauen. Sagt das Gutachten darüber etwas? Es gäbe sicher viele Menschen, die solche Produkte bevorzugen würden - nach dem Motto "Der Markt wir's richten"!

Qualität und Langlebigkeit
Gisela Gröger 23.03.2013

Einfluss auf die Produktion kann tatsächlich nur erfolgen, wenn wieder komplett (also auch die Komponenten) in Deutschland oder zumindest in Europa produziert wird. Man könnte wieder Produkte "Made in Germany" kaufen. Hier können Produktionsstandards auch kontrolliert und gesteuert werden. Wie kommen wir dahin? Einfuhren aus außereuropäischen Ländern (ggf. je nach Entfernung) mit einer CO² Abgabe versehen! Die damit verbundene Preiskorrektur bei Waren aus Billiglohnländern macht unseren Binnenmarkt wieder funktionsfähig, schafft hier Arbeitsplätze, schont die Umwelt vor allem in den Billiglohnländern und erspart den Arbeitern dort verheerende Arbeitsbedingungen.

Der Umwelt nicht geholfen.
Kris Kunst 30.03.2013

Da hätte gerade der Herr Professor Kreiß aufpassen müssen (oder ist er BWLer?): Die Aussagen zur gesamtwirtschaftlichen Wirkung sind Unsinn. Es gäbe durch die Verhinderung geplanter Obsoleszenz natürlich keine "zusätzliche Nachfrage", sondern nur umgeschichtete Nachfrage. Freilich bei einem höheren Nutzen für die Verbraucher, und das alleine rechtfertigt ja diese Initiative. Das Kapitel "Freigesetzte konsumtive Kaufkraft" ist entlarvend: Man kann sich die ganze ökologische Rhetorik an anderer Stelle sparen, wenn man darüber jubelt, dass ja hierdurch wieder Gelder für zusätzlichen Konsum frei werden. Das nennt man dann Rebound-Effekt.

öffentliche Resonanz
Frahm 04.04.2013

Nach wenigen Tagen hat DER STANDARD in Wien heute die von Ihnen beauftragte Studie aufgegriffen. Auf der Online Ausgabe sind binnen weniger Stunden schon über 665 Lesermeinungen angefügt worden. Die Resonanz spricht Bände.
Glückwunsch dazu, das sie das Thema aufgegriffen haben. Ich hoffe, Sie verfolgen es konsequent weiter. Nur öffentlicher und politischer Druck kann zu Veränderungen führen und den Herstellern zu denken geben.

Planned obsolescence
Gerd Tschöpe 08.04.2013

Dass Produkte so hergestellt werden, dass sie möglichst schnell kaputt gehen und ersetzt werden müssen, ist keine neue Erkenntnis. Schon 1960 hat Vance Packard sein Buch "The Waste Makers" herausgegeben, in dem er die Praktiken amerikanischer Firmen im Detail beschreibt. Von ihm stammt auch der Begriff "Throw-away spirit" (Wegwerf-Mentlität).

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