Arbeitsmarkt Minijobs sind eine Sackgasse

Zwei Putzfrauen reinigen einen Schulflur

Anders als bei ihrer Einführung erhofft, haben sich die Minijobs nicht als Brücke in reguläre Beschäftigung erwiesen. Stattdessen ist eine Sackgasse insbesondere für Frauen entstanden, die deren berufliche Aufstiegsperspektive blockiert und deren eigenständigen Zugang zu sozialer Sicherung verhindert.

  • Minijobs sind weiblich. Zwei Drittel der ausschließlichen Minijobs werden von Frauen ausgeübt.
  • Minijobs sind eine Niedriglohnfalle. Über 84 Prozent aller Minijobbenden bekommen nur einen Niedriglohn bezahlt.
  • Altersarmut ist vorprogrammiert, wenn Beschäftigte ausschließlich geringfügig beschäftigt sind und keine Altersvorsorge betreiben können.
  • In manchen Branchen gehören Minijobs zum Geschäftsmodell, wodurch Normalarbeitsverhältnisse zurückgedrängt werden.

Kritik an Minijobs wächst

Immer mehr Verbände, Gewerkschaften und WissenschaftlerInnen, beispielsweise der Sachverständigenrat, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Deutsche Frauenrat, der Deutsche Juristentag, und der Sachverständigenrat zur Erstellung des Ersten Gleichstellungsberichtes, fordern eine Abkehr von dieser nicht existenzsichernden Beschäftigungsform. Sie warnen vor Missbrauch und kritisieren staatliche Fehlanreize, die mit den Minijobs gesetzt werden.

Die Koalition ignoriert die Expertise

Sogar ein von Frauenministerin Kristina Schröder beauftragtes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die ausschließliche Ausübung von Minijobs für die lebenslange ökonomische Abhängigkeit von Frauen sorgt. Die schwarz-gelbe Koalition hat 2012 trotzdem beschlossen, durch die Anhebung der Verdienstgrenze von 400 Euro auf 450 Euro noch mehr Jobs ohne Zukunft zu fördern, anstatt für mehr existenzsichernde und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor allem für Frauen zu sorgen. Aber wie beim Mindestlohn hat Schwarz-Gelb kein Interesse daran, die Lage von Bezieherinnen und Beziehern kleiner Einkommen zu verbessern.

KleinverdienerInnen stärken

Minijobbende haben formal bereits heute denselben Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wie regulär Beschäftigte. Er wird nur viel zu oft von den Arbeitgebern nicht eingelöst. Die arbeitsrechtliche Gleichbehandlung von Minijobbenden mit regulär Beschäftigten muss deshalb in Zukunft konsequent durchgesetzt werden. Dazu muss ein Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde auch für Minijobbende die absolute Grenze nach unten bedeuten.

Kleine Einkommen entlasten

Wir wollen den Niedriglohnsektor neu ordnen, um existenzsichernde und sozialversicherungspflichtige Arbeit zu stärken statt weiter geringfügige Beschäftigung zu fördern. Das erreichen wir mit einer besseren Abstimmung von Steuern, Abgaben und sozialen Transfers. So können die heutigen Minijobs sozialverträglich ersetzt und kleine Einkommen entlastet werden.

Die vereinfachte Meldung und die reduzierten Abgaben für Minijobs in Privathaushalten bleiben erhalten. Sie haben sich in der Bekämpfung von Schwarzarbeit bewährt. Auch das Werkstudentenprivileg soll nicht abgeschafft werden. Es gilt auch weiterhin die Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung für eingeschriebene Studenten.

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69 Kommentare
Der Traum, die Sachgasse durchgängig zu machen
Axel Görke 28.03.2013

Nehmen wir einmal an, eine kleine Firma stellt drei Leute ein, die jeweils knapp 15 WStd, also ca 45Wstd. Dafür erhalten sie 450 € monatlich. Für AG inklPauschalabgaben jeweils Belastungen von 522 € x 3 = 1566 €. Würde der Arbeitgeber daraus z. B. Jobs für 900 € brutto machen, kämen auf den AN ca. 100 Euro Abgaben zu, auf den AG ca. 110 €. Der AN hätte dann also ca. 800 Euro netto, der AG zahlte dann 1010 € x 3 = 3030 €; doppelt soviel, wie vorher. Neu: AN m 40 WStd für 1010€. 2 AN bekommen nichts mehr. 1 AN baut nach 35 Jahren laut Rentenformel 320€ Rente auf, bekommt dann also Grundsicherung, weil höher. Was soll das ganze also?

