Sotschi & Umweltschutz Olympische Spiele in Sotschi

In Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 werden die bisher teuersten Spiele sein. Es wurden komplett neue Sportstätten errichtet. Die Infrastruktur mit Bahnneubau und Hotelanlagen werden nach Expertenschätzungen mindestens 40 Milliarden Dollar kosten. Bei der Vergabeentscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Jahre 2007 war bekannt, dass Sotschi eher eine Kurmetropole als eine Sportstadt ist. Im Vorranking mit den damaligen Olympiakonkurrenten Salzburg (Österreich) und Pyeongchang (Südkorea) rangierte Sotschi daher folgerichtig auch in der Bewertung der Umweltkriterien nur auf dem 3.Platz.

Keine Frage: Die Attraktivität Olympias lebt auch von Funktionalität und Architektur der Sportstätten. Zunehmend sind aber Finanzierung und Kosten sowie Umwelt- und Naturschutzaspekte zu Recht in den Vordergrund der öffentlichen Betrachtung getreten. Tatsache ist: In Sotschi wurden Ankündigungen der Organisatoren in Richtung „grüner Spiele“ nicht nur nicht eingehalten sondern Natur- und Umweltbelange sogar mit Füßen getreten. Und das IOC hat sich als nicht fähig oder nicht gewillt gezeigt, um ausufernder Olympiabebauung und Umweltzerstörung Einhalt zu gebieten.

Die Liste der Umweltsünden ist lang. Es fehlt an einem nachhaltigen Baukonzept in Sotschi und in den olympischen Bergregionen. Bei zahlreichen Eingriffen in die Naturregion des Kaukasus, das UNESCO Weltnaturerbe ist, wurden die Interessen von Umwelt- und Naturschutz überwiegend gar nicht berücksichtigt beziehungsweise Gesetzte entsprechend verändert und Naturparkgrenzen einfach willkürlich versetzt . Ausgleichsflächen wurden nicht geschaffen. Es sind Müllplätze entstanden, auf denen Aushub und Bauschutt illegal gelagert werden. Von einem Müllkonzept, mit dem eine Großveranstaltung wie olympische Spiele begleitet werden müsste, kann keine Rede sein. Der Flusslauf der Msymta wurde ohne kompetente Umweltexpertise begradigt, so dass mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Wasserversorgung in der Region zu rechnen ist. Kritische Stimmen, die auf die Missstände aufmerksam machten, mussten mit staatlichen Repressalien und Schikanen rechnen und wurden oft auch kriminalisiert. So wurde der russische Umweltaktivist und Geologe Jewgeni Witischko zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt, weil er es gewagt hatte, die Zerstörungen durch die Winterspiele in Sotschi zu benennen. Sein Vergehen: er soll an die Villa des Gouverneurs der Olympia-Region Protestplakate angebracht haben, weil das Gebäude ohne gesetzliche Grundlage errichtet worden sein soll.

Die Olympischen Spiele in Sotschi verdeutlichen, wie wichtig zukünftig die Zusammenarbeit mit Umwelt- und Naturschutzverbänden bei der Planung und Gestaltung von Sportgroßveranstaltungen sein muss. Nachhaltigkeit darf es nicht nur in Ankündigungen und Bewerbungsreden geben. Auch das IOC muss auf die Einhaltung ihrer ökologischen Versprechen und die Wahrung der Menschenrechte achten, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen. Dazu muss Umwelt- und Naturschutz und Aspekte der Nachhaltigkeit integraler und selbstverständlicher Bestandteil von Bewerbungs- und Organisationskonzepten für die Spiele werden. Inklusive einer ernsthaften Begleitung der nationalen OK bei der Umsetzung dieser Konzepte. Desweiteren sollte für die Bewertung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte, sowohl auf der Ebene der Konzeption, als auch auf der Ebene der Begleitung, die Zusammenarbeit mit NGOs aktiv gesucht werden. Daneben gilt es auch beim IOC die Umwelt- und Nachhaltigkeitskompetenz massiv auszubauen.

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