Zertifikate Wirksame Regulierung überfällig

Fassade von Lehman Brothers mit Schriftzug

2008 waren tausende deutsche Kleinanlegerinnen und Kleinanleger von der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers betroffen. Sie hatten ihre Ersparnisse und ihre private Altersvorsorge in Zertifikate von Lehman-Brothers investiert. Die sogenannte "Lehman-Oma" wurde damals zum Sinnbild der Finanzkrise. Den meist unerfahrenen Kleinanlegerinnen und Kleinanlegern war zum Verhängnis geworden, dass bei Zertifikaten - anders als zum Beispiel bei einem Sparbuch, einer Festgeldanlage oder einem Investmentfond - kein Insolvenzschutz besteht: So unterliegen Sparbücher und Festgeldanlagen der Einlagensicherung. Investmentfond sind als Sondervermögen auch im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft oder der Bank geschützt.

Intransparent und höchst riskant

Bei Zertifikaten droht hingegen im Fall der Insolvenz dem Emittent - also der die Zertifikate ausgebenden Bank - der Totalverlust. Über dieses Risiko waren die Kleinanlegerinnen und Kleinanleger zum einen nicht ausreichend aufgeklärt. Zum anderen hatten sie teilweise in unverständliche, intransparente Zertifikate investiert. Bei diesen war es zum Beispiel nur schwer erkennbar, dass die Insolvenz eines von mehreren Referenzunternehmen zum Totalverlust führen konnte.

Acht Jahre nach der Finanzkrise verfügen Zertifikate immer noch nicht über einen Insolvenzschutz. Viele Zertifikate sind immer noch intransparent und schwer verständlich. Die auf die Verbesserung der Transparenz und des Vertriebes beschränkten Regulierungsbemühungen der Bundesregierung haben versagt. Rund 50 Prozent des mit 70 Milliarden Euro immer noch sehr großen Zertifikatemarktes sind in Anlageprodukte mit sogenannter Kapitalgarantie investiert. Trotz des damit offensichtlich hohen Sicherheitsbedürfnisses der Anlegerinnen und Anleger unterliegen diese Zertifikate im Fall der Insolvenz des Emittenten auch weiterhin dem Totalverlustrisiko.

Die grüne Position

Die grüne Bundestagsfraktion hat im Deutschen Bundestag wiederholt auf diese Probleme und die Erforderlichkeit passgenauer Regeln für Zertifikate hingewiesen. Schon 2007 haben wir den Antrag Schutz der Anlegerinnen und Anleger bei Zertifikaten stärken in den Bundestag eingebracht. 2011 folgte unser Entschließungsantrag zum Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz. Bereits 2009 hatte sogar die damalige große Koalition die Bundesregierung mit einem eigenen Antrag aufgefordert, sie möge dafür sorgen, dass alle Finanzprodukte einer produktspezifischen Regulierung unterzogen werden. Passiert ist in dieser Richtung bei Zertifikaten nichts.

Kapitalanlagegesetzbuch als Blaupause

Gleichzeitig besteht mit dem für Investmentfonds geltenden Kapitalanlagegesetzbuch eine Blaupause für die Regulierung von Zertifikaten. Beide Produktgruppen sind bezüglich der Anlageidee in wesentlichen Teilen austauschbar. So kann zum Beispiel die Entwicklung des deutschen Aktienindex DAX sowohl über Zertifikate als auch über Investmentfonds nachvollzogen werden.

Wir haben die Bundesregierung daher im Rahmen der Novellierung des Kapitalanlagegesetzbuches in einem Entschließungsantrag aufgefordert, für Zertifikate endlich einen vergleichbaren Regulierungsrahmen wie bei Investmentfonds zu schaffen. Sicherheit suchende Kleinanlegerinnen und Kleinanleger müssen endlich wirksam vor intransparenten Zertifikatstrukturen und dem Totalverlustrisiko geschützt werden. Regulierung ist überfällig.

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