Massentierhaltung Kampf gegen Antibiotika-Missbrauch

Mitwirkende und UntereichnerInnen v.l.: Martin Häusling, Christian Meyer, Robert Habeck, Harald Ebner, Oliver Krischer, Ulrike Höffken, Anton Hofreiter, Nicole Maisch, Johannes Remmel, Bärbel Höhn, Friedrich Ostendorff, Peter Meiwald
Mitwirkende und UntereichnerInnen v.l.: Martin Häusling (Koordinator des Ausschusses Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im EP), Christian Meyer (Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Robert Habeck (Schleswig-H

Die Bundestagsfraktion setzt sich seit langem gegen Mißbrauch von Antibiotikum in der Tierhaltung ein. Zusammen mit sechs grünen AgrarministerInnen wurde der Aktionsplan "Kampf gegen Antibiotika-Missbrauch" erarbeitet:

Seit Jahren warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einem postantibiotischen Zeitalter, in dem resistente Keime dazu führen, dass einfachste Infektionen beim Menschen nicht mehr behandelt werden können. EU-Länder wie Dänemark und die Niederlande haben die Gefahr erkannt und umfassend reagiert. Die Bundesregierung schiebt hingegen das Problem auf die lange Bank – und nimmt ihre Verantwortung für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger damit nicht wahr.

Auf Drängen der Länder wird es zwar ab diesem Jahr mit der Reform des Arzneimittelgesetzes eine bessere Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in den Ställen und eine Beratungspflicht für vielverbrauchende Betriebe geben. Doch für die dringend erforderliche Senkung fehlt der Bundesregierung der politische Wille. Die aktuellen Zahlen belegen, wie groß das Problem noch immer ist: Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 1.452 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht - fast doppelt so viele wie in der Humanmedizin. Die Abgabe der für die Behandlung Kranker wichtigen Reserveantibiotika stieg innerhalb zweier Jahre um bis zu 50 Prozent an. Die Folge: Resistente Keime gehören mittlerweile zum festen Inventar an der Fleischtheke.

Für die Krankenhäuser verschärfen die resistenten Keime aus der Massentierhaltung die ohnehin vorhandenen Resistenzprobleme, die sich aus dem teils unsachgemäßen Einnahme von Antibiotika in der Humanmedizin ergeben. Patientinnen und Patienten bringen die Keime immer häufiger mit ins Krankenhaus, wo sie Menschen mit ohnehin geschwächter Gesundheit gefährden können.

Wir stehen an der Seite der vielen Bäuerinnen und Bauern, die Ihre Tiere gesund und mit so wenig Antibiotika wie möglich aufziehen. Gemeinsam fordern wir Grüne in Bund und Ländern die Bundesregierung dazu auf, entschiedene Maßnahmen gegen den Antibiotika-Missbrauch zu ergreifen. Die sechs folgenden Maßnahmen sind unverzüglich umzusetzen:

1. Den Einsatz von Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung verbieten. Ausnahmen hiervon sollten nur erfolgen, wenn keine Behandlungsalternative besteht und ein Erregertest ausweist, dass der Einsatz des Arzneimittels gerechtfertigt ist.

2. Mengenrabatte für Antibiotika abschaffen. Bislang gewähren Arzneimittelhersteller TierärztInnen bei der Abnahme großer Mengen von Antibiotika enorme Mengenrabatte. Dadurch entsteht für die VeterinärInnen ein wirtschaftlicher Anreiz, große Mengen von Antibiotika zu verkaufen.

3. Die Tierhaltung in Deutschland deutlich verbessern. Gesunde Tiere brauchen keine Antibiotika. Es ist beispielsweise ein Skandal, dass Puten so gehalten werden, dass neun von zehn Mastdurchgänge mit Antibiotika behandelt werden müssen. National und auf EU-Ebene müssen alle gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Tieren so nachgebessert werden, dass sie ihrem Namen gerecht werden. Alle Masttiere brauchen mehr Platz, Auslauf, Einstreu und Beschäftigung. Für Puten muss dringend eine strenge und verpflichtende Haltungsverordnung geschaffen werden. Wir setzen uns dafür ein, dass artgerechte Haltungen zum Standard, den Bäuerinnen und Bauern vergütet und für Verbraucherinnen und Verbraucher klar gekennzeichnet werden.

