Einwanderungsgesellschaft Willkommen Inter-Kultur!

Mit PraktikerInnen und TheoretikerInnen diskutierte die kulturpolitische Sprecherin Ulle Schauws über die Rolle von Kulturinstitutionen in der Einwanderungsgesellschaft. Wie muss sich der etablierte Kulturbetrieb öffnen? Wie sollte die Kulturförderung neu gestaltet werden? Natürlich ging es dabei vor allem um die aktuelle Flüchtlingssituation. In ihrer Begrüßung betonte Katrin Göring-Eckardt, dass die Kulturszene ein wichtiger Motor für zivilgesellschaftliches Engagement sei, was sich nicht zuletzt daran zeige, dass viele Theater sich für Geflüchtete einsetzen. Nach der ersten Nothilfe gehe es darum, wie langfristig Teilhabe ermöglicht werden könne.

Der Widerstand des Apparates

Der Migrationsforscher Mark Terkessidis forderte strukturelle Veränderungen des Kulturbetriebs, da der Status Quo eine echte interkulturelle Öffnung nicht zulasse. Maßnahmen für MigrantInnen würden immer nur additiv hinzugefügt, was sich etwa an der von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters initiierten Willkommenswoche „Kultur öffnet Welten“ zeige. An der Verfasstheit der Kulturinstitutionen ändere sich dadurch nichts, der „Widerstand des Apparates“ sei sehr groß. Terkessidis plädierte deshalb für neue interkulturelle Kriterien in der Kulturförderung sowie kollaborative Kunstformen, welche die Trennung zwischen etablierten und neuen Kulturformen durchbrechen.

Augenhöhe produzieren

Sabine Kroner vom Projekt Berlin Mondiale, das Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchthintergrund und AkteurInnen aus Kunst und Kultur zusammenbringt, bedauerte, dass Projekte mit Flüchtlingen oftmals in die Soziokultur „abgeschoben“ und somit nicht richtig ernst genommen würden. Dabei seien unter den Geflüchteten viele ausgebildete Kulturschaffende, die selbst aktiv werden wollten. Die Institutionen seien dafür aber nicht durchlässig genug. Ein Problem dabei sei auch, dass aufgrund des Arbeitsrechts Geflüchtete nicht auf Augenhöhe mit den MitarbeiterInnen in den Institutionen agieren könnten. Amelie Deuflhard von Kampnagel Hamburg sah es denn auch als die wichtigste Aufgabe ihrer Projekte an, „Augenhöhe zu produzieren“. Sie wies darauf hin, dass im Bereich Interkultur meist kurzfristig auf Projektbasis gearbeitet werde, die fehlende langfristige Förderung verhindere echte Nachhaltigkeit.

Die Q-Frage

Was die Einführung eine Quote für MigrantInnen an Kulturinstitutionen angeht, herrschte weitestgehend Einigkeit, dass damit die strukturellen Herausforderungen nicht angegangen werden könnten. Es brauche – so Amelie Deuflhard – mehr „Störfaktoren“, um die Institutionen aufzumischen. Timo Köster von der Zukunftsakademie NRW brachte den schönen Begriff der „Teilgabe“ ins Spiel, um die dringend notwendige Öffnung des Apparates für MigrantInnen und Geflüchtete zu beschreiben. Zu dieser Öffnung gehöre es nicht zuletzt, wie zum Beispiel am Kampnagel mehr Zusammenarbeit zwischen KünstlerInnen und AktivistInnen zu ermöglichen. Allerdings war die Runde sich einig, dass Kunst und Kultur nicht allzuständig seien und politische Probleme politisch gelöst werden müssten.

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