Kohlekraftwerke Tödliche Gefahr

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde

In einer heute in Berlin vorgestellten Studie hat die Health and Environment Alliance, ein europaweiter Verbund von Umwelt- und Gesundheitsorganisationen vorgerechnet, dass die Kohleverstromung die EU-Gesundheitssysteme mit jährlich 43 Milliarden Euro belastet. In Deutschland fallen nach der Studie bis zu sechs Milliarden Euro zusätzliche Gesundheitskosten pro Jahr an. In einer Studie vom März im Auftrag von Greenpeace kam das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) zum gleichen Ergebniss. Laut den Studien haben die Emissionen der deutschen Kohlekraftwerke im Jahr 2010 zu circa 3.000 verfrühten Todesfällen geführt. Auch wenn dieses erst einmal statistisch ermittelte Werte sind, ist klar: Die Abgase aus den Kohlekraftwerken haben Einfluss auf die Lebenserwartung und damit auf die Kosten in unserem Gesundheitssystem. Das verdeutlicht einmal mehr, warum wir neben dem Atom- auch einen Kohleausstieg brauchen und die erneuerbaren Energien ausbauen müssen. Die Vergesellschaftung der Kosten einer nicht nachhaltigen Energieversorgung muss beendet werden.

Verpasste Chance

Die Bundesregierung hat im letzen Jahr die Chance verstreichen lassen, bei der Umsetzung der EU-Industrieemissionsrichtlinie (IED) die nationalen Vorgaben für die Abgaswerte der Kohlekraftwerke an den Stand der Technik anzupassen. Denn der Stand der Technik ist deutlich weiter fortgeschritten als die nun wieder festgelegten bisherigen veralteten Grenzwerte.

Beispiel Stickoxide (NOx): In Deutschland wird der EU-Grenzwert für das NOx-Jahresmittel seit Jahren immer wieder überschritten. Einer der beiden Hauptverursacher ist, neben dem Verkehr, in zunehmendem Maße die Energiewirtschaft. Sie macht ein Viertel der NOx-Emissionen aus und hat in den letzten 15 Jahren nicht zu einer Minderung der Stickstoffemissionen beigetragen. Im Gegenteil, diese Emissionen sind zuletzt sogar leicht angestiegen. Aktuelle Genehmigungsbescheide zeigen, dass mit der besten verfügbaren Technik ein Grenzwert im Tagesmittel von 70 Milligramm pro Kubikmeter technisch erreichbar und ökonomisch darstellbar ist. Die Bundesregierung legt aber in der Verordnung einen doppelt so hohen Grenzwert (150 Milligramm pro Kubikmeter) für große Kohlekraftwerke fest. Für Braunkohlefeuerung liegt dieser sogar bei 200 Milligramm pro Kubikmeter: China und die USA sind weiter, dort wurden 2012 neue Werte beschlossen. In den USA ist eine Obergrenze von 117 Milligramm, in China von 100 Milligramm vorgesehen. Allein die 16 größten Kohlekraftwerke in Deutschland sind für etwa 40 Prozent der Stickoxidemissionen der Energiewirtschaft verantwortlich.

Beispiel Quecksilber (Hg): In Deutschland gelangten 2010 insgesamt gut 7,5 Tonnen Quecksilber in die Umwelt. Dies zeigen die neuesten Daten des Schadstofffreisetzungs- und –-erbringungsregisters. Über zwei Drittel der Quecksilberemissionen stammen aus den großen Kohlekraftwerken. In den USA wurden in den vergangenen Monaten deutlich niedrigere Grenzwerte bei den Quecksilberemissionen beschlossen. Die Bundesregierung will davon nichts wissen und hält an den veralteten Grenzwerten fest. Sie liegen weiterhin bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter (Tagesmittelwert). Im Entwurf der IED waren dagegen 20 Mikrogramm pro Kubikmeter vorgesehen – was dem Wirtschaftsministerium zu industriefeindlich war. Aber selbst dieser Grenzwert wäre lange nicht beim technisch Möglichen und dem in den USA für Altanlagen vorgesehenen Wert. Dort darf ab 2016 kein bestehendes Kraftwerk im Monatsdurchschnitt mehr als 1,5 Mikrogramm pro Kubikmeter emittieren. Die dafür notwendige Technik existiert bereits und wird genutzt, um die Emissionen von Quecksilber auf unter einem Mikrogramm pro Kubikmeter zu senken.

