Flüchtlinge und Familie Verschärfung beim Familiennachzug schadet der Integration

Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt
Familiennachzug ist ein wichtiger Baustein von Integration.

Kommen eigentlich viele Geflüchtete per Familiennachzug nach Deutschland? Holt wirklich jeder Geflüchtete noch vier Familienmitglieder nach, wie die CSU gerne behauptet? Und was haben Familiennachzug und eine gelingende Integration miteinander zu tun?

In den politischen Auseinandersetzungen wird häufig über die Familienzusammenführung gesprochen, wenn es um die Möglichkeiten geht, den Zuzug von Geflüchteten zu reduzieren. Im geplanten Asylpaket II will die Bundesregierung die Nachzugsmöglichkeiten weiter einschränken – und ignoriert dabei die Bedeutung des Familiennachzugs für betroffene Menschen und ihre Integration. Vor allem für Flüchtlinge aus Syrien werden diese Änderungen bedeuten, dass Familien erst zwei Jahre nach Abschluss des Asylverfahrens nachholen werden dürfen.

Nur wenige kommen über den Familiennachzug

Die Behauptung, Hundertausende bis Millionen Personen würden dank des Familiennachzugs nach Deutschland nachreisen, hält der kritischen Nachfrage nicht stand. Auf Anfrage der grünen Bundestagsfraktion teilte uns die Bundesregierung mit: Im Zeitraum von Januar 2014 bis September 2015 sind etwa 18.400 Personen zu hier anerkannten syrischen Flüchtlingen nachgereist. Dem stehen im gleichen Zeitraum 114.715 Asylerstanträge von syrischen Staatsangehörigen gegenüber. Auch bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen lässt sich feststellen, dass das Elternnachzugsrecht nach der Anerkennung kaum genutzt wird. In den ersten elf Monaten des Jahres 2015 wurden lediglich 442 Visa zwecks Elternnachzug erteilt. Diese Zahlen machen deutlich, dass nur wenige Personen aufgrund der bestehenden Familiennachzugsregelungen tatsächlich nachreisen.

Bürokratie verhindert Familiennachzug

Die Gründe für den schleppenden Familiennachzug sind vielfältig: Asylverfahren dauern lange, manche Geflüchtete warten über ein Jahr auf Anerkennung. Erst im Anschluss kann eine Familienzusammenführung beantragt werden. Hierzu braucht es einen Termin bei einer deutschen Botschaft. Auch darauf wartet man oft lange, je nach Botschaft dauert es zwischen drei und zehn Monate. Familiennachzug gibt es also besonders deswegen so wenig, weil er sehr stark reguliert ist. Folglich versuchen die Menschen auf eigenen Wegen nach Deutschland zu kommen, um wieder mit ihren Familien zusammenleben zu können. Laut UNHCR hat sich der Anteil der flüchtenden Frauen und Kinder, die per Boot nach Griechenland kommen, Anfang 2016 auf über 50 Prozent erhöht. Auch dies ist eine Folge der bestehenden Beschränkungen. Die Menschen riskieren die Überfahrt, da sie den regulären Wegen nach Europa nicht vertrauen können.

Familien als Integrationsmotor

Für viele Geflüchtete ist die Familie ein wichtiger Integrationsfaktor. Die Abwesenheit von Eltern, EhepartnerInnen oder Kindern destabilisiert Menschen und behindert das Ankommen und eine wirkungsvolle Integration in Deutschland. Wer hier in ständiger Angst um die Angehörigen lebt, hat es schwerer, sich auf die neuen Herausforderungen der Integration einzulassen.

Im Gegensatz zur Regierung ist für uns Grüne im Bundestag das Recht auf Familiennachzug ein Schlüssel zur Integration. Wer in Deutschland bleibt, muss schnellstmöglich seine Familie nachholen können. Wer keine Angst mehr um seine Lieben haben muss, der hat viel mehr Möglichkeiten sich zu integrieren, sei es in Schule, Ausbildung oder im Arbeitsmarkt.

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30 Kommentare
Familienachzug ist weit mehr als nur Mittel zu Integration!
Dr. Achim Sibeth 29.01.2016

Wenn der Familiennachzug gestoppt bzw. für 2 Jahre unterbunden wird, werden die Familienmitglieder der Syrer faktisch auf den gefährlichen Weg der Balkanroute geschickt. 'Christ'demokraten und 'Sozial'demokraten nehmen damit den Tod von vielen ganz offensichtlich billigend in Kauf! Das ist Mennschenverachtung pur und muss verhindert werden. Ich hoffe, wir Grünen bleiben konsequent gegen diese Verschärfung des Asylrechts!

Verlogenes Geseier
Vt 29.01.2016

Die konsequenteste Ma8nahme, um die Flüchtlingsströme zu reduzieren, wäre ihnen nicht ihre Häuser wegzubomben. Da ist die grüne Partei allerdings immer eifrig mit dabei.

