Fleischkonsum Veggie-Day soll zum Nachdenken anregen

Nudeln mit Tomatensoße

Die gesellschaftliche Debatte über die Auswirkungen unseres Fleischkonsums und der Massentierhaltung hat bei vielen Menschen zu einem Bewusstseinswandel und zu veränderten Essgewohnheiten geführt. Vegetarisches Essen ist längst Normalität in Restaurants und Kantinen geworden: So ist in den Mensen des Berliner Studentenwerks bereits 80 Prozent des Essensangebotes vegetarisch, und auch in der Schulverpflegung werden laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zunehmend fleischlose Gerichte nachgefragt.

Wir Grüne im Bundestag wollen niemandem vorschreiben, was er oder sie essen soll. Wir sind aber der Meinung, dass gutes Essen auch ohne Fleisch geht. Ein vegetarischer Tag in der Kantine ist eine Gelegenheit, das auszuprobieren. Wir finden: Fleisch in Maßen statt in Massen ist der richtige Weg. Wir wollen das vegetarische Angebot in öffentlichen Kantinen attraktiver gestalten und unterstützen den Veggie-Day. Einen solchen Veggie-Day gibt es bereits in 30 deutschen Städten. Dort bieten möglichst viele kommunale Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und Kantinen an einem Tag der Woche ausschließlich oder überwiegend vegetarische Gerichte an.

Eine aktuelle Studie der Universitäten Hohenheim und Göttingen zeigt: 60 Prozent der Deutschen wären zu einer Einschränkung ihres Fleischkonsums bereit. Den größten Einfluss auf die Höhe des Fleischkonsums habe die Bewertung des Gesundheitswertes von Fleisch und Fleischprodukten, danach die Einstellung zum Tierschutz. Insgesamt halten die ForscherInnen eine mengenmäßige Reduktion des Fleischverzehrs von rund 20 Prozent für plausibel – unter der Voraussetzung, dass effektive Informations- und Gesundheitskampagnen stattfinden.

Fakten zum Fleischkonsum

  • Durchschnittlich isst jedeR Deutsche mehr als ein Kilogramm Fleisch pro Woche. Ernährungswissenschaftler empfehlen höchstens 300 bis 600 Gramm. Männer essen circa doppelt so viel Fleisch wie Frauen. Trotz großer Unterschiede verschiedener Bevölkerungsgruppen im Lebensmittelverzehr bilanziert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für alle Bevölkerungsgruppen einen zu hohen Fleischverzehr und damit verbunden eine zu fettreiche Ernährung (DGE Ernährungsbericht 2012).
  • Rund sieben Millionen Deutsche sind VegetarierInnen (acht bis neun Prozent der Bevölkerung).
  • Weltweit hat sich der Fleischkonsum in den vergangenen 50 Jahren vervierfacht.
  • Auswirkungen:

    • Klima: Neben dem Verkehrssektor hat die Ernährung die größten Umweltauswirkungen. 18 Prozent der globalen Treibhausgase stammen aus der Tierhaltung. Ein Kilo Schweinesteak verursacht rund zwanzigmal mehr Treibhausgase als ein Kilo Gemüse.
    • Flächenverbrauch: Die landwirtschaftliche Fläche, die ein durchschnittlicher Deutscher durch seinen Konsum beansprucht, ist wesentlich höher als jedem Menschen theoretisch zusteht. Der Großteil dieser Fläche (61 Prozent) entfällt momentan auf den Verzehr von tierischen Produkten. Die auf pflanzlichen Nahrungsmitteln basierende Ernährung nimmt 32 Prozent in Anspruch.
    • Welternährung: Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, beansprucht die globale Fleischproduktion ein Drittel der gesamten Landfläche der Erde, die damit nicht der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln zur Verfügung steht. Acht Prozent des global verfügbaren Trinkwassers wird in der Tierhaltung verbraucht. Deutschland beansprucht für den Anbau von Sojafuttermitteln allein in Südamerika 2,5 Millionen Hektar Agrarfläche – Fläche, die für die Ernährung der heimischen Bevölkerung fehlt beziehungsweise auf Kosten des Regenwaldes geschaffen wird. Die Exporte von Billigprodukten, wie hier nicht vermarktbaren Fleischteilen etwa nach Afrika, treiben lokale Bäuerinnen und Bauern in den Ruin.
    • Massentierhaltung: Hoher Fleischkonsum und billige Fleischerzeugung gehen auf Kosten der Tiere. Tiere werden zusammengepfercht, Schweinen werden die Ringelschwänze, Kühen die Hörner entfernt. Antibiotikamissbrauch in der Tierhaltung gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung, denn Antibiotika drohen für die Humanmedizin unwirksam zu werden.

