Gentechnik-Tiere Unkontrollierbares Risiko

Ein Messer zerschneidet ein Stück Lachs
Gentechnisch veränderter Lachs könnte trotz Vorsorgemaßnahmen entkommen und sein Erbgut in natürlichen Populationen verbreiten.

Derzeit findet eine regelrechte Kampagne zur Einführung von gentechnisch veränderten Tieren in der Landwirtschaft statt. Als angebliche Ziele müssen die Sicherung der Welternährung sowie Schutz vor Krankheiten und Allergien herhalten. Doch die Risiken sind nicht absehbar, die Ausbreitung ist nicht kontrollierbar.

In einer neuen Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion wird gezeigt, dass die meisten der genannten vermeintlichen Vorteile wie eine höhere Leistung der Tiere, Anpassungen an Haltungsbedingen, veränderte Zusammensetzung der Milch, Resistenzen gegen Viren und Parasiten oder die Freisetzung von Gentechnik-Insekten schon in ihrer Zielsetzung fragwürdig sind. Auch ihre technische Realisierung steht vor Problemen: Die Anwendung der oft als präzise dargestellten neuen Methoden der Gentechnik wie Gen-Editing hat ungewollte Veränderungen im Erbgut zur Folge, die mit Risiken für Mensch und Umwelt einhergehen.

Gefahr für Mensch und Umwelt

Die Freisetzung und landwirtschaftliche Nutzung von Gentechnik-Tieren würde zu einer erheblichen Gefährdung von Mensch und Umwelt führen. Einige Beispiele:

  • Gentechnisch veränderter Lachs könnte trotz Vorsorgemaßnahmen entkommen und sein Erbgut in natürlichen Populationen verbreiten.
  • Bei gentechnisch veränderten Insekten ist die Verbreitung ihres künstlichen Erbguts durch Kreuzung mit der natürlichen Population sogar erklärtes Ziel der Freisetzung. Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik, dazu: „Einzelne Länder hätten keine Option, sich gegen die Ausbreitung auf ihr Territorium zu entscheiden. Die langfristigen Folgen für die Biodiversität sind weder abschätzbar noch sind diese Tiere rückholbar.“
  • Schweine, die durch gentechnische Veränderungen resistent gegen bestimmte Viren gemacht wurden, können zu Überträgern der Erreger werden.

Getrieben wird die Entwicklung von wirtschaftlichen Interessen: Mit den Gentechnik-Tieren halten Patente Einzug in Kuh- und Schweinestall. Eine weitere Umgestaltung der Tierzucht im Sinne der Interessen von Konzernen, die vor allem ihre patentgeschützten Tiere verkaufen wollen, bedeutet für Landwirte und mittelständische Züchter eine Bedrohung ihrer Existenz und eine drastische Ausweitung der industriellen Massentierhaltung. Eine gentechnikfreie Produktion könnte dadurch unmöglich gemacht werden.

Reine Alibiprüfung: Risiko neuer Dimension

Auch die Risiken erreichen durch die Gentechnik-Tiere eine neue Dimension. Die Risikoprüfung durch die Behörden hat lediglich eine Alibifunktion: Es ist methodisch nicht möglich, alle relevanten Risiken zu untersuchen. Weder die Risiken einer Ausbreitung in der Umwelt noch die Risiken für die menschliche Gesundheit lassen sich zuverlässig abschätzen. Der Einsatz von Gentech-Tieren wäre ein Albtraum für Lebensmittelwirtschaft, Verbraucher und Umwelt, weil sich die Risiken auch bei sorgfältiger Prüfung nicht ausschließen lassen. Harald Ebner, Fraktionssprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik: „Derart verantwortungslose Experimente mit unserer Zukunft und unseren Lebensgrundlagen können wir uns nicht leisten. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass es in der EU auch künftig keine Zulassung für Gentech-Tiere geben wird.“

Die Politik muss jetzt frühzeitig Stellung beziehen gegen eine Zulassung und Freisetzung von Gentechnik-Tieren, da sonst der Druck von Investoren steigen wird und die Vermarktungsinteressen immer stärker in den Vordergrund treten werden. Dabei muss das Vorsorgeprinzip politisch und wissenschaftlich deutlich aufgewertet werden. Bärbel Höhn, Vorsitzende des Umweltausschusses: „Wir brauchen jetzt in Europa Regeln zum Schutz von Mensch und Umwelt, gerade im Hinblick auf die geplanten Handelsabkommen mit den USA und Kanada. Sonst haben wir am Ende Gentech-Produkte auf dem Markt und in der Natur, die möglicherweise an allen Prüfverfahren vorbei geschleust wurden und sich im Fall von auftretenden Problemen nicht mehr zurückholen lassen.“

Wir Grüne im Bundestag fordern

  • Keine Zulassungen und Freisetzungen für gentechnisch veränderte Nutztiere und deren Produkte in der EU
  • Klare nationale und internationale Verbote der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen, deren Ausbreitung räumlich und zeitlich nicht kontrolliert werden kann
  • Klare Regelungen in Handelsabkommen wie TTIP, die sicherstellen, dass weder Gentech-Tiere noch deren Produkte durch diese Hintertür nach Europa gelangen
  • Verbot der Patentierung von Nutztieren in der EU

Studie „Gentechnik-Tiere: Risiko für Mensch und Umwelt“

Mehr zum Thema Gentechnik

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4397711