Pflegeberufsgesetz Gemeinsame Ausbildung – integrativ statt generalistisch

Teilnehmer einer Demonstration für Auszubildende in der Altenpflege halten 2014 in Stuttgart ein Plakat mit der Aufschrift «Ich bin kein Pflegerobot» hoch.
Teilnehmer einer Demonstration für Auszubildende in der Altenpflege 2014 in Stuttgart

Die Bundesregierung will die Ausbildungen zu den drei Pflegeberufen AltenpflegerIn, KrankenpflegerIn und KinderkrankenpflegerIn zu einer generalistischen Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss (Pflegefachfrau, Pflegefachmann) zusammenlegen. Wir Grüne im Bundestag fürchten, dass dabei spezifisches Fachwissen verloren geht. Eine Reform der Pflegeausbildung muss die Versorgung von PatientInnen und Pflegebedürftigen verbessern. Wir meinen mit einer integrativen gestuften Ausbildung, an deren Ende weiterhin eine Spezialisierung für eines der drei Felder steht, würde das besser gelingen.

Eine Reform der Ausbildung im Pflegebereich darf nicht dazu führen, dass die Ausbildungskapazitäten geringer werden. Es besteht die Gefahr, dass Pflegeschulen nicht schnell genug alle neuen Anforderungen werden erfüllen können: Viele Pflegeschulen werden beispielsweise nur einen Teil der generalistischen Kompetenzen vorhalten können und daher schließen müssen.

Die Auszubildenden werden künftig an praktischen Ausbildungsstätten in allen Pflegebereichen eingesetzt. Das ist schwierig zu organisieren, vor allem in ländlichen Räumen. Und es verhindert eine Bindung der Auszubildenden an den Ausbildungsträger. Für einige Gebiete, wie zum Beispiel die gerontologische Pflege und besonders die Kinderkrankenpflege, wird es schwierig sein, ausreichend Einsatzorte für die Praxisausbildung zu finden.

Ein immer noch ungelöstes Problem ist die Finanzierung. Die generalistische Pflegeausbildung wird teurer. Die Länder sollen die Kosten und das Umlageverfahren zwischen ausbildenden und nicht-ausbildenden Einrichtungen in jeweils eigenen Länderfonds verwalten. Damit tragen sie auch jegliches Risiko. Zusätzlich müssen sie das Umlageverfahren organisieren (nicht ausbildende Einrichtungen zahlen für ausbildende Einrichtungen). Das wird ein enormer organisatorischer Aufwand.

Kaum eine Reform lässt sich reibungslos umsetzen. Es ließe sich aber viel Ärger vermeiden, wenn im Vorfeld mit allen Akteuren gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht würde. Leider jedoch ignoriert die Bundesregierung alle Bedenken. Darum haben wir einen Antrag in den Bundestag eingebracht, mit dem wir auf die Auswirkungen aufmerksam machen und eine Möglichkeit aufzeigen, wie alle Betroffenen beteiligt werden können.

Eine bessere Ausbildung für eine bessere Versorgung

Um langfristig eine flächendeckende gesundheitliche und pflegerische Versorgung aller Menschen gewährleisten zu können, brauchen wir mehr gut ausgebildete Pflegekräfte. Und wir brauchen Pflegekräfte, die den veränderten Bedingungen, die multimorbide, demente und sterbende Menschen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und der ambulanten Versorgung an die Pflege stellen, gerecht werden. Auch die Anforderungen von PatientInnen und Pflegebedürftigen an die Pflege verändern sich: Sie wollen eine selbstbestimmte Lebensführung und mehr Mitbestimmung über Pflege und Behandlung.

Die Pflege muss komplexere Aufgaben übernehmen. Sie muss sich stärker in der Pflegeplanung und bei der Steuerung von Versorgungsprozessen engagieren sie muss mehr Eigenständigkeit in den pflegerischen Aufgaben bekommen, die bisher den Ärzten vorbehalten sind, sie muss sich um Qualitätsmanagement kümmern und verstärkt präventiv und rehabilitativ arbeiten. Und sie muss Schulungs-, Beratungs- sowie Anleitungsaufgaben übernehmen.

Darum ist eine Reform der Pflegeausbildung unabdingbar. Eine komplette Vereinheitlichung der Ausbildungen ist aber der falsche Weg. Denn für die alternde Gesellschaft brauchen wir mehr fachübergreifendes und vernetztes Wissen.

Wir Grünen im Bundestag plädieren für ein integrativ gestuftes Ausbildungssystem. Das heißt die Auszubildenden lernen eineinhalb bis zwei Jahre gemeinsam die gleichen Inhalte, anschließend spezialisieren sie sich in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege. So wird die Basis für eine verbesserte Zusammenarbeit geschaffen. Zugleich wollen wir das Ausbildungssystem durchlässiger machen. Es soll modularisiert werden, bereits geleistete Ausbildungsinhalte sollen anerkannt werden. Lesen Sie mehr dazu auch in unserem Fraktionsbeschluss zur Pflegeausbildung.

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