Veggie-Day – positive Beispiele

Mittlerweile unterstützen 30 deutsche Städte einen Veggie-Day: Bremen, Magdeburg, Schweinfurt, Wiesbaden, Deggendorf, Landkreis Rotenburg (Wümme), Klimainsel Juist, Bad Hersfeld, Freiburg, Hannover, Dinslaken, Düren, Köln, Münster, Karlsruhe, Bonn, Straubing, Ingolstadt, Marburg, Rottal-Inn, Paderborn, Leverkusen, Leer, Iserlohn, Bamberg, Mannheim, Göttingen, Weinheim und Aachen.

Die Betriebskantine von VW in Hannover beteiligt sich seit April 2013 am Projekt Veggietag bunt.bio.lecker. der Stadt Hannover, bei dem an einem Tag der Woche das Angebot in Kantinen, Mensen und Restaurants durch leckere vegetarische Alternativen erweitert wird.

Bereits 2009 war die Kantine der Puma-Zentrale in Herzogenaurach die erste, die montags ausschließlich vegetarische Gerichte anbietet.

Weitere Beispiele und Informationen: donnerstag-veggietag.de

Forderungen der grünen Bundestagfraktion für einen bewussteren Umgang mit Fleisch

Wir wollen ein Umsteuern bei Massentierhaltung und übermäßigem Fleischkonsum. Klasse statt Masse muss zum Prinzip werden.

  • Mehr Verbraucheraufklärung zu den gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums
  • Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen und sich am Veggie-Day beteiligen. Ein gutes Angebot von vegetarischen und veganen Gerichten soll dort zum Standard werden
  • Ernährungsbildung an Kitas und Schulen stärken, damit das Bewusstsein für eine gesunde, nachhaltige Ernährung von Beginn an mitwächst
  • Label für vegane und vegetarische Produkte
  • Tierhaltungskennzeichnung für alle Lebensmittel, damit Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen können, wie die Tiere gehalten wurden
  • Systemwechsel hin zur artgerechten, nachhaltigen Tierhaltung und dazu die Subventionierung der Massentierhaltung beenden, ihre Privilegien im Baurecht streichen, artgerechte Haltung im Tierschutzgesetz verankern und Antibiotikamissbrauch stoppen

Weitere Infos:

Mehr zum Thema Ernährung

14 Kommentare
Jacobiner
klaus knodt 06.08.2013

Dann machen wir bitte am Samstag noch den Fußballfrei-Tag, am Mittwoch den Alkoholfrei-Tag, am Montag den Autofrei-Tag, am Sonntag den Kirchenfrei-Tag, am Freitag den Rauchfrei-Tag und am Dienstag den Geschlechtsverkehrfrei-Tag. Und immer vom 1.1. bis 31.12. die Künastfrei-Wochen.
[[Anmerkung der Redaktion: Bitte keine persönlichen Beleidigungen]]
So doktrinär und damit kontraproduktiv war ja nicht mal die SED. Gibt es eigentlich eine Geheimklausel im grünen Manifest zu den Tagen, an denen das Denken verboten ist?

Vorschriftenmacherei
Dinosaurier 06.08.2013

Ja seids denn noch normal? Man könnte fast meinen,
daß ihr nichts anderes im Kopf habt, als die Menschheit
mit euren Vorschlägen zu drangsalieren. Laßt doch den
Menschen noch daß bisschen Freiheit zu entscheiden,
wie oft sie in der Woche Fleisch essen. Vor ca. 70 Jahren
gab es schon mal eine Partei die dem deutschen Volk
einen Eintopfsonntag verordnet hat. Da wollen wir doch nicht wieder hin - oder?
Mit dem was ihr in der letzten Zeit politisch so verzapft,
seid ihr für mich nicht wählbar.