4. In der Tierzucht den Tierschutzgedanken verankern. Die einseitige Zucht auf immer mehr Leistung überfordert unsere Tiere und ist mitverantwortlich für den hohen Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung.

5. Die gängige Praxis der Behandlung ganzer Bestände kritisch prüfen. Ungezielte Behandlungen fördern die Bildung resistenter Keime. Erregertests als Teil der Diagnose vor einer Gruppenbehandlung sind unerlässlich. Grundsätzlich sind Einzelbehandlungen mit Isolation des betroffenen Tiers das Mittel der Wahl.

6. Nachbesserungsbedarf beim Arzneimittelgesetz (AMG): Führt die Erfassung der Antibiotikagaben in den Betrieben zu keiner deutlichen Senkung des Verbrauchs, halten wir ein klares Minderungsziel für notwendig. Ferner muss die Bundesregierung dann die Ausnahmen von Betrieben bei der Auskunftspflicht einschränken. Momentan sind beispielsweise 50 Prozent der geflügelhaltenden Betriebe in Nordrhein-Westfalen nicht erfasst.

Dr. Anton Hofreiter MdB

Fraktionsvorsitzender Bundestagsfraktion Bündnis90/Grünen

Johannes Remmel

Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen

Christian Meyer

Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Niedersachsen

Ulrike Höfken

Staatsministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten in Rheinland-Pfalz

Alexander Bonde

Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg

Priska Hinz

Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hessen

Dr. Robert Habeck

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein

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3 Kommentare
Leben Sie hinterm Mond?
Markus Jehle 06.02.2015

Einen derartigen unqualifizierten Stuss habe ich in meinem Leben noch nicht gelesen. Darunter auch noch seinen Namen zu setzen und stolz darauf zu sein, zeigt mit welch überheblicher Arroganz die Verfasser des Artikels ihre scheinbare politische Verantwortung wahrnehmen. Ich empfehle Euch allen dringendst parteipolitischen Patriotismus gegen Sach- und Menschenverstand auszutauschen.

Amtsausübung ohne fachliche Qualifikation
Bernd Marder 07.02.2015

das man sein Ministeramt ohne die notwendige Fachkompetenz ausübt, muss man nicht in der Öffentlichkeit breittreten - die Wähler wissen das.
Das der Antibiotikaverbrauch je kg Körpergewicht in der Humanmedizin gegenüber der Tiermedizin 2,5 mal so hoch ist, muss erwähnt werden. Warum 1.452 Tonnen fast doppelt so viel sind, wie der 1.500 Tonnen Verbrauch im Humanbereich (2013) - das ist ministerale Arithmetik.
Das man hier verheimlicht, das der Antibiotika-verbrauch bei Tieren 2013 gegenüber dem Vorjahr um 170 Tonnen gesunken ist ein Beispiel dafür, mit welcher Kaltblütigkeit Politiker das Volk belügen.
Gute Besserung wünscht Bernd

Alternativen zu Antibiotika erlauben
Dietmar Ferger 07.02.2015

Liebe grüne Agrarexperten
Statt ausschließlich Antibiotika zu verbieten, sollten lieber die Gesetze so geändert werden dass nebenwirkungsfreie, billige, wirksame und nicht resistenzbildene Alternativen endlich auch in Deutschland eingesetzt werden können.
Dies ist vor allem Anolyth (durch unvollständige Elektrolyse bzw. ECA = ElektroChemische Aktivierung von Salzwasser hergestelltes, hoch wirksames und nebenwirksames Desinfektionsmittel) und kolloidales Silber.
Es wäre sinnvoll, wenn sie die entsprechenden Fachbehörden mal mit der Wirksamkeit dieser Methoden beschäftigen würden und sich für eine Zulassung in Deutschland einsetzen.
Für Fragen stehe ichgerne zur Verfügung.

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