Mikroplastik in Kosmetika Harmloser Zwerg oder unsichtbare Gefahr?

Prof. Liebezeit, Nicole Maisch, Peter Meiwald auf dem Podium
v.l.n.r.: Prof. Liebezeit, Nicole Maisch MdB, Sprecherin für Verbraucherpolitik und Peter Meiwald MdB, Sprecher für Umweltpolitik auf dem Podium

Primäres Mikroplastik, also kleine Kügelchen oder Fasern aus Kunststoffen, begegnet uns in vielen Bereichen im täglichen Leben – auch dort, wo man es nicht unbedingt erwartet. So wird es auch oftmals in Kosmetik- und Körperpflegeprodukte wie Peelings, Duschgels und Zahnpasten beigemischt. Nach Gebrauch landen die Partikel im Abwasser und, da sie in den Kläranlagen kaum herausgefiltert werden können, auch in den Gewässern.

Die grünen Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch (Verbraucherpolitik) und Peter Meiwald, (Umweltpolitik) haben die Problematik mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Umweltverbänden und Industrie sowie einer interessierten Öffentlichkeit näher beleuchtet.

Vorsorgeprinzip anwenden: Mikroplastik ist eine unnötige Gefahr

Pro Prof. Dr. Liebezeit forscht seit mehreren Jahren intensiv an den Folgen des Einsatzes von Mikroplastik, bis August 2013 an der Universität Oldenburg, seit September letzten Jahres mit der eigenen Firma MarChemconsult. Dabei hat er vor kurzem nachweisen können, dass es sich nicht nur in der Umwelt, sondern bereits in unserer Nahrungskette findet. In seinem Vortrag legte er dar, wo überall Mikroplastik eingesetzt wird und welchen Weg dieses nimmt – von der Verwendung über Meerwasser und Sediment bis in die Mägen von Tieren und dann zum Teil wieder in unsere Nahrungskette. Selbst bei einer Untersuchung von 19 verschiedenen Honigsorten, fand er in allen Sorten Plastikpartikel. Außerdem hat er Mikroplastik in Trinkwasser und unterschiedlichen Bieren festgestellt.

Liebezeit forderte daher unter anderem ein gesetzliches Verbot von Mikroplastik UND Plastiktüten und nannte denkbare Alternativen, die im Gegensatz zu Plastik abbaubar sind. Außerdem hielt er die Verbraucherinnen und Verbraucher an, auf Plastik zu verzichten.

Nadja Ziebarth, Meeresschutzreferentin beim BUND e.V., leitete die Initiative „Meer ohne Plastik“. Auch sie warnte in ihrem Vortrag eindringlich vor den Gefahren für die Umwelt durch den unkontrollierten Einsatz von Mikroplastik in Produkten. Der BUND fordert eine Reduktion des Kunststoffeintrags in die Umwelt um 50 Prozent bis 2020 und ein Ende des Kunststoffeinsatzes in Kosmetika. Diesbezüglich verwies Ziebarth insbesondere auf die Vorgaben der Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL), welche das Erreichen eines guten Umweltzustands bis 2020 als primäres Ziel nennt, wofür eine Reduktion mariner Abfälle, wie unter anderem Mikroplastik, dringend notwendig ist.

Um Verbraucherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich besser darüber zu informieren, welche Auswirkungen mit dem Einsatz von Mikroplastik verbunden sind, und um ihnen die Möglichkeit zu geben, bewusst Produkte ohne Mikroplastik zu kaufen, hat der BUND eine Liste von Kosmetikprodukten erstellt, die Mikroplastik enthalten. Diese ist auf den Internetseiten des BUND herunter zuladen.

Die Resonanz auf die Liste sei sehr groß und habe zahlreiche Nachfragen von Verbraucherinnen und Verbrauchern hervor gerufen. Auch einige Hersteller hätten darauf reagiert und dem BUND einen künftigen Verzicht auf Mikroplastik angekündigt.

