Energetische Sanierung Und es lohnt sich doch

Wärmedämmung mit Hanf

Bei realistischen Annahmen rechnet sich die energetische Gebäudesanierung nicht nur gesamtwirtschaftlich sondern auch für Hausbesitzer und Mieter.

Im Auftrag der KfW-Förderbank hat das Institut Prognos das Kosten-Nutzen-Verhältnis der energetischen Gebäudesanierung in Deutschland für das Jahr 2050 prognostiziert. Überraschend kam Prognos nun zum Ergebniss, dass sich die energetische Gebäudesanierung nicht rechnen würde. Bisherige Studien - zum Beispiel der halbstaatlichen Deutschen-Energieagentur oder der grünen Bundestagsfraktion - kamen zu einem gegenteiligen Ergebniss. Wer hat nun Recht? Bei einem genauen Blick auf die verwendeten Annahmen und Grundlagendaten löst sich dieser Widerspruch auf. Die Aussage, dass sich die Energetische Gebäudesanierung nicht rechnet ist eher dem geschickten „Verkauf“ der Studie geschuldet als den Ergebnissen der Studie.

Prognos kommt zu dem Ergebnis, dass den Kosten von 838 bis 953 Milliarden Euro nur ein Nutzen von 370 bis 453 Milliarden gegenüberstehen würde. Bei der genaueren Betrachtung der Studie wird klar, dass dieses Zahlenverhältniss den zugrundeliegenden Annahmen geschuldet ist, die von den Annahmen anderer Studien abweichen.

Trick1: Vermuteten Heizkostenanstieg gering halten und dafür einen entsprechend passenden Zeitraum zum Vergleich nutzen

Basis der Berechnung von Prognos ist ein durchschnittlicher Heizkostenanstieg in 38 Jahren von weniger als 50 Prozent. Aber alleine in den letzten zehn Jahren haben sich die Heizölpreise in Deutschland um über 150 Prozent erhöht.

Wir meinen: Prognos setzt die zukünftigen Heizkosten viel zu niedrig an, obwohl jüngste Studien, wie die der Energy Watch Group, eine Verknappung der fossilen Rohstoffe und damit eine weitere deutliche Steigerung der Heizkosten aus Erdöl, Erdgas und Kohle erwarten lassen. So haben wir vor Allem in den letzten Jahren einen deutlichen und sich beschleunigenden Anstieg der Heizkosten erlebt insbesondere im Bereich der auf Erdöl basierenden Heizmittel. Beispielsweise haben sich die Heizölpreise seit 1998 verdreifacht, Prognos berücksichtige diese Preissteigerungen aber nicht. In seinen Szenarios nimmt Prognos an, der mittlere Energiepreis steige von heute bis zum Jahr 2050 von 7,8 ct/kWh auf 11,9 bis 13,2 ct pro kWh, also nur um 1,4 bis 1,86 Prozent pro Jahr. Dabei liegen die tatsächlichen Energiepreissteigerungen schon heute zwischen 5 Prozent (Gas) und 10 Prozent (Strom) pro Jahr.

Anders als die Prognosstudie kommt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie für die grüne Bundesfraktion mit sehr konservativen Annahmen zu einer Verdopplung der Heizölpreise bis 2030. Wenn also realistischere Grundannahmen gesetzt werden, heißt das Fazit: Energetische Gebäudesanierung lohnt sich doch.

Trick 2: Kosten miteinbeziehen, die nichts mit der Sanierung zu tun haben.

Es wurden bei den Investitionen die Vollkosten angesetzt, die all das beinhalten was ohnehin am Haus saniert werden müsste. Also unabhängig davon, ob es aufgrund der energetischen Sanierung Kosten verursacht hat oder sowieso angefallen wäre. Beispiel: Statt der energiebedingten Mehrkosten für ein mehrfach verglastes Fenster wurden die Gesamtkosten für das Fenster gerechnet. Dabei betragen die Zusatzkosten für die bessere Wärmedämmung der Fenster oft nur ein Drittel der Gesamtausgaben. Was also sowieso ausgegeben worden wäre, darf nicht der energetischen Sanierung angelastet werden!

Trick 3: Schadenskosten klein halten, Klimawandel ignorieren

Die gesamten Schadenskosten durch die Nutzung der fossilen Brennstoffe im Wärmesektor liegen um ein Vielfaches höher als die Kosten der Altbausanierung, die einen Teil dieser Schadenskosten vermeiden könnten. Auch das hat Prognos in seiner Berechnung unzureichend berechnet. So geht Prognos bis 2050 von konstant bleibenden Schadenskosten von 70 Euro pro Tonne CO2 Emissionen aus. Unserer Ansicht nach ist es absurd anzunehmen, die Schadenskosten würden bei einer steigenden Welttemperatur konstant bleiben. Schon jetzt ist ersichtlich: Extreme Temperaturen sowie Regen und Stürme nehmen auch bei uns zu.

