Meister-BAföG Gute Bildung kostet Zeit und Geld

In der Ausbildung zum Tischler erklärt eine Berufsschullehrerin Auszubildenen eine Fräsmaschine.

Ein wegweisender Schritt zu mehr Weiterbildungsgerechtigkeit sieht anders aus. Die Bundesregierung bringt mit der Novellierung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes zwar einige überfällige Anpassungen auf den Weg. So können zukünftig BachelorabsolventInnen und StudienabbrecherInnen gefördert werden, wenn sie sich weiterbilden, zudem gibt es mehr Geld. Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist das aber zu wenig. Im Koalitionsvertrag hieß es noch, das lebenslange Lernen sei angesichts des demografischen Wandels so wichtig wie noch nie. Deshalb wolle man diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung bewältigen.

Nun wissen wir: Die Bundesregierung war dieser großen Aufgabe offenbar nicht gewachsen. Anpassungen von Freibeträgen und die Erhöhung von Leistungen sind richtig, sie greifen aber dort zu kurz, wo die gesamte unübersichtliche Weiterbildungsarchitektur geöffnet und auf ein tragfähiges Fundament gestellt werden müsste. Zudem hat die Bundesregierung bei der Reform des Meister-BAföG eines offenbar vergessen: Nicht alle, die sich weiterbilden möchten, haben schon einen Kammerabschluss, sind Bachelor-AbsolventInnen oder StudienabbrecherInnen.

MigrantInnen bleiben außen vor

Integration braucht Bildung, diesen Satz würde ganz sicher auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka unterschreiben. Bei der Reform des Meister-BAföG hat die Bundesregierung daran aber offenbar nicht gedacht. So ist es derzeit nicht vorgesehen, dass ausländische TeilnehmerInnen von Anpassungs- und Nachqualifizierungen nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) durch das Meister-BAföG gefördert werden können. Eine russische Erzieherin oder ein syrischer Bäcker, die in Deutschland arbeiten möchten, werden damit auf ihrem Weg zur Fachkraft in Deutschland allein gelassen. Aus unserer Sicht ist das integrationspolitisch nicht nachvollziehbar und auch volkswirtschaftlich unsinnig.

BildungsZeit Plus – lebenslanges Lernen für alle ermöglichen

Aus einem Meister-BAföG für zu wenige wollen wir eine gerechte Weiterbildungsförderung für alle machen. Mit unserem grünen Modell der BildungsZeit Plus legen wir einen Plan vor, wie das funktionieren kann. Gute Bildung kostet Zeit und im Erwerbstätigenalter auch Geld. Beides ist für viele Menschen aber Mangelware. Insbesondere Geringqualifizierte, Menschen mit Einwanderungsgeschichte, Alleinerziehende und Frauen in „typischen Frauenberufen“ nehmen viel seltener am lebenslangen Lernen Teil. Das schwächt wiederum ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und verhindert berufliches Fortkommen und persönliche Entwicklung.

Damit in Zukunft alle Menschen, unabhängig von ihrer individuellen Lebenssituation, an Weiterbildung teilnehmen können, möchten wir das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz so umbauen, dass es diesen Namen auch verdient. Mit einem individuellen Mix aus Zuschuss und Darlehen möchten wir dafür sorgen, dass gerade die Gruppen, die heute noch viel zu selten an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen, die Kosten für Maßnahme und Lebensunterhalt während der Bildungsphase aufbringen können. Damit das gerecht ist, gilt der Grundsatz: Wer weniger hat, bekommt mehr und umgekehrt. Weil Bildung aber nicht nur Geld, sondern auch Zeit kostet, fordern wir die Bundesregierung auf, Arbeitszeitreduzierungen für Fort- und Weiterbildungen deutlich zu erleichtern. Ein Rückkehrrecht auf den alten Stundenumfang soll dabei vor allem Berufstätige ermutigen, nicht aus Angst auf spätere Nachteile auf Weiterbildung zu verzichten.

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