Einwanderung Masterplan Arbeitsmarktintegration

Palästinensischer Arzt in Klinikum in Frankfurt (Oder)
Wer angesichts der Vielzahl der Flüchtlinge nur die Probleme sieht, der verkennt die Chancen. Wenn es gelingt, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, kann uns das helfen, den Mangel an Fachkräften und den demografischen Wandel zu bewältigen.

Von Brigitte Pothmer / veröffentlicht in profil:GRÜN, Ausgabe 3/2015

Wer angesichts der Vielzahl der Flüchtlinge nur die Probleme sieht, der verkennt die Chancen. Diese Menschen stellen ein großes Potenzial für unser Land dar. Über die Hälfte ist unter 25 Jahre alt. Wenn es gelingt, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, kann uns das helfen, den Mangel an Fachkräften und den demografischen Wandel zu bewältigen. Gleichzeitig stellt diese Integrationsaufgabe Jobcenter, Arbeitsagenturen und Betriebe vor große Herausforderungen. Daher brauchen wir einen Masterplan. Auf vier Punkte kommt es entscheidend an:

Mittel für Sprachkurse und Fördermaßnahmen massiv aufstocken

Spracherwerb und die Möglichkeit, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen – das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um in der Gesellschaft anzukommen. Dabei müssen wir den Menschen helfen. Auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse muss vereinfacht werden.

Rechtliche und bürokratische Hürden beseitigen

Vor allem die Vorrangprüfung gehört komplett abgeschafft. Danach müssen Arbeitgeber, bevor sie eine/n Bewerber/in aus einem Drittstaat einstellen, prüfen, ob es nicht einen geeigneten deutschen Bewerber beziehungsweise einen aus einem EU-Staat gibt. Diese Regelung ist bürokratisch und setzt die Jobchancen Asylsuchender aufs Spiel. Die mangelhafte Regelung zum Bleiberecht während der Berufsausbildung muss ebenfalls geändert werden. Derzeit müssen geduldete Azubis und ausbildende Betriebe jedes Jahr erneut eine Abschiebung fürchten. Hier muss die große Koalition Rechtssicherheit schaffen.

Mindestens 3.000 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Jobcentern und Arbeitsagenturen einstellen

Die Jobcenter arbeiten schon jetzt an ihren Belastungsgrenzen. Obwohl sie bereits heute knapp 190.000 Flüchtlinge betreuen, gab es bislang keinen zusätzlichen Cent für Personal und Maßnahmen von Arbeitsministerin Nahles. Hier müssen die Kapazitäten deutlich aufgestockt werden.

Integrationsteams schaffen – für Hilfe aus einer Hand

Die Arbeit der Behörden würde enorm erleichtert, wenn Arbeitsagenturen und Jobcenter bei der Unterstützung der Flüchtlinge zusammenarbeiten könnten. Derzeit wechseln Flüchtlinge nach der Anerkennung ihres Asyl­antrags von der Arbeitsagentur in die Jobcenter. Gemeinsame Teams könnten Doppelarbeit und Brüche in der Integration verhindern.

All das gibt es nicht zum Nulltarif. Doch jeder Euro, den wir frühzeitig in die Integration und Qualifikation der Flüchtlinge investieren, zahlt sich am Ende für uns alle aus.

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