Fazit: Natürlich müssen immer Kosten und Nutzen von solchen Instrumenten kritisch zu hinterfragt werden. Es kommt aber sehr stark auf die zuvor getroffenen Annahmen an. Zugutehalten muss man Prognos aber, dass sie das Thema Aspekte erweitert haben. So werden weitere positive Aspekte genannt und beziffert: Arbeitsplätze, Mobilisierung des privaten Kapitals und damit einhergehenden Mehreinnahmen der staatlichen Hand. Für die, je nach Prognos-Szenario, eingesetzten 25 bis 91 Milliarden Fördermittel kämen 118 bis 139 Milliarden Euro Steuereinnahmen zurück. Nicht zu vergessen sind auch die dadurch sinkenden Kohlendioxidemissionen. Somit wird auch folgerichtig in der Prognos-Studie betont, dass der Ausbau sich gesamtwirtschaftlich rechnet. Prognos wollte also überhaupt nicht zeigen, dass sie die energetische Sanierung nicht lohnt!

Es bleibt zu hoffen, dass sich die viele Hausbesitzer und Vermieter von der energetischen Sanierung ihres Gebäudebestands nicht abhalten lassen. Sie sollten sich die Studie genau anschauen und mit Hilfe von Fachleuten die für sie beste Energiesanierung erarbeiten. Nur so werden die zur Verfügung stehenden Gelder auch abgerufen. Andernfalls werden viele Hausbesitzer und Mieter, vor allem die mit knappem Geldbeutel, immer tiefer in die Heizkostenfalle hineingetrieben.

Allerdings sollten die Hausbesitzer stärker als in der Vergangenheit auf die Ökologie der Dämmmaßnahmen schauen: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben eine bessere Klimabilanz als Styropor. Zudem können so mit technisch einwandfreier Verarbeitung die zunehmenden Schimmelpilzprobleme vermieden werden. In Verbindung mit einem dann stark reduzierten Heizbedarf kann dann die Umstellung auf Erneuerbare Energien noch leichter gelingen und so eine völlige Unabhängigkeit von steigenden Erdöl- und Erdgaspreisen erreicht werden.

Grüner Antrag

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13 Kommentare
Meine Partei wünsche ich mir einfallsreicher
Rainer Scheppelmann 04.04.2013

Ich arbeite in der Leitstelle Klimaschutz Hamburg und bin privat Mitglied der Grünen. Es ist für mich überraschend, dass meiner Partei im Gleichschritt mit der Dämmindustrie offensichtlich nichts Besseres einfällt, als alle Häuser, die nicht schnell genug weglaufen, in einen Dämmkäfig zu verpacken - trotz der vielen "grünen" Gegenargumente, vom Sondermüll über die Gesundheitsgefahren bis zur Stadtbildzerstörung. Effekte der Fassadendämmung kann man durch kluge Wärmenetze und Niedrigtemperaturheizsysteme ersetzen. Ich empfehle die Studie der Universität Cambridge zum Prebound-Effekt in deutschen Bestandsgebäuden, denn sie zeigt den ganzen Irrweg der EnEV.

Styropor ist Gift
H. Eker 04.04.2013

Mit Besorgnis beobachte ich, wie tonnenweise Styropor (= giftiges Chemie) gedankenlos einfach auf die Fassaden seit Jahren angebracht wird.
Für die Herstellung von 1 kg Styropor wird ca. 3 Liter Erdöl verbraucht. Die Putzmaterialien, die dann auch noch über die Styroporplatten verputz werden, enthalten Insekten- und Algengift. Diese werden im Laufe der Zeit mit dem Regen heruntergewaschen. Schade, dass hier keiner sich über die Folgekosten für die nächsten Generationen macht und bisher gemacht hat!

Rechenkünste
Simon Winiger 04.04.2013

Die Meldung, es lohne sich nicht, wurde letzte Woche von den Medien verbreitet
LG, Josef

Steht doch am Ende des Artikels!
Holger Jandt 04.04.2013

Moin zusammen,

im letzten Absatz des Artikels wird doch darauf hingewiesen, dass Hausbesitzer auf die ökologische Verträglichkeit der Dämmaßnahmen achten und lieber nachwachsende / krystaline Dämmstoffe nutzen sollten.

