Nachhaltige Waldbewirtschaftung Wald ist keine Ware

Naturbelassener Wald auf dem Heinrich-Heine-Wanderweg im Harz.
Naturbelassener Wald auf dem Heinrich-Heine-Wanderweg im Harz. Länderübergreifend entsteht hier in Teilen Niedersachsens und Sachsen-Anhalts gleichermaßen wieder ein Urwald.

Nachhaltigkeit im Wald ist der großen Koalition offensichtlich egal. Sie stellt einmal mehr kurzsichtige Parteipolitik über dringenden Handlungsbedarf und dem Wohl unserer Umwelt indem sie den Antrag der grünen Bundestagsfraktion „Nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen – Kooperative Holzvermarktung ermöglichen“ ablehnte.

Bewährte öffentliche Forstverwaltung bewahren

In vielen Bundesländern unterstützten die Landesforstverwaltungen private Eigentümer bei der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder und übernehmen auch die Vermarktung des Holzes. Davon profitieren auch sehr viele Kleinprivatbesitzer und waldbesitzende Kommunen. Leider ist dieses sinnvolle System jetzt akut kartellrechtlich bedroht. Das Bundeskartellamt hat gegen die Forstverwaltung des Landes Baden-Württemberg auf Initiative der Sägeindustrie ein Kartellverfahren angestrengt und weitere solcher Verfahren gegen weitere Bundesländer angekündigt. Das Bundeskartellamt sieht in der gebündelten Vermarktung von Rundholz eine Monopolstruktur und fordert nun eine getrennte Vermarktung des Holzes. Das würde eine Zerschlagung der bewährten und breit akzeptierten Strukturen der Landesforstverwaltung bedeuten. Das Kartellamt will insbesondere nicht hinnehmen, dass „aus Gründen der Preisgestaltung“ Holzvorräte ungenutzt in den Wäldern stehen bleiben und nicht dem Markt zugeführt werden.

Das ist ein Angriff auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung! Wälder sind nicht nur Lieferanten für den Rohstoff Holz, sondern haben vielfältige Funktionen. Sie haben eine besondere Bedeutung für das Klima, für die Speicherung von Wasser und für die Artenvielfalt. Schutz und Erhaltung von Wäldern ist also eine klassische Aufgabe staatlicher Daseinsvorsorge. Für diese Leistungen ist es entscheidend, dass Wälder nicht allein nach Renditekriterien oder maximaler Holzausbeute bewirtschaftet werden sondern die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt gerückt wird.

Wir Grüne im Bundestag haben uns daher für eine Anpassung des Bundeswaldgesetzes eingesetzt. Darin muss lediglich klargestellt werden, dass beispielsweise die Auswahl und Markierung der zu fällenden Bäume waldbauliche Maßnahmen und keine Holzvermarktung sind, damit diese jahrzehntelang bewährte Organisationsform der nachhaltigen Waldnutzung bleiben kann. Denn Wald ist keine Ware.

Schwarz-Rot hat zwar eine Gesetzesänderung zugesagt, aber einmal mehr steckt der Vorschlag in Ressortverhandlungen fest und nötige Entscheidungen werden verschleppt. Zu wenig, zu langsam –und dann noch gute Vorschläge im Plenum aus reiner Parteipolitikk ablehnen. So sieht verantwortungsvolles Handeln nicht aus, liebe große Koalition.

Dieser Artikel wurde erstmalig am 27. März 2015 veröffentlicht und am 2. April 2015 aktualisiert.

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1 Kommentar
Es lebe der Wald
gehteuchnixan 29.03.2015

Die Bedeutung des Waldes für Klima, Grundwasser und Artenvielfalt vergesst ihr Grünen ganz schnell, wenn
es um Standorte für Windkraftanlagen geht.
Für eure Propellerwälder wurden schon mehr Bäume gefällt als für die Startbahn West.

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