Grüner Jahreswohlstandsbericht Bundestagsfraktion stellt neues Wohlstandsmaß vor

Fünf Personen stehen vor einem Banner mit der Aufschrift: Grüner Wohlstandsbericht
Die grünen Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer und Kerstin Andreae, Prof. Hans Diefenbacher, der grüne Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter und Roland Zieschank stellen am 9. Juli 2015 den grünen Jahreswohlstandsbericht vor.

Wir Grüne im Bundestag setzen die Arbeit der Enquetekommission „Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität“ aus der letzten Legislaturperiode konsequent fort. 17 Bundestagsabgeordnete und 17 externe Sachverständige diskutierten mit weiteren 50 ExpertInnen in öffentlichen und nichtöffentlichen Anhörungen von Ende 2010 bis Mai 2013 intensiv über Fragen von Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität.

Ein zentrales Ergebnis dieser zweieinhalb Jahre stand dann wie folgt im Schlussbericht der Enquete:
„Ausgehend von der Erkenntnis, dass Wohlstand mehr ist als „Materieller Wohlstand“ empfiehlt die Enquete-Kommission dem Deutschen Bundestag, ein neues Wohlstands- und Fortschrittsmaß zu etablieren.“

Dieses Ergebnis wurde von allen Fraktionen beschlossen. Doch die aktuelle Bundesregierung ist weiterhin auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als einziges Maß für den Wohlstand in Deutschland fixiert.

Jahreswohlstandsbericht statt Jahreswirtschaftsbericht

Wir haben uns zusammen mit unseren Gutachtern Prof. Dr. Hans Diefenbacher (FEST Heidelberg) und Roland Zieschank (FU Berlin) zur Aufgabe gestellt, eine wissenschaftlich fundierte und praktikable Umsetzung für ein neues Wohlstandsmaß vorzulegen. Das Ergebnis ist die nun vorliegende Machbarkeitsstudie für einen neuen Wohlstandsbericht.

Ein neues Wohlstandsmaß und Indikatorenset ist wesentliche Voraussetzung für gute Politik und damit ein zentrales wirtschaftspolitisches Thema. Dazu ist es hilfreich, sich noch mal die wesentlichen Kritikpunkte am Bruttoinlandsprodukt zu vergegenwärtigen:

  • Der Abbau von Ressourcen und die Zerstörung von Natur- und Sozialkapital sind im BIP nicht berücksichtigt. Während Unternehmen beispielsweise den Rückgang von eigenen Bodenschätzen den Gewinnen gegenüberstellen und Abschreibungen vornehmen, macht der Staat dies bisher nicht.
  • Reparaturmaßnahmen von Umweltschäden sind eigentlich Kosten, die lediglich den Status quo wiederherstellen, der vor der Umweltschädigung existierte. Sie erscheinen aber im BIP als Steigerung, obwohl niemand ernsthaft behaupten würde, dass beispielsweise die Ölpest im Golf von Mexiko ausgelöst von der Bohrplattform Deep Water Horizon zu einer Wohlfahrtssteigerung beigetragen hat.

Im Grünen Wohlstandsbericht geht es um harte ökonomische Fakten. Unser Konzept geht vom Kapitalbegriff aus, erweitert diesen jedoch. Berücksichtigt wird auch Natur- und Sozialkapital, dessen Verfügbarkeit zum einen natürlich ein Wert an sich ist, zum anderen aber auch elementar für wirtschaftlichen Erfolg ist.

Mit diesen Indikatoren wollen wir zukünftig Wohlstand in Deutschland messen:

Grafiken zum Vergrößern anklicken.

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3 Kommentare
Chapeau!
Hermann Ott 09.07.2015

Liebe Ex-Kolleg*innen,
wirklich toll, dass ihr das vorgelegt habt! Es ist ein Armutszeugnis der Großen Koalition dass sie nicht einmal einen neuen Indikator hinbekommt - und auf den Bürgerdialog der Kanzlerin zum "Guten Leben" verweist. Soweit ich das sehe haben die famosen Dieffenbacher und Zieschank auch den grünen Wohlstandskompass aus der Enquete sorgfältig weiter entwickelt - Glückwunsch auch dazu und in ihre Richtung.
Ich freue mich, mehr von Euch zu hören und Euch zu unterstützen
Hermann

Wohl-Stands-Bericht
G. vom Dorf 11.07.2015

Armutsberichte gibt es ja jährlich, ohne dass sich etwas ändert und ohne, dass sich die damaligen Verantwortlichen für die Agenda 2010 öffentlich zu ihrer Verantwortung bekennen möchten, jedenfalls auf keinen Fall unter diesem Titel.Schließlich hatten bereits Ende 2003 Pothmer und Göring- Eckhardt die Agenda insgesamt als "armutsfest" bezeichnet.
Nein, lassen Sie uns den Optimismus der gebildeten Wohl-Ständler darstellen.Kein Wort zuviel über deren Wünsche, in der freien Natur bauen zu lassen und den Flächenverbrauch durch Asphaltierung dadurch zu entschuldigen, dass schließlich eine Gemeinde einen "Bebauungsplan" initialisierte und damit die Fakten schuf!

Erste Ergebnisse 2015
Manfred Ronzheimer 12.07.2015

Meine erste Auswertung des Berichts steht jetzt hier: http://www.innomonitor.de/index2.php?id=132&be=3830
Ich bleibe dabei: die Kommunikation der Themen rund um die Große Transformation muss besser werden.

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