Filmpolitik Mehr Freiheit und Solidarität im Film

Berlinale-Bär-Aufsteller am Potsdamer Platz
Auf der Berlinale laufen in den nächsten zehn Tagen tragische Odysseen und fröhliche Komödien, nervenaufreibende Thriller und intellektuelle Dokumentarfilme. Doch Film braucht auch unsere Unterstützung, wenn der rote Teppich wieder eingerollt ist. Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für mehr Freitheit im Film ein. Die öffentlich-rechtlichen Sender mischen sich bei der Filmförderung viel zu sehr ein. Leidtragende sind die Kreativen in der Filmwirtschaft. Deshalb fordern wir einen eigenen Fonds für künstlerisch ambitionierte Filme.

Die grüne Bundestagsfraktion will eine vielfältige Filmlandschaft möglich machen. Deshalb setzen wir uns für politische Rahmenbedingungen ein, die Filmschaffenden Freiheit geben, ihre Ideen umzusetzen. Neben den großen Produktionen wollen wir eine angemessene Förderung für ‚kleine‘ Autorenfilme. So wichtig Film als Wirtschaftsfaktor zweifellos ist: Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen will eine Filmpolitik, die nicht nur da fördert, wo der große wirtschaftliche Erfolg erwartet wird oder Standorteffekte erhofft werden. Risiken und das bisher Unbekannte müssen ebenso möglich sein.

Geschlechtergerechtigkeit und offene Zugänge

Kultur im Allgemeinen und Film im Besonderen leben von Austausch und Vermischung. Viele Filme aus Deutschland entstehen in internationalen Koproduktionen. Wir wollen einen gerechteren Zugang zum Medium Film – sowohl auf der Ebene der Produktionsmittel, als auch auf der Ebene der Rezeption. Wir wollen den Anteil an Filmen, bei denen Frauen in führenden Positionen verantwortlich sind erhöhen. Die Geschlechtergerechtigkeit im Fördersystem des Filmförderungsgesetzes wollen wir durch Anreizsysteme verbessern. Wir möchten die kleinen, oft von Schließung bedrohten Programmkinos bewahren und setzen uns für die Verkürzung der Auswertungsfenster bei Filmen mit einer kleinen und spezialisierten Zielgruppe ein.

Mehr Unabhängigkeit für die Kreativen

Die meisten Filme können ohne die Unterstützung öffentlich-rechtlicher TV-Sender nicht entstehen. Gleichzeitig funktionieren diese aber wie ein Nadelöhr für die Finanzierung: Bei der Wahl der Projekte, insbesondere im Bereich des Autorenfilms, wird seitens der Filmförderungen die Beteiligung eines Fernsehsenders vorausgesetzt. Der Kinofilm ist aber ein eigenes Format, das nicht von Anfang an in TV-kompatible Formen gezwängt werden sollte. Deshalb wollen wir, dass eigene Fonds für künstlerisch ambitionierte Projekte geschaffen werden, die bis zu 100 Prozent der Herstellungskosten tragen und somit keine Fernsehbeteiligung voraussetzen.

Außerdem setzt sich die Bundestagsfraktion dafür ein, dass mehr Kreative in den Gremien der Filmförderung vertreten sind und dass transparenter und effektiver über Förderungen entschieden wird. Die deutsche Filmförderlandschaft ist in 19 verschiedene Förderinstitutionen zersplittert. In diesem unübersichtlichen System wollen wir die kulturelle Filmförderung stärken, indem wir unbürokratisch freie Projektmittel zur Verfügung stellen.

Soziale und ökologische Standards

Beschäftigte brauchen gute Löhne und Selbständige faire Honorare. Im Rahmen des Filmförderungsgesetzes sollten faire Arbeitsbedingungen und soziale Standards zur Bedingung gemacht werden. Wir wollen darüber hinaus Modelle entwickeln, bei denen sich die Antragsteller mit einer Selbstverpflichtung an höhere soziale Standards bei Arbeitszeiten, Bezahlung etc. binden. Diese wären im Antrag zu formulieren, würden sie später unterschritten, müsste ein Teil des Fördergeldes zurückgezahlt werden.

Im Sinne eines „Green Film“ sollten Anreize für klimafreundliche und ressourcenschonende Filmproduktionen geschaffen werden; CO2-neutral produzierte Filme könnten durch zusätzliche Referenzpunkte in der Filmförderung honoriert werden. Ein Bundespreis für „Green Film“ könnte das Thema zudem weiter in die öffentliche Aufmerksamkeit rücken und die Entwicklung hin zu ökologischen Filmproduktionen forcieren.

Mehr Solidarität bei der Filmabgabe

Das bestehende System der Filmpolitik verhindert an vielen Stellen, dass sich die Vielfalt auf dem Markt auch widerspiegelt. Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich dafür ein, dass der Umgang mit Kreativen offener, effektiver und vertrauensvoller wird. Künstlerische Innovationen müssen angemessen unterstützt werden, denn nur so kann sich der Film auch in Zukunft entwickeln und entfalten. Deshalb fordern wir auch, dass alle Wirtschaftszweige, die vom Film profitieren, in den Fonds der Filmförderungsanstalt (FFA) einzahlen. Das deutsche Kino ist davon abhängig, dass die Filmabgabe mindestens stabil bleibt. Im Sinne der Solidarität sollte auch eine Abgabe auf Video On Demand, gleich ob der Anbieter seinen Sitz im In- oder im Ausland hat, erhoben werden. Über die Erweiterung der Abgabepflichten kann die Filmlandschaft durch die Abspiel-, die Kino-, die Kinematheks- und die Festivalförderung nachhaltig und solidarisch in ihrer ganzen Vielfalt gestärkt werden.

Denn nur wenn die Spielräume für künstlerisches Schaffen groß genug sind, werden wir auch in Zukunft gute Filme zu sehen bekommen.

Fraktionsbeschluss

Die grüne Bundestagsfraktion hat am 26. Januar 2016 das Positionspapier „Klappe auf! Für mehr Freiheit, Offenheit und Solidarität im Film“ beschlossen.

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