Drei Jahre Fukushima Ehemaliger japanischer Premierminister drängt auf Atomausstieg

Naoto Kan ist von Juni 2010 bis September 2011 und somit während der verheerenden Reaktorkatastrophe in Fukushima japanischer Premierminister gewesen. Er hat an zentraler Stelle agiert, um die unmittelbaren Folgen des Super-GAUs zu bewältigen. Die Katastrophe hat in Japan zunächst dazu geführt, dass die Regierung ab September 2012 einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft unterstützte. Naoto Kan hat den Grundstein für Erneuerbare Energien als sichere Alternative zur Kernenergie in Japan gelegt und tritt als scharfer Kritiker der Gefahren der Atomkraft auf. Mittlerweile ist die Atomkraft jedoch wieder fester Bestandteil der japanischen Energiepolitik. Als Mitglied des japanischen Unterhauses besucht Kan die grüne Bundestagsfraktion, um zu erfahren, wie die deutsche Energiewende funktioniert.

Kan: „Existenz Japans ernsthaft gefährdet“

Nach der Begrüßung durch Anton Hofreiter und Cem Özdemir schildert Kan eindringlich seine persönliche Wahrnehmung des schweren Erdbebens im März 2011. Nach dem Ausfall der Reaktorkühlung, der anschließenden Kernschmelze und mehrerer Wasserstoffexplosionen im Kraftwerk drohte „die Existenz Japans ernsthaft gefährdet zu werden“. Die Folgen der Katastrophe haben in Kan eine „180° Wende“ bewirkt. Hielt er die Atomkraft zuvor für sicher, lehnt er sie nun klar ab. Nur der Arbeit von Mitarbeitern und Feuerwehr vor Ort ist es laut Kan zu verdanken, dass es nicht zu einer Evakuierung von 50 Millionen Menschen und einem Drittel der Fläche Japans kommen musste.

Aber auch die tatsächlich eingetreten Schäden sind immens. 140.000 Japaner haben langfristig ihr Zuhause verloren und kontaminiertes Wasser fließt noch immer in großen Mengen in den Ozean. Auch die Lagerung des aufgefangenen Kühlwassers ist ein massives Problem. Kan stellt angesichts dieser Folgeschäden fest: Atomkraft ist auch für hochentwickelte Staaten zu gefährlich.

Atomkraft auch in hochentwickelten Staaten zu gefährlich

Der ehemalige Premierminister fragt angesichts seiner Erfahrungen, ob Plutonium und die Menschheit wegen der hohen Sicherheitsgefahren überhaupt zusammen existieren können. Für ihn ist der Atomausstieg unbedingt notwendig und er kritisiert damit die neue japanische Regierung für die anstehende Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Atomkraftwerke. Hoffnungsvoll stimmt ihn der Konsens in Japan, Erneuerbare Energien stärker zu fördern. Er nimmt dabei Deutschland als Vorbild und wünscht sich einen Ausbau von Erneuerbaren auf 30 Prozent in zehn bis fünfzehn Jahren.

Ozean als Endlager

Sylvia Kotting-Uhl unterstreicht die Aussagen Kans mit der Feststellung, der Ozean werde wegen der eklatanten Mängel in Fukushima zu einem Endlager. Sie schildert ihre persönlichen Erlebnisse in Fukushima und erinnert daran, dass neben den ökonomischen Schäden vor allem die Menschen vor Ort leiden. Jeder, der die Energiewende für zu teuer hält, sollte ihrer Meinung nach auf Japan zu gucken. Die Bundesregierung fordert die bündnisgrüne Sprecherin für Atompolitik auf, Japans Energiewende zu unterstützen und durch die Umsetzung hierzulande zu zeigen, dass die Energiewende funktioniert.

Japaner wollen Atomausstieg

Obwohl eine Mehrheit von 60 bis 70 Prozent der Japaner einen Atomausstieg befürworten, lässt sich dies laut Kan bisher schwer umsetzen. Grund ist einerseits das japanische Wahlrecht, andererseits die mächtige Atomlobby. Sie verfügt über viel Macht in Medien, Wissenschaft und Teilen der Arbeiterschaft. Die Atomkatastrophe von Fukushima hat ihm aber gezeigt, dass ein Ausstieg notwendig und auch eine erfolgreiche Energiewende nur ohne Atomkraft durchführbar ist.

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