Risiko-AKW Altmeiler Fessenheim sofort stilllegen!

Transparent von Greenpeace am AKW Fessenheim
Das AKW Fessenheim muss sofort stillgelegt werden.

Das französische AKW Fessenheim ist eines der gefährlichsten Atomkraftwerke an den Grenzen zu Deutschland. AnwohnerInnen, Atomkraft-Kritiker und wir Grüne fordern schon lange: Abschalten! Und zwar so schnell wie möglich! Noch vor kurzem hatte der französische Staatspräsident Hollande versichert, das älteste AKW Frankreichs vor 2017 abzuschalten. Dieses Versprechen ist jetzt vom Tisch. Fessenheim wird mindestens bis Ende 2018 laufen, vielleicht sogar weit darüber hinaus.

Der geplante Weiterbetrieb stellt aus unserer Sicht eine nicht zu verantwortende Gefährdung der Menschen in der Region dar. Im Interesse der Schadensvorsorge haben wir deswegen den Atomsicherheitsexperten Professor Dr. Manfred Mertins beauftragt, die gravierendsten Defizite der Anlage zu identifizieren und fachlich zu bewerten. Er untersuchte dabei auch, ob Fessenheim wenigstens die europäischen Mindestanforderungen erfüllt.

Fessenheim noch gefährlicher als bekannt

Das Gutachten liegt nun vor. Seine Ergebnisse sind alarmierend. Denn Fessenheim erfüllt wichtige Anforderungen nicht. So sind beispielsweise die Instandhaltungsmöglichkeiten sicherheitsrelevanter Einrichtungen defizitär. Diese sind außerdem häufig „vermascht“, das heißt nicht unabhängig und voneinander getrennt. Daher besteht das Risiko, dass bei einem Fehler nicht nur eine Einrichtung, sondern gleich mehrere ausfallen. Wichtige sicherheitsrelevanter Einrichtungen sind zudem nicht erdbebensicher. Weitere Mängel gibt es bei der Zuverlässigkeit der Reaktornachwärmeabfuhr und bei der Energieversorgung bei Störfällen. Außerdem genügt die Anlage nicht den nötigen Hochwasser-Anforderungen und ist nur völlig unzureichend gegen Flugzeugabstürze ausgelegt.

Eine von der französischen Atomaufsicht geforderte Nachrüstung, der sogenannte Hardened Safety Core, entpuppt sich als vermeintliche Illusion. Denn nachgerüstet würde frühestens ab 2020. Und ob das dann wirklich Positives bewirkt, bleibt fraglich. Überhaupt bezweifelt der Gutachter, dass sich die vielen grundlegenden Defizite Fessenheims nachträglich beheben lassen.

Die von Professor Mertins aufgedeckten Mängel lassen den Schluss zu: Eine ausreichend zuverlässige Störfallbeherrschung ist im AKW Fessenheim nicht gegeben. Deshalb kann es nur eine Konsequenz geben: Fessenheim muss sofort stillgelegt werden!

Der Gutachter

Manfred Mertins ist seit mehr als 30 Jahren als Sachverständiger für AKW-Sicherheit tätig, davon bis zum Ruhestand etwa 25 Jahre bei der Hauptsachverständigenorganisation der Bundesatomaufsicht. In der Fachwelt ist er geschätzt als einer der profiliertesten deutschen Sachverständigen für nationale und internationale AKW-Sicherheitsanforderungen. Er war Projektleiter der vom damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin 2003 initiierten Erarbeitung eines neuen deutschen kerntechnischen Regelwerks, das im November 2012 in Kraft trat. Auf europäischer Ebene entwickelte er im Auftrag der Bundesregierung bei WENRA, einem Gremium europäischer Atomaufsichts- und Genehmigungsbehörden, einen Katalog von Mindestanforderungen an laufende AKW. Er ist Gründungsmitglied von INRAG (International Nuclear Risk Assessment Group), einer von Wolfgang Renneberg und anderen unabhängigen Fachleuten initiierten Vereinigung anlässlich des dritten Jahrestages von Fukushima.

Grüne Initiativen

Wir Grüne im Bundestag fordern die Stilllegung Fessenheims schon länger. Bereits in der letzten Wahlperiode haben wir dazu einen Antrag eingebracht. Vor dem Hintergrund der alarmierenden Gutachtenergebnisse werden wir in Kürze erneut Initiative ergreifen. Fessenheim muss sofort stillgelegt werden.

Kanzlerin Merkel und die Unionsfraktion sind verantwortlich dafür, dass eine große Chance vertan wurde, Fessenheim abzuschalten: Als das französische Energiewendegesetz erarbeitet wurde, hätte die Bundesregierung auf diesen Punkt beharren können. Doch die Union legt sich seit drei Jahren quer. Damit zementiert sie das Atomunfallrisiko für den Südwesten der Republik.

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