Verkehrsinfrastruktur Überdimensionierter Straßenbau

Verkehrsschilder vor einer Straßenbaustelle

Neue Straßen in Deutschland werden häufig überdimensioniert gebaut und verursachen damit unnötige volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe. Das ist das Ergebnis einer Studie des Planungsbüros Ditmar Hunger im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion. Viele Neubauvorhaben sind schlichtweg überflüssig, bei anderen könnten intelligente angepasste Lösungen Verkehrsengpässe mit einem weitaus geringeren Aufwand beseitigen.

So ist zum Beispiel ein sechsstreifiger Ausbau der A 8 zwischen Rosenheim und Salzburg geplant, bei dem der Querschnitt der Autobahn von 17,00 Meter auf 36,00 Meter mehr als verdoppelt würde! Verantwortlich dafür ist ein Regelwerk, das Fahrbahnen immer stärker verbreitert, um Sicherheitsgewinne für extrem hohe Geschwindigkeiten zu bieten. Zudem ist der sechsstreifige Ausbau vollkommen überflüssig, da auf dieser Autobahn nur an wenigen Stunden im Jahr Stau herrscht, nämlich zu Urlaubsbeginn und zu Urlaubsende. Ein generelles Tempolimit und gegebenenfalls der Anbau von Standstreifen, die temporär freigegeben werden könnten, würde weit weniger Fläche verbrauchen und weniger kosten.

Es ist dies nur eines von vielen Beispielen aus der Studie, die aufzeigen, dass das wahre Problem überteuerter Straßenausbauten nicht in den Naturschutzauflagen liegt, sondern in einer falschen Dimensionierung.

Mehr Flexibilität

Die Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans 2015, den wir zu einer verkehrsträgerübergreifenden Netzplanung im Rahmen eines Bundesmobilitätsplans entwickeln wollen, muss daher dazu genutzt werden, die Bewertungsmethodik grundlegend neu auszurichten. Oft können Verkehrsengpässe und Sicherheitsdefizite durch kleinteilige, bestandsorientierte und an die lokalen Gegebenheiten angepasste Lösungen verbessert werden. Doch diesen Handlungsspielraum erlaubt das „richtlinienkonforme Bauen“ oft nicht. Die Richtlinien müssen an dieser Stelle geöffnet beziehungsweise in ihrer Anwendung flexibler gehandhabt werden.

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