Studie Ökolandbau Schwarz-Gelb blockiert Biotrend

Eierpaletten werden auf einem Biohof in Sachsen-Anhalt verpackt.

Die Nachfrage nach Bio-Produkten in Deutschland boomt. Zwischen 2000 und 2012 hat sich das Handelsvolumen auf über sieben Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Doch heimische LandwirtInnen profitieren von diesem Wachstumsmarkt viel zu wenig. Zwar hat sich der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen in diesem Zeitraum auf 6,3 Prozent annähernd verdoppelt, doch hinkt die Zunahme des Anbaus deutlich hinter dem Umsatzzuwachs hinterher. Dies belegt eine Studie der Universität Bonn, die die grüne Bundestagfraktion in Auftrag gegeben hat.

Die Folge ist, dass immer mehr Bio-Produkte importiert werden, obwohl sie auch hier hergestellt werden könnten. So kommen 28 Prozent der Bio-Kartoffeln, 25 Prozent der Bio-Eier und sogar 48 Prozent der Bio-Möhren aus dem Ausland.

Denn während die schwarz-gelbe Bundesregierung den Ökolandbau aus ideologischen Gründen als Stiefkind behandelt und zuletzt die dramatische Kürzung der für den Ökolandbau wichtigen Agrarumweltförderung in der zweiten Säule auf europäischer Ebene verhandelt hat, haben viele andere Länder das Potenzial insbesondere des deutschen Marktes erkannt und in die Umstellung auf den Biolandbau investiert. So stiegen beispielsweise die Bio-Anbauflächen in Polen und den baltischen Ländern seit 2004 um 300 bis 500 Prozent, in Deutschland dagegen nur um 29 Prozent.

Merkel, Aigner und Co. setzen lieber auf eine Agrarpolitik, die die Erzeugung von Billigschnitzeln für den Weltmarkt fördert, als auf die Erzeugung von Qualitätsprodukten. Damit ignorieren sie ein Wachstumsfeld, das deutlich mehr Arbeitsplätze als die konventionelle Landwirtschaft schafft und die Wertschöpfung im ländlichen Raum steigert. Zudem gehen wichtige Impulse für den Umwelt- und Artenschutz verloren.

Aktionsplan für Ökolandbau

Die grüne Bundestagsfraktion fordert eine konsistente, ressortübergreifende Politik, um den ökologischen Landbau in bäuerlichen Strukturen zu fördern. Seine gesellschaftlichen Leistungen im Bereich Umwelt-, Klima-, Natur- und Tierschutz müssen angemessen und verlässlich honoriert werden. Um die Wertschöpfung des Ökolandbaus weiter auszubauen, wollen wir regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen ausbauen. Doch nach der von Bundeskanzlerin Merkel verhandelten Kürzung der zweiten Säule der europäischen Agrarpolitik ist der finanzielle Spielraum für solche Förderprogramme gering. Darum muss Deutschland jetzt unbedingt die Möglichkeit, auf nationaler Ebene 15 Prozent der Direktzahlungen in die zweite Säule zu verschieben, nutzen, damit die Länder ausreichend Finanzmittel zur Förderung des ökologischen Landbaus haben.

Die Forschung für den ökologischen Landbau muss gestärkt werden. Wir Grüne im Bundestag schließen uns der Forderung des Rates für nachhaltige Entwicklung an, dass 20 Prozent der Agrarforschungsmittel des Bundes für Forschungsvorhaben mit Zielrichtung ökologische Lebensmittelwirtschaft reserviert werden.

Die agrarpolitischen Rahmenbedingungen müssen bezüglich ihrer Wirkungen auf den ökologischen Landbau hin überprüft werden. So müssen beispielsweise die EU-Öko-Verordnung und die Bio-Kontrollen weiter optimiert und die Konkurrenzsituation zwischen Biobetrieben und Biogas-Betrieben entschärft werden.

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4 Kommentare
Aktionsplan für jeden
Sabine Marek 09.05.2013

Das eine sind Forderungen an Poltik, aber was kann der einzelne tun. Biokartoffeln aus Ägypten sind doch eine Farce. Ich versuche durch mein Kaufverhalten etwas zu bewirken. Allerdings würde ich auch die Aktionsforderung unterschreiben. Was kann der einzelne noch tun ?

Schwarz-Gelb blockiert Biotrend
Thomas Horn 10.05.2013

Wie kann was mit BIO deklariert werden, wenn es aus 1.000-ten von km Entfernung angeliefert werden muss???

Wenn mit diesem Blödsinn und mit der Irreführung des Verbrauchers nicht aufgehört wird, wird dies unsere lokalen Biobauern in den Ruin treiben. Billig-"BIO"-Produkte zerstören unsere lokale BIO-Erzeuger-Struktur. Ehrliche BIO Bauern können mit "BIO" Dumpingpreisen nicht überleben.

Das ganze hatten wir gerade erst bei der Solarenergie!
Praktisch alle Deutschen Solarfirmen sind aufgrund der chinesischen Billigimporte heute verschwunden. Ein Skandal der sich nicht nochmals wiederholen sollte!

Grüße

Tom

Nachhaltigkeit versus Globalisierung
Nadine Brunstein 14.05.2013

Die Aspekte in puncto sogenannter "Billig"-BIO-Produkte und "Billig"-Solar-Energie (wie die beiden obigen KommentaroInnen erwähnt haben) sind Produkte der Globalisierung. Die Globalisierung lässt sich zum heutigen Standpunkt nicht mehr aufhalten bzw. zurückdrehen. Wichtig ist für die Zukunft, dass die Globalisierung mehr auf "Nachhaltigkeit" achtet. Am Beispiel landwirtschaftliche Produkte macht es keinen Sinn, wenn Erdbeeren, Möhren, Kohl aus China importiert werden. Dazu sind die Außenhandelsexperten und Agrarminister gefragt, dass darüber verhandelt wird, ob Produkte, die importiert werden, überhaupt auf den heimischen ("unseren") Landwirtschaftsmarkt kommen.

Nachhaltigkeit versus Globalisierung
Nadine Brunstein 14.05.2013

Aber die Exporteure (hier: China) müssen auch an den Tisch geholt werden. Die Länder wie Deutschland, andere EU-Länder und auch Nicht-EU-Länder sollten zunächst ihre eigenen Produkte auf dem heimischen Markt nutzen. Ebenso ist der Verbraucher und sein Konsumverhalten in diesem Kontext wichtig. Oder warum sind wir "Weltmeister" einer "Wegwerfgesellschaft". Und mein Fazit des Ganzen ist auch, dass die Subventionierung der Landwirtschaft zur "Wegwerf"-Mentalität führt, weil Produkte nach dem Motto "Billig-Discounter"-Mentlaität gekauft werden.
>> Mehr Produktionsgüter, desto billiger und mehr landet im Mülleimer.<<

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