Trauriges Fazit

Es ist nicht im Interesse der schwarz-gelben Bundesregierung, den Schutz der Bevölkerung vor den Abgasen der Kohleverstromung zu erhöhen. Veraltete Grenzwerte werden aufgrund der Wünsche von Vattenfall und Co fortgeschrieben. Der aktuelle Stand der Technik und die Entwicklungen in anderen Ländern beim Schutz der Bevölkerung vor den Abgasen werden ignoriert. Dass die Beibehaltung der veralteten Grenzwerte ganz im Sinne der Kohleverstromung ist, hat der Vertreter von Vattenfall in einer Anhörung des Umweltausschusses im Bundestag verdeutlicht. Insofern ist der Verweis der Kraftwerksbetreiber auf die „strengen“ Grenzwerte in Deutschland ein reines Ablenkungsmanöver.

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21 Kommentare
Das Kind Plumpste in den Brunnen
georg 04.04.2013

So ihr Grünen!Eiskalt Erwischt!Was Wollt ihr denn!Hü-Hot?BÄUMCHEN WECHSEL DICH?Wollte euch Wählen jetzt Nimmer!Ihr Wisst selber nicht was ihr Wollt!Atomstrom weg ok!Aber wo soll der Rest herkommen BITTE?Wir Sparen wo es Geht Strom aber je mehr wir Sparen wird er Teurer!Erneuerbarer Dreck nö Danke!So wird es nichts mit der Energiewende!Etwas Teurer ok aber So nö nö!Die Großen brauchen nichts Blechen und wir Kleinen Bluten Almählich AUS!DANKE!DIE NEUE WEIMARANER ZEIT IST DA!GROßE LÄSST MAN LAUFEN UND SCHÄFFELN!UNS HÄNGT MAN UND MELKT UNS BIS ZUM GOTTERBARM!ALSO WAS WOLLT IHR TUN?ÜBERZEUGT MICH WIE ES VOLKSGERECHTER WIRD!VORALLEM FÜR UNS KLEINE LEUTE!DENN OHNE UNS KEINE WENDE!

Gott schicke Hirn
Gast 04.04.2013

Jetzt weiß Greenpeace schon, wer angeblich 10 Sekunden später gestorben wäre wenn es die bösen Kraftwerke nicht geben würde. Also wie sie das herausgefunden haben wollen ist mir schleierhaft. Haben sie alle Toten obduziert oder ist das wieder mal ein auf Annahmen beruhendes Computermodell wie beim Klimaschwindel?

Leider wird nicht erwähnt wieviel Leben die Kraftwerke erhalten durch Wärme und Energie. Ich kann den Grünen garantieren: Wenn alle konventionellen Energiequellen für Heizen, Transport, Produktion und Landwirtschaft jetzt wegfallen würden, dann gäbe es tatsächlich verhungerte und erfrorene Menschen in Massen.

Antwort an georg
Grüne Fraktion 04.04.2013

Hallo georg,

es geht darum festzustellen, dass die Kohlekraft keine Alternative ist und im Rahmen der Energiewende ebenfalls verschwinden muss, wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen. Es geht um eine Richtungsentscheidung. Lies bitte auch die Artikel auf unserer Seite "Energie" zu den Kosten des Stroms.

Antwort an Gast
Grüne Fraktion 04.04.2013

Hallo Gast,

bitte die Studie lesen und dann lösen sich auch Deine Vorwürfe.

Tödliche Gefahr?
Dieter 04.04.2013

Die Überschrift "Tödliche Gefahr" ist stark übertrieben. Die Studie basiert auf keinerlei Beweisen sondern nur Behauptungen.
a) Es gibt Menschen die tatsächlich eher gestorben sind (woher will Greenpeace das wissen?)
b) Es gibt einen Zusammenhang zu den Emissionen der Kraftwerke (das wird unterstellt)
c) die Auswirkungen wären zu beziffern

Nicht bewiesen sind der direkte Zusammenhang, die Höhe der Auswirkungen und die Auswirkungen selbst.