Flüchtlinge
Petersen, Sven 29.01.2016

Guten Abend,
wir sind der Meinung, dass besonders "die Gruenen" Regierung nicht können.
Die Menge der "Gruenen" leidet unter dem Hilfesyndrom..!
Die Vielzahl der "Gruenenhelfer" erreicht mit ihrem Einsatz für über 90 jährige nix.., da ist nichts medienwirksam.
Man sieht/sah keine "Gruenenhelfer" für deutsche Obdachlose..
Kein Geld um zu helfen..
Nix..
Aber es gibt DuracellTeddybärenwinker in Reihen der "Gruenen"..
Wir finden es erschreckend, gerade die "Gruenhelfer" haben den öffentlichen Dienst in Deutschland platt gemacht.
Was für Träumer sind die "Gruenen"?

Familiennachzug
Albert Hartl 30.01.2016

An Herrn Dr. Denzer.
Die gefährliche Polarisierung kommt von Leuten in der Bevölkerung und in den Regierungen, die sich nicht auf die veränderte Situation einstellen wollen und deshalb ablehnend und aggressiv reagieren.
Die Grünen begreifen durchaus das gesamte Problem. Und: Die Hilfsbereitschaft zeigt sich bei erstaunlich vielen Leuten, unabhängig davon, ob sie politisch aktiv sind oder nicht. Das erkennt man nicht sofort, wenn man wenig Kontakt zu Asylhelfern hat.

man kann sich alles schönrechnen...
Gerd 30.01.2016

Hier werden doch wieder mit Äpfel mit Birnen vergleichen. Das in 2015 verhältnismäßig wenig Familiennachzung registriert wurde, liegt ja wohl an den zeitlichen Abläufen. In 2015 kamen die Familien der in 2014 eingreisten Flüchtlinge. Da sich der Zuzug in 2015 fast verzehnfacht hat, kann man den Nachzug für 2016 hochrechnen. Und dann sind wir bei 180 000 Nachzüglern. Auch dies ist wieder ein Beispiel, wie ihr die Bevölkerung verschaukeln wollt...

Mir kommen die Tränen...
Gast 30.01.2016

Wenn die Famiien zusammengehören, warum haben die Egoisten diese dann im "Kriegsgebiet" (Marokko, Algerien, Pakistan, Tschetschenien......) sitzengelassen. Schickt sie zurück dann sind die Familien wieder zusammen.

Neues Recht
hatti 30.01.2016

Recht sollte niemals Selbstzweck sein, sondern der Organisation eines geordneten Zusammenlebens einer Gesellschaft dienen. Von daher ist es auch unerlässlich, dass es den Wandlungen in einer Gesellschaft nach Notwendigkeit angepasst wird.

Selbst das Regelwerk einer Verfassung ist von solchen Fortschreibungsnotwendigkeiten nicht frei, allemal wenn es um Verfahrensregelungen geht.

Wenn die Regierung die Attraktivität dieses Zuzugslandes nunmehr verändern möchte, ist dies nicht nur ihr gutes Recht sondern bei den gegebenen Verhältnissen sogar ihre Pflicht.

Die Bevölkerungsmehrheit will m.E. eine andere Politik, ein anderes Recht.

Erschreckend
Erich Hinderer 01.02.2016

Liebe Leute, die bisherigen Kommentare sind leider meist
erschreckend negativ - dabei ist doch das Grundrecht auf Asyl eindeutig -auch im Hinblick auf Familiennachzug-Danke der grünen Bundestagsfraktion, dass sie dieses richtig stellt - hoffentlich auch der Bundesrat...LG

Familiennachzug
uwe.strebel 01.02.2016

ich empfehle den Damen und Herrn den Artikel "Warum geschlossene Grenzen auch Freiheit bedeutet" von Herr Sinn - den er heute in der Welt veröffentlicht hat zu lesen. Die Vorsitzende der Grüne hat ja gestern ausgeführt - dass wir diese Jahre eine weitere Million Flüchtlinge aufnehmen könnten....
Darin wird ausgeführt - dass uns die 2015 illegal eingereisten Einwanderer (denn sie werden Deutschland nicht mehr freiwillig verlassen) in den nächsten Jahren 450 Milliarden Euro kosten werden! Ich bin Freiberufler und zahle sehr viel Steuer - im Gegensatz zu den meisten Mitglieder der Grünen - die hauptsächlich in Beamtenpositionen untergegommen sind und sich nicht dem Wettbewerb der freien Wirtsc

Bundesrat
Susanne 02.02.2016

Ist die Familiennachzugs-Regelung im Bundesrat zustimmungspflichtig? Wenn ja, bleibt bitte stark. Kinder sind auf gefährlichen Überfahrten über das Meer und auf der Landroute viel mehr gefährdet als Erwachsene.

Das darf nicht so kommen, dass jetzt Kinder im Meer erfrieren oder ähnliches.

Wenn über Kontingente Leute aus Flüchtlingslagern geholt werden können und auf diese Weise Familiennachzug möglich wird, dann setzt Euch bitte dafür ein.

Vielen Dank, dass Ihr einer der Parteien seid, die bei den CSU-Forderungen nicht mitmachen wollen.

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