Lea 28.03.2013

Gehts noch?
Hauptsache vergessen, dass es Menschen gibt, die Frührentner sind und nur noch Minijobs ausüben können ohne komplett ihrer Krankheit zu erliegen. Sollen diese Menschen doch gleich ohne Auto und sozialen Anschluss verrecken beziehungsweise trotz deutlich höherer Qualifikation putzen, statt dass sie das dann schwarz machen müssen um nicht komplett zu verarmen. Nur an die Zukunft denken und die Gegenwart verneinen.
Lebensferner geht es wirklich nicht und das von den Grünen.

Finger weg vom Minijob
Petra Lehrer 28.03.2013

Was denkt lhr euch denn ihr Grünen und Sozis.
Viele Familien sind von diesen Job abhängig. Glaubt ihr
Traumtaenzer dann wirklich das dann tausendste neue
feste Arbeitsplätze geschaffen werden ?Da kann ich nur lachen.Das wird dem Staat wesentlich mehr Transferleistungen kosten.Wer Grün oder Rot wählt ist
Ganz schön d........

Minishop372893
Noack 28.03.2013

Irgendwie leben jetzt auch die Grünen woanders. Keine Ahnung von der Realität. Auch diese Partei ist immermehr lebensfremd. So eine dumme und nicht durchdachte Minijobdiskussion. Ich bin Frührentner,meine Frau ist Frührentner - MS- Krankheit. Wir können uns nur durch diesen zum Glück erhaltenen Minishop vor dem Absturz retten.

Was soll das?
Ex Grünenwähler 28.03.2013

Ohne Minijob hätte ich mein Studium nicht finanzieren können. Und da bin ich nicht allein. Muss jetzt jeder zwangsweise eine Vollzeittätigkeit ausführen? Alles oder nichts? Ganz ehrlich, ich schäme mich dafür, wiederholt die Grünen gewählt, und sogar in meinem Umfeld Stimmung für die Grünen gemacht zu haben. Gut, dass ich diesen Fehler nicht wiederholen muss!

Jens 28.03.2013

Soll damit auch die Zuverdienstgrenze für Frührentner (volle Erwerbminderungsrente) von im Moment 450 EUR monatlich "wegfallen"? Bzw. anders gefragt: was soll das Alternativkonzept für Frührentner (volle Erwerbminderungsrente) aussehen?

Deutschland
Icke 28.03.2013

Und wie lautet das Konzept, die ganzen Minijobber dann sozialversicherungspflichtig in Lohn und Brot zu bringen? Hier müsst Ihr noch viel viel mehr erklären, damit es auch zu verstehen ist. Ebenso beim geplanten Wegfall des Ehegattensplittings!

Finger weg von Minijobs
Joachim 28.03.2013

Hallo ihr Grünen, nehmt eure Finger weg von den paar Hundert Euro (es sind nicht überall 450.- €), welche arme Rentner dazuverdienen oder mit welchen viele Studenten ihr Studium finanzieren oder Ferienjobber sich ein Taschengeld verdienen..

Tut euch auch selber einen Gefallen und vergrault euch nicht die "kleinen Leute" die euch wählen bzw. bis dato gewählt haben und auf die wenigen Hundert Euro angewiesen sind..

PS: Werdet eurem Namen gerecht und kümmert euch um die Themen derenthalber man euch gewählt hat..

Wahlkampfpolemik
Georg Muenz 28.03.2013

Es tut mir leid, Ihr Grünen Weltverbesserer! Was Ihr da fordert geht an der Realität vorbei. Minijobs werden pauschal versteuert und sozialversichert. Dies zahlt der UNTERNEHMER! Eine Spezies, die im Gegensatz zu Politikern für das was sie tut VERANTWORTUNG übernimmt. Mir geht es sowas von auf die Nerven ständig unterschwellig als profitgieriges Ausbeutersch§$%%§ dargestellt zu werden. Wer von Ihnen steht mit seinem Vermögen bei Fehlern gerade. Wer zahlt meine ALV und Rente wenn mein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert??? Sie sicher NICHT! Fair wäre es, wenn die Nebenkosten auch den Minijobbern zugute käme. Fair wäre, wenn Sie in der Thematik bei der Wahrheit blieben.

Finger weg von Minijobs
Joachim 28.03.2013

Wie soll ein Unternehmer, der 30 Leute beschäftigt hat, welche zeitgleich für jeweils ca. 1 Stunde behinderte Menschen in die Werkstatt und zur Schule fahren und dort wieder abholen aus diesen Minijobs Vollzeitbeschäftigte machen?
Hier arbeiten zufrieden sowohl Männer als auch Frauen u. verdienen sich ein "Zubrot" führ ihren Haushalt -

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