Also woher nehmt ihr die Erkenntnis, die Grünen wären dafür, alle Gebäude sinnlos mit Styropor einzukleistern? ;)

Gruß

Holger

Schwarz-Weiss-Malerei
Volker, OV Willich 04.04.2013

Mir missfällt es, das wir uns ständig aufreiben, indem wir kontinuierlich Gegendarstellungen zu Andererleuts Statistiken produzieren. Es gibt genug menschen, die selbst rechnen können und es gibt weiß Gott genügend Themen, die nur darauf warten, geklärt zu werden.
Ich bin selbst in der Situation, das ich einerseits in der näheren Umgebung die Neubauten rundum kritisch beäuge, andererseits ein 55-jähriges Mehrfamilienhaus mit Sanierungs- und/oder Isolierungsbedarf besitze und seit Jahren analysiere, was zu tun ist und welche Maßnahme zielführend sein könnte. Die Lösung? Einfach mal selbst nachdenken!!

Einzelhäuser dammen oder abreißen
Jürgen Malke 04.04.2013

Hallo,
Wir haben im Juli 2008 einen Energieberatungsbericht für unser 1974 fertiggestelltes Einfamilienhaus erhalten. Fazit: nach einem Betrachtungszeitraum von 30 Jahren (bei einer 8%iten!! Steigerung / Jahr der Energiekosten!) müssten wir 43500.-€ ausgeben,bei einer Gesamt-Energieeinsparung von MInus!! 15700.-€ . Wir haben uns dagegen entschieden, da wir nicht wissen, ob wir über 90 Jahre alt werden und dann der Spareffekt einsetzt. Immer mehr "alte" Häuser im Hamburger "Speckgürtel" werden abgerissen. Warum soll ich für 30 Jahre planen? Wie werden die Energiekosten für die Anlieferung, Verarbeitung und Entsorgung eingerechnet? Richtige Entscheidung?

Wärmedämmung und Styropor
Theodorus 05.04.2013

Die Wahrheit zu Styropor: Es ist nicht giftig. 1kg Styropor ist eine Schaumstoffplatte von ca 0,67m2 (8cm dick). Innerhalb kurzer Zeit rechnet sich Wärmeisolation. Zumal sie auch langlebig ist. Das haben zahlreiche Studien belegt, siehe Inst. Bauphysik der Fraunhofergesellschaft. Einfach nachlesen. Die Energie wird nie wieder billig. Ein isoliertes Haus ist wohnlicher und hat einen höheren Wert. Heizenergie ist der größte Posten beim Energieverbrauch. Da zu sparen ist äußerst sinnvoll.

Wärmedämmung, Kostenproblem und Heizkosten
Jürgen Pippir 05.04.2013

Bei der Kostenrechnung der Wärmedämmung und Einsparung von Heizkosten wird in der Diskussion meist nicht gesamtwirtschaftlich gedacht. Wer überlegt schon, wieviel Geld bei der Anschaffung eines Autos oder Pcsofort verloren geht, wenn das Gerät in den Privatbesitz übergeht? Bei einem Auto im ersten Jahr mal locker 10-15 % des Anschaffungspreises oder beim Pc gleich mal 1/3 des Kaufpreises. Ich habe für mich entschieden, dass ich dieses "verlorene" Geld lieber in Wärmedämmung stecke und davon eine geringere monatliche Heiszkostenbelastung habe, die sich zudem langfristig rechnet. Dann tue ich auch noch etwas für die Werterhalt meiner Immobilie.

Selbst rechnen macht schlau
Friedel Schier, Köln 05.04.2013

Als Mieter wünsche ich mir eine billige Wohnung, die kaum Nebenkosten verursacht. Als Vermieter will ich wenig investieren und trotzdem Geld verdienen. Als Hausbesitzer muss ich rechnen, was sich lohnt in einem überschaubaren Zeitraum.
Ich habe gerechnet und festgestellt, dass ich mehr ausgeben muss als ich einspare. Also: Wenn ich investieren soll, erwarte ich einen Anreiz durch die Gesellschaft - an die CO2-Statisken glaube ich schon lange nicht mehr.

es hat sich gelohnt
Sylvia Tödter 06.04.2013

Nachdem wir jahrelang überlegt haben, haben wir nun unser altes Haus innerhalb von 2 Jahren selber isoliert. Dach und Wände. Wegen des Preises nicht ökologisch. Auch so, hat es sehr viel Geld gekostet, und es war sehr viel Arbeit. Es wäre für uns nicht möglich gewesen, eine Firma damit zu beauftragen. Kostenvoranschlag, ca. 120.000 €. Nun sind wir sehr glücklich in einem wirklich warmen Haus. Die Wohnqualität ist sehr gestiegen und die Heizkosten halten sich endlich in Grenzen.

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