Warum immer gleich Verbote?
A. Pawlak 06.08.2013

Verbot von Autofahren, Fleisch, Rauchen, Alkohol, Billigflügen, Plastiktüten, Computerspielen, Solarien... Wenn ich darüber nachdenke, was ich mit "grün" (zumindest im Bund und in NRW) verbinde, fallen mir in letzter Zeit nur noch Verbote ein.
Nicht alle der oben genannten Punkte gehören zu meinem täglichen Lebensstil, aber ich käme dennoch nicht auf die Idee, meinen Lebensstil anderen aufzuzwingen. Ich brauche niemanden der versucht, mich autoritär mit Ge- oder Verboten zu erziehen. Wenn ihr meine Unterstützung wollt, müsst ihr mich von den Ideen überzeugen. Im Übrigen: mit schlechten Ideen einen Shitstorm auslösen verbraucht auch unnötig Energie ;-)

Danke
Wolfgang Finger 06.08.2013

Danke für die hervorragende Wahlkampfhilfe.
Es wird immer schlimmer,wie auch auf diese Weise
die grundgesetzlich garantierte Freiheit eingeschränkt werden soll.
Ein dankbarer FDP-Wähler

Solche Reaktionen habe ich erwartet
Wilfried Huschka 06.08.2013

von denjenigen, die diese Empfehlung der Grünen nicht verstehen wollen oder gar nicht verstanden haben.
Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen eingeschränkt wird. Siehe Massentierhaltung, sinnloser Fleischkonsum und deren verheerende Folgen, die sind halbwegs intelligenten Menschen jawohl bekannt oder.... Ja wer das nicht begreifen will, der ist in der Realität noch nicht angekommen. Wir alle haben nur diese eine Erde mit begrenzten Ressourcen. Aber wenn wir so leben wollen 'Nach uns die Sintflut' dann macht alle nur so weiter...und seid stolz auf Euer pubertäres Verhalten.

Ach liebe Grüne...
Volker Hunsche 06.08.2013

.. Ihr macht es einem wirklich nicht leicht euch zu wählen. Aufklärung über den viel zu hohen Fleischkonsum - GERNE. Werbung für vegetarische Ernährung - GERNE. Aber bitte keine Bevormundung, die gibt es in Deutschland schon viel zu viel.

Schluss mit der Ideologisierung (Teil 1)...
Demokratiegemüse 06.08.2013

und damit meine ich (ausnahmsweise) nicht die Grünen. In Foren oder auch bei Gesprächen werden Sympathisanten des Veggie-Days reflexartig als Wegbereiter des totalitären Sozialismus gebrandmarkt. Eine Sensibilisierung gegenüber Einschränkungen und Verboten tut jeder Gesellschaft gut, aber ich bezweifle die heilsame Wirkung dieses aufgeblähten Anti-Veggie-Day-Shitstorms für Demokratie und Menschenrechte in Deutschland.

Schluss mit der Ideologisierung (Teil 2)
Demokratiegemüse 06.08.2013

Das viele Veggie-Day-Gegner dabei radikal den Liberalismus als einzig wahre Ideologie propagieren, scheint egal zu sein. Bei soviel Hurra-Liberalismus wundert es mich, dass überhaupt Verbote (z.B. Waffen, Drogen etc.) in Deutschland existieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Nationalsozialismus nur aus Geschichtsbüchern und die DDR nur aus verschwommenen Kindheitserinnerungen kenne, aber in meinem Entscheidungsfindungsprozess gibt es abseits von sozialistischen und liberalen Überlegungen weitere Aspekte die mir wichtig sind.

Schluss mit der Ideologisierung (Teil 3)
Demokratiegemüse 06.08.2013

Während überall ideologische Grabenkämpfe toben, kann anscheinend niemand etwas über die Wirksamkeit des Veggie-Days sagen. Mich würde z.B. interessieren, ob in den betroffenen Mensen auch an Nicht-Veggie-Tagen mehr vegetarische Produkte verkauft werden. Sollte der Veggie-Day effektiver als andere Maßnahmen sein, bin ich gerne bereit einen kleinen Teil meiner Freiheit dafür herzugeben. Leider kommt man in Gesprächen meistens gar nicht bis zu diesem Aspekt vor.

So ein Blödsinn
IhrNahrungsfaschisten 06.08.2013

Was die Politiker im Wahlkampf für einen geistigen Dünnschiss ablassen ist doch immer wieder unglaublich...
Wie wäre es wenn ihr euch stattdessen mal dafür stark machen würdet, dass Nahrung im Inland zu fairen Preisen produziert wird, so dass Fleisch automatisch viel teurer wird als andere Lebensmittel und unsere Nahrung außerdem gesünder wird anstatt mit Antibiotika und Pestiziden versucht zu werden.

Ich esse gerne Fleisch, ich esse gerne Vegetarisch, mir wird schlecht wenn ich nachforsche wie es produziert wurde und ich habe keine Lust mir von euch Kiffern vorschreiben zu lassen wann ich was zu essen habe.

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4389648