Übrigens stamm das Quecksilber, was Menschen im Körper haben überwiegend von Zahnfüllungen (Amalgam) und von Impfungen.
Daran stört sich Greenpeace scheinbar nicht.
An Big Pharma traut sich so leicht keiner ran.

Die Kühltürme sind Schuld!
Ladislav 04.04.2013

Natürlich ist es kein leichtes Thema und natürlich kann man von heute auf morgen auch nicht alles auf einmal ändern.
ABER ! Ist es euch schon mal aufgefallen.... Egal ob Atomkraftwerk oder Kohlekraftwerk es werden immer die großen Kühltürme der Kraftwerke gezeigt, egal ob auf einzelnen Bildern oder im TV, aus denen rießige Mengen von "Rauch" ( H2O-Dampf ) das ja eigentlich nicht wirklich das Problem ist. Da man ja fast schon den Eindruck gewinnen könnte, dass man die Problematik lösen könnte, wenn man die Kühltürme wegmacht auch das "Abgasproblem" beseitigt wäre.... oder ?
Ich finde das schon ein wenig unseriös in einer Berichterstattung.

An die Redaktion
Gast 04.04.2013

meine Vorwürfe lösen sich nach dem Lesen der Studie leider nicht auf (siehe Anmerkungen von Dieter). Die Studie hat zudem nichts mit ihrer Klimareligion zu tun.

Die Klimareligion bezeichne ich deshalb als solche weil:
- man kann sie nur glauben (Beweise gibt es nicht)
- sie ist ein Dogma (trotz Gegenbeweisen)
- Kritiker werden wie Ketzer verfolgt (es wurde schon Todesstrafe gefordert)
- damit wird der CO2 Ablasshandel gerechtfertigt (wenn ihr nicht zahlt kommt ihr in die Hölle)

Sie meinen also wenn alle Kraftwerke in Deutschland stillgelegt würden und der CO2 Gehalt in der Luft statt 0,038% nun 0,0379999 % betragen würde hätte das einen signifikanten Einfluss auf das Klima?

Jetzt schlägts 13!
gast 04.04.2013

Und warum wird auf einmal ein Kohleausstieg >>zusätzlich<< zum Atomausstieg gefordert? Sie argumentieren, dass durch Kohle erzeugte Energie gesundheitsschädliche Folgen hat, was auch richtig ist, wenn auch wohl sehr viel weniger als von euch Ökoesos behauptet. Atomstrom weist hier allerdings statistisch von allen Energieträgern die geringsten Schädigungen auf.
Sie versuchen das Volk Stunde um Stunde für dumm zu verkaufen; hoffentlich rechnet der Wähler bald gnadenlos ab!

Die grüne Panikmache
wer war mit dabei... 04.04.2013

Mit Überschriften wie TÖDLICHE GEFAHR und DIE WOLKE ködern die Grünen ungebildete Öko-Angsthasen.
Die größte Gefahr sind jedoch die Grünen, die den Euro und die EU mit dem Geld der Geringverdiener retten wollen.

Komme aus einer Braunkohlenregion
Susanne, grün wählerin 04.04.2013

Wenn ich hier so manche kommentare lese, merke ich schnell das es einige nicht kapiert haben. Das Kohlkraftwerek schädlich sind und das Braunkohle Klimakiller Nr. 1. Verscheinlich kommt ihr auch nicht aus so einer Region wo es an der Tagesordnung ist Braunkohle zu fördern auf kosten der Umwelt und der jeweiligen Dörfer mit tradition sorbisch usw. Ich finde es gut das Greenpeace diese Studie in auftrag gegeben hat. Nun ist es an der Zeit das unsere Grünen das durchsetzen können das Braunkohlekfraftwerke abgeschalten werden.

An die grüne Fraktion, versucht es bitte durch zu setzen. Danke!

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