Fachgespräch zur Bürgerenergiewende Wie wird Energieeffizienz zum Bürgerprojekt?

Seite 4: Effizienzpolitik und Bürgerenergie: Handlungsansätze für die Politik

Christian Maaß vom Hamburg-Institut stellte abschließend in seinem Vortrag die Stärken und Schwächen von Bürgerenergieeffizienz heraus. Er ordnete das Thema Energieeffizienz in den Kontext der Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie ein, in der Energiedienstleistern eine herausgehobene Rolle zukommt, da sie viele Hindernisse im Bereich Energieeffizienz wie das Investor-Nutzer-Dilemma (derjenige, der investiert, ist nicht identisch mit demjenigen, der von den Einsparungen profitiert) überwinden können. Es handele sich bei der Energieeffizienz also nicht um ein „verwaistes Geschäftsfeld“. Daher müsse man sich fragen, welche Rolle Bürgerprojekte im Bereich Energieeffizienz spielen könnten, zumal die nun angedachte Praxis, von fester Förderung auf Ausschreibungen umzusteigen, einen tiefgreifenden Wandel in der Förderpolitik bedeute. Vor diesem Hintergrund regte er unter anderem an, Bürgerprojekte bei Ausschreibungen explizit zu berücksichtigen, staatliche Bürgschaften für Effizienzprojekte (über Kommunen oder Landesförderbanken) bereitzustellen, den Markt für Energiedienstleistungen durch Einsparverpflichtungen zu stärken, oder auch Anschubfinanzierung für Bürger-Effizienzprojekte sicherzustellen. Darüber hinaus regte er an, kommunale Wärmeplanung als verpflichtende Aufgabe für Kommunen festzulegen und beispielsweise Energiebeauftragte zu ernennen.

Betont wurde in der Diskussion, dass viele Menschen nicht einfach nur Geld mit Energieeffizienz verdienen, sondern sich auch engagieren und mitreden wollen. Verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen seien wichtig, damit Vertrauen in die Energiewende erhalten bleibt. Eine Herausforderung stellen auch noch die Verwaltungen dar, denn „die Energiewende im Kopf“ sei dort noch nicht überall angekommen, zumal viele rechtliche Unklarheiten auf kommunaler Ebene bestehen würden.

In ihrem Fazit fasste Julia Verlinden zusammen, dass es viele Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger gäbe, selbst im Bereich Energieeffizienz aktiv zu werden. Dies sei auch dringend notwendig, da die Bundesregierung trotz aller wohlmeinenden Worte in diesem Bereich bisher kaum etwas erreicht hätte.

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