Erdgasimporte Unabhängigkeit nur durch forcierte Energiewende

Bis 2030 könnte sich Deutschland durch eine konsequente Energiewende vollständig von russischen Erdgasimporten lösen. Dies erfordert jedoch einen raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen – gerade im Gebäudebereich – sowie Anreize für eine alternative Wärmebereitstellung durch neue Wärmekonzepte und Technologien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Fraunhofer IWES im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion.

Die aktuelle Krise in der Ukraine hat ein europäisches Dilemma deutlich gemacht. Deutschland und die anderen EU-Staaten sind von Energierohstoffen – insbesondere Erdgas - aus Russland abhängig. Damit wird die Souveränität der EU massiv eingeschränkt.

Energieeinsparung ist der Schlüssel

Die Studie „Erdgassubstitution durch eine forcierte Energiewende“ vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) zeigt auf, dass eine nachhaltige Unabhängigkeit von Gasimporten möglich ist. Bei einer ambitionierten und forcierten Energiewende können bis 2030 über 400 Terrawattstunden (TWh) Energie eingespart werden. Dies entspricht den Importen aus Russland im Jahr 2013. Damit können wir spätestens 2030 vollständig unabhängig von russischem Erdgas sein.

Damit würden nicht nur die notwendigen Klimaschutzziele vorangebracht, sondern es würde auch wichtige Wertschöpfung in Deutschland und der Europäischen Union gehalten. Heute importiert die Europäische Union für circa 400 Milliarden Euro jährlich Energie. Deutschland davon allein für 90 Milliarden. Das können wir bei der richtigen Weichenstellung vermeiden.

Der Berechnung liegt zugrunde, dass die Förderung der Gebäudesanierung deutlich erhöht und die Sanierungsquote von heute 0,8 auf 3 Prozent jährlich erhöht wird und der Ökostromausbau weiter dynamisch vorangeht. Zudem soll vermehrt Ökostrom im Wärmebereich genutzt werden und hier fossile Brennstoffe ersetzen.

Europäische Klimaschutz-Union

Bei einem Weiter-So wie bisher á la Große Koalition kann Deutschland frühestens 2050 unabhängig von russischem Erdgas werden. Doch anstatt die heimische Wirtschaftskraft durch den ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren Energien und konsequente Maßnahmen für Energieeffizienz und Energieeinsparung zu forcieren wollen Union und SPD ein Fracking-Fördergesetz und sich weiter in die Abhängigkeiten von autoritär regierten Staaten wie Russland begeben.

Die vielfach diskutierte Strategie, Fracking und Diversifizierung der Erdgasimporte voranzutreiben, verlängert letztlich die nur Abhängigkeit. Von diesen Scheinlösungen muss sich Europa verabschieden. Unabhängigkeit wird es nur über verbindliche Ziele und Maßnahmen bei Klimaschutz, Effizienz und Ausbau der Erneuerbaren geben. Wir brauchen eine europäische Klimaschutz-Union!

Mehr zum Thema Energie

1 Kommentar
Unabhängigkeit durch forcierte EW
Juliane Althoff 15.06.2014

Das Ziel 2030 unabhängig von russischer Erdgaslieferung ist nur durch die dezentrale Ew zu erreichen. 5 Millionen Haushalte, die Strom produzieren, die Marktreife der E-speichertechnik, die von u.a. der Frauenhofergesellschaft entwickelt wurde, sowie die Tatsache, dass die bürgerliche EW mit einer viel niedrigeren Rendite wirtschaftet als gewinnorientierte AGs zeigen ihre Überlegenheit. Schon der Ausbau der Stromautobahnen kostet viel mehr Zeit und Geld als die Fortführung des dezentralen Modells braucht, um zum Ziel zu kommen. Als die AKW-Betreiber anmeldeten, dass ihre AKWs nicht mehr gewinnbringend arbeiten können, führten sie dies auf den raschen Fortschritt der dezentralen EW zurück.

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4392065