Einige Unternehmen steigen freiwillig aus

Birgit Huber, stellvertretende Geschäftsführerin des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel e.V., beleuchtete in ihrem Vortrag die Perspektive der Industrie auf Mikroplastik in Kosmetika. Dieses sei günstig in der Herstellung und sehr flexibel einsetzbar. Darüber hinaus sprächen ein sanfter Peeling-Effekt, gute Hautverträglichkeit sowie günstige physikalische und chemische Eigenschaften für den Einsatz. Die Sicherheitsanforderungen des Kosmetikrechts seien sehr hoch. Angesichts der ökologischen Bedenken in der Öffentlichkeit hätten einige Firmen aber bereits angekündigt, zukünftig auf Plastikzusätze zu verzichten, da natürliche Alternativen vorhanden sind. Hierzu zählen zum Beispiel Sand, Holzmehl, Wachse oder Walnussschalen. Mit diesen Alternativen seien aber verschiedene Nachteile und dadurch Herausforderungen verbunden. Ein freiwilliger Verzicht sei aus ihrer Sicht der beste Weg - möglichst auf europäischer Ebene. Dieser sei jedoch nicht von heute auf morgen erreichbar. Sie rechnet mit einem Ausstieg ihrer Mitgliedsunternehmen bis 2015/2016. Jedoch gelte dies nicht für alle Arten von Mikroplastik, sondern nur für die festen Mikroplastikbestandteile. Kunststoffe in Ölen und viskosen Flüssigkeiten und mögliche Alternativen müssten erst noch weiter erforscht werden.

Fazit

Die Vorträge und Diskussionen während des Mikroplastik-Fachgesprächs zeigten, dass es nach wie vor Forschungs- und Weiterentwicklungsbedarf gibt. Die anwesenden Experten bestätigten, dass die Datenlage zu Mikroplastik dünn sei und daher dringender weiterer Forschungsbedarf bestehe. Viele Teilnehmer forderten aber, dass das Vorsorgeprinzip hier bereits jetzt greifen müsse. Mikroplastik in Umwelt und Lebensmitteln sei auf jeden Fall umweltschädlich, höchstwahrscheinlich aber langfristig auch gesundheitsschädlich für uns Menschen. Deshalb sollte auf die unnötige Verwendung in Kosmetika und Reinigungsmitteln schnellstmöglich verzichtet werden zumal Alternativen bereits zur Verfügung bzw. die Produkte bis vor wenigen Jahren auch ohne die Mikrokunststoffe ausgekommen wären.

Grüne Bewertung

Aus Sicht der von Nicole Maisch MdB und Peter Meiwald MdB müssen Konsequenzen aus den vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnissen und den Befürchtungen von Verbraucherschützern und Umweltverbänden gezogen werden.

Die Forschungsergebnisse, die vorliegen, beweisen, dass die Ansammlung von Mikroplastik in der Umwelt zu gravierenden Problemen führt. Es ist bekannt, dass Kunststoff sehr beständig ist, es wird in der Umwelt also nicht abgebaut. Meerestiere sterben bei der Aufnahme von Mikroplastik, weil dieses in ihren Mägen bleibt und das Hungergefühl aussetzt. Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit über die Nahrungskette sind bisher viel zu wenig erforscht.

Nach Einschätzung der grünen Bundestagsfraktion wird hier dem Vorsorgeprinzip nicht ausreichend Rechnung getragen. Ein „Abwarten und Schauen, was passiert“, wie es die Regierung vorhat, halten Nicole Maisch und Peter Meiwald für völlig falsch. Deutlich wurde im Rahmen des Fachgespräches, dass die nachträgliche Herausfilterung von Mikroplastiken insbesondere aus unseren Gewässern sehr aufwändig, teuer – und bei vielen Kunststoffen auch technisch gar nicht möglich – ist, so dass ein Eingriff an der Quelle, also die Vermeidung des Mikroplastikeinsatzes direkt in der Produktion, auf jeden Fall der sinnvollste Weg zur Begegnung der Problematik ist.

Die Industrie hat erfreulicherweise zumindest in einem Teilbereich bereits konsequenter gehandelt als die Regierung. Viele Hersteller steigen freiwillig aus, das begrüßen die Veranstalter. Aber freiwillige Maßnahmen reichen nur aus, wenn alle mitmachen. Ansonsten muss die Regierung gesetzgeberisch bzw. über eine Initiative auf EU-Ebene eingreifen – dazu werden wir sie auffordern. Auch einzelne produktbezogene Regelungen sind für uns eine Option, denn jede zusätzliche Tonne Plastik in den Ozeanen ist für uns eine zu viel. Weitere Forschung halten beide für extrem wichtig, um die Auswirkungen von Mikroplastik besser abschätzen zu können.

Außerdem müssen Verbraucherinnen und Verbraucher besser über die Umweltgefahren, die über die Gesamt-Lebensdauer von Mikroplastik ausgehen, aufgeklärt werden. Hier sehen die VeranstalterInnen sowohl die Industrie, als auch die Regierung in der Verantwortung.

Die grüne Bundestagsfraktion wird weiter an dem Thema arbeiten. Die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen danken allen TeilnehmerInnen und ExpertInnen für ihre Zeit und den guten Gedankenaustausch.

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