Parlamentarischer Abend Frauenpolitik 2015 Frauen, Feminismus, Gleichstellung

„Viele Ankündigungen – wenig Substanzielles“, lautete das Fazit zum Stand der Gleichstellung unter der Regierungskoalition das Katrin Göring-Eckardt auf dem Parlamentarischen Abend Frauenpolitik zog. Ja, gut, die Quote steht kurz vor der Einführung – ein Novum für Deutschland. Doch die Union hat so lange gezogen und gezerrt, bis nun am Ende nicht mehr allzu viel davon übrig blieb. Dennoch: erste Risse in der gläsernen Decke werden sichtbar. Das sei auch ein Erfolg der langen Zusammenarbeit und Vernetzung von Frauen inner- und außerhalb des Parlaments, so die Fraktionsvorsitzende.

Damit leitete sie zum zweiten Thema des Abends über. Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion, ging im Gespräch mit jungen Medienmacherinnen der Frage nach, wie Frauen heute die öffentliche Meinung prägen, welche Medien, Mittel und Methoden dabei zum Einsatz kommen. Jeannette Gusko von der Petitionsplattform Change.org beschrieb die Möglichkeiten von schneller und kostengünstiger Vernetzung über Grenzen hinweg. So ist eine Petition gegen das Foto halbnackter Frauen in der Bildzeitung von einer britischen Kampagne gegen dasselbe im Boulevardblatt Sun inspiriert. Susann Hoffmann, eine der Geschäftsführerinnen von Edition F, einer Plattform, die Business- wie Lifestyle-Themen für eine weibliche Zielgruppe bedient, sah im Austausch mit Online- wie Offline-Angeboten einen Vorteil für die Meinungsfreiheit und -vielfalt. Stefanie Lohaus, Herausgeberin des Missy-Magazins nahm für das gedruckte Produkt durchaus eine andere, tiefere Aufnahme durch die LeserInnen in Anspruch. Magazin-Artikel würden anders gelesen, als Online-Angebote. Das bot Stoff für eine lebhafte Debatte auf dem Podium.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Dörner lud die Gäste dazu ein, bei drei thematischen „Ansprechbars“ weiter über die Quote, mit der familienpolitischen Sprecherin Franziska Brantner über Zeitpolitik und mit Ulle Schauws über Sexismus zu diskutieren.

Beim Thema Sexismus ging es um die Anfeindungen, mit denen Feministinnen im Netz bombardiert werden und mögliche Reaktionen darauf. An die öffentlich-rechtlichen Medien gab es den Wunsch, mehr feministisches Programm zu zeigen. Und nicht zuletzt wurde über den alltäglichen Sexismus, diskutiert, der Frauen überall begegnet.

Unter dem Stichwort Zeitpolitik tauschten sich die Teilnehmerinnen über Zeit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Zeit für Pflege und mehr Zeitsouveränität in der verdichteten Arbeitswelt aus. Wichtig war allen TeilnehmerInnen, dass Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt die Voraussetzung für eine gerechte Zeitverteilung zwischen den Geschlechtern ist. Diskutiert wurde dabei über eine Reform der Minijobs und gleiche Bezahlung von gleichwertiger Arbeit.

Im Rahmen der Ansprechbar „Wie weiter mit der Quote“ wurde über den aktuellen Stand des Gesetzes zur Quote gesprochen. Eigentlich ginge die Arbeit jetzt erst richtig los, denn das Gesetz könne nur einen ersten Schritt darstellen. Seine Wirkung müsse untersucht werden. Einige Teilnehmerinnen schlugen vor, auch die Einführung einer Quote für Vorstände zu prüfen.

Mehr zum Thema Frauen

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4394718