Die Verliererinnen und Verlierer des Rentenpakets

Die Entscheidung der Bundesregierung, die neuen Leistungen fast komplett über die Rentenkasse und nicht über Steuern zu finanzieren, hat gravierende Folgen. Wir zeigen die Verlierer dieser Reform.
Die Entscheidung der Bundesregierung, die neuen Leistungen fast komplett über die Rentenkasse und nicht über Steuern zu finanzieren, hat gravierende Folgen. Das sind die Verlierer dieser Reform.

Am heutigen Tag tritt das Rentenpaket der Bundesregierung in Kraft. Die Entscheidung von Union und SPD, die neuen Leistungen in Höhe von jährlich mindestens zehn Milliarden Euro fast komplett über die Rentenkasse und nicht über Steuern zu finanzieren, hat gravierende Folgen. Versicherte, die nicht nur nichts beziehungsweise wenig von den neuen Leistungen haben, müssen diese sogar über ein geringeres Rentenniveau sowie über höhere Rentenbeiträge finanzieren. Sie sind die Verliererinnen und Verlierer des Rentenpakets. Für diejenigen Versicherten etwa, deren Rente nicht zum Leben reicht oder deren gesundheitlicher Zustand eine weitere Arbeit unmöglich macht, wird darüber hinaus der Spielraum für zielgerichtete Leistungsverbesserungen mutmaßlich auf Jahrzehnte hinaus eingeengt.

Schon jetzt muss die Bundesregierung einräumen, dass etwa die solidarische Lebensleistungsrente unter einem Finanzierungsvorbehalt steht. Doch selbst wenn sie käme, würden weniger als ein Prozent aller Rentnerinnen und Rentner profitieren. Es ist fraglich, was unter diesen Voraussetzungen für die Verliererinnen und Verlierer des Rentenpakets überhaupt noch möglich ist.

Das sind die Verliererinnen und Verlierer des Rentenpakets der Großen Koalition:

1. Jetzige Rentnerinnen und jetzige Rentner ohne Kinder

Sie haben nicht nur nichts vom Rentenpaket, sie bezahlen auch für die neuen Leistungen über niedrigere Rentenanpassungen in Höhe von 1,6 Prozent im Jahr 2030.

2. Künftige Rentnerinnen und Rentner ohne Kinder

Sie haben nichts von der Mütterrente.

3. Künftige Rentnerinnen und Rentner ab Jahrgang 1964

Aufgrund ihrer zu späten Geburt haben sie nichts von Rente ab 63.

4. Besonders belastete Beschäftigte unter 63 Jahren ohne Anspruch auf Erwerbsminderungsrente

Sie schaffen es mutmaßlich nicht bis zur Regelaltersgrenze, haben aber nichts von den neuen Leistungen des Rentenpakets.

5. Arme Rentnerinnen und Rentner

Selbst langjährig Versicherte, die eine so niedrige Rente erwarten, dass sie auf Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen sind, haben nichts von den Mehrausgaben in Höhe von 160 Milliarden Euro.

6. Jetzige Bezieherinnen und Bezieher einer Erwerbsminderungsrente

Rentnerinnen und Rentner, die bereits seit der Zeit vor dem 01.07.2014 eine Erwerbsminderungsrente beziehen, haben nichts von der verbesserten Erwerbsminderungsrente.

7. Schwerbehinderte Personen mit Abschlägen auf die Erwerbsminderungsrente

Schwerbehinderte Personen, die auf Grund der Erhöhung der Regelaltersgrenze von 63 auf 65 Jahre für den abschlagsfreien Bezug einer Erwerbsminderungsrente Abschläge in Kauf nehmen müssen, bleiben auf ihren Abschlägen und der Erhöhung der Regelaltersgrenze sitzen.

8. Arme Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern

Die Erziehungsleistung von Eltern mit vor 1992 geborenen Kinder, die auf Grund der Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter nicht bzw. kaum vom der sog. Mütterrente profitieren, wird nicht anerkannt.

9. Vor 1952 und nach 1964 geborene Personen

Sie alle profitieren nicht von der abschlagsfreien Rente ab 63.

10. Jetzige Rentnerinnen und Rentner mit 45 Beitragsjahren

Besonders langjährig Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren, die bereits vor dem 01.07.2014 mit Abschlägen in Rente gegangen sind, haben nichts von der abschlagsfreien Rente ab 63.

11. Besonders langjährig Versicherte, die einmal Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II bezogen haben

Besonders langjährig Versicherte mit  Zeiten, in denen Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II bezogen wurde, profitieren nicht von der abschlagsfreien Rente ab 63.

12. Langjährig Versicherte mit Schul-, Fachschul- oder Hochschulbesuch

Langjährig Versicherte mit Zeiten des Schul-, Fachschul- oder Hochschulbesuchs profitieren sehr wahrscheinlich nicht von der abschlagsfreien Rente ab 63. Diese Zeiten werden nicht berücksichtigt.

13. Langjährig versicherte Frauen

Viele Frauen kommen trotz der Anrechnung von Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes nicht gleichermaßen wie langjährig versicherte Männer in den Genuss der abschlagsfreien Rente ab 63. Das Verhältnis beträgt eins zu vier.

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