Düngeverordnung Nährstoffe im Übermaß

Ufer der Ostsee auf Hiddensee

Die Menschen im ländlichen Raum können ein Lied davon singen: Zwar gibt es viele Tiere, man sieht sie aber nicht. Was man sieht sind Ställe. Wahrnehmbar ist auch der Gestank in viehdichten Regionen. Wo viele Tiere sind fallen auch große Mengen an Exkrementen an – mit fatalen Folgen für das Grund- und Trinkwasser. Zu viele Tiere für zu wenig Fläche führen zu überschüssigem Dünger, den die Nutzpflanzen nicht benötigen und der stattdessen in Form von Nitrat nicht nur im Grundwasser landet: Auch Flüsse, Nord- und Ostsee werden gedüngt. Zudem entweicht aus den Ställen aber auch beim Verteilen der Nährstoffe Gas, das über die Luft weiträumig verteilt wird.

Der Umgang mit Düngemitteln ist im Düngegesetz und in der Düngeverordnung geregelt. Die Europäische Union verlangt von Deutschland wegen Nichteinhaltung der europäischen Nitratrichtlinie kräftige Nachbesserungen an der Düngeverordnung. Mit Rücksicht auf den Deutschen Bauernverband verschleppt die Bundesregierung seit Monaten wichtige Entscheidungen.

Grundwasser und Artenvielfalt gefährdet

Was sind die Folgen? Die Gülleseen führen nicht nur am Ort der Anwendung zu negativen Folgen für das Grundwasser, sondern auch an anderer Stelle. Die Folgen sind mitunter sichtbar: An den Küsten der Nord- und Ostsee – also gerade dort, wo Urlauber Erholung suchen - werden hässliche Schaumberge sichtbar.

Bunte Feuchtwiesen oder Trockenrasen sind kaum noch zu sehen. Die Nährstoffflut sorgt dafür, dass Pflanzen, die mit wenigen Nährstoffen auskommen, mehr und mehr verdrängt werden und schleichend aus der Landschaft verschwinden. Mit diesen Pflanzen verschwinden auch die auf diese Arten spezialisierten Insekten und andere Tiere. Die biologische Vielfalt verarmt, in manchen Regionen sogar für immer. Das hat auch Auswirkungen auf den Tourismus.

Hinzu kommen gesundheitsschädliche Feinstäube, die sich letztlich aus der Gülle durch Umwandlungsprozesse aus dem frei werdenden Ammoniak bilden. Weitere Umwandlungsprozesse sorgen dafür, dass sich aus Ammoniak Distickstoffoxid bildet. Dieser hat einen nicht unerheblichen Anteil am Klimawandel – mit all seinen fatalen Folgen für die Umwelt.

Die Bundesregierung tut nichts, um die Überdüngung der Landschaften zu beenden. Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen kämpft konsequent dafür, die biologische Vielfalt der Landschaften zu erhalten. Schließlich sollen sich auch nachfolgende Generationen an blühenden Wiesen erfreuen. Wer badet schon gern in braunen Ostsee-Schäumen?

Was ist zu tun?

Dringend erforderlich sind Änderungen am Düngerecht. Dazu gehört zum Beispiel die Einführung von Hoftorbilanzen und eine drastische Reduktion von Nährstoffüberschüssen. Die grüne Bundestagsfraktion hat bereits im Mai 2014 einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht. Nun ist die Bundesregierung gehalten, endlich zu handeln.

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1 Kommentar
Angebliche Förderung kleiner Betriebe
J. Wolfering 17.01.2015

Mit den geforderten Maßnahmen wird sich der Strukturwandel nur verschärfen. Die bäuerliche Landwirtschaft bleibt dabei auf der Strecke.

Gruß

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