Konferenz Engagement für Flüchtlinge stärken

Wir erleben gegenüber den Menschen, die aus Krieg und Elend zu uns fliehen, ein unglaublich beeindruckendes Engagement der Bevölkerung. Eine Welle der Hilfsbereitschaft und der Wille zu einem solidarischen Engagement für Flüchtlinge gehen quer durch alle Gesellschaftsschichten in Stadt und Land.

Menschen helfen bei der Essensausgabe in Notunterkünften, packen Schultüten für neue Willkommensklassen, sammeln Spenden und vieles mehr. In der Zivilgesellschaft entfaltet sich eine Kraft und Energie, die ansteckt. Gerade in Krisenzeiten wird deutlich, dass der Staat nicht alles voraussehen und alles vorausplanen kann und wie wichtig eine selbstbewusste Bürgerschaft für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften ist.

Die grüne Bundestagsfraktion hat über 80 Engagierte aus vielfältigen Projekten der zivilgesellschaftlichen Flüchtlingsarbeit nach Berlin eingeladen, um gemeinsam zu diskutieren, wie wir von der Willkommenskultur zur Willkommensstruktur kommen – auch im bürgerschaftlichen Engagement. Wie lässt sich bürgerschaftliches Engagement verstetigen, bestehende Strukturen für Flüchtlinge öffnen und wie geht man mit rechten Anfeindungen um?

Auch HelferInnen brauchen Hilfe

Das Engagement für Flüchtlinge hat die Zivilgesellschaft verändert. Es engagieren sich Menschen, die das bisher nicht getan haben. Die Freiwilligen sind oft höher qualifiziert, haben häufiger selbst einen Migrationshintergrund und sind jünger als die „klassisch Engagierten“. Viele, die bisher politisch nicht aktiv waren, erleben das Versagen und die Langsamkeit von Staat und traditionellen Institutionen.

Sie wollen nicht mehr zuschauen und abwarten, sondern gehen neue Wege. So appellierte auch Uli Tomaschowski von „teachers on the road“ auf dem Podium: „Engagement ist politisch. Es ist wichtig, dass sich die Engagierten auch politisieren!“ Und es sind auch die Geflüchteten selbst, die sich zunehmend engagieren wollen. Mohammed Jouni von Jugendliche ohne Grenzen empfiehlt beispielsweise, Menschen mit Fluchtgeschichte als Expertinnen und Experten an der Entwicklung von Integrationskonzepten zu beteiligen.

Auf dem Podium und in den sechs parallelen Workshops wurde deutlich, wie vielfältig die neuen Formen der Vernetzung und Zusammenarbeit in der Zivilgesellschaft sind: Unbekannte arbeiten mit Hilfe sozialer Netzwerke an einer gemeinsamen Aufgabe ohne sich zu kennen, hochprofessionelle Freiwillige stoßen auf verkrustete Strukturen, es gibt viele, die etwas tun wollen, aber nicht die passende Aufgabe finden und gleichzeitig viele, die extrem viel tun, und aufpassen müssen, dass ihr Engagement nicht zur Überlastung oder Überforderung wird - sowohl zeitlich, als auch emotional.

Freiwilligenagenturen beraten Engagierte

Birgit Bursee von der Freiwilligenagentur Magdeburg e. V. berichtete, wie sie Engagierte beraten und Kontakte herstellen zwischen Menschen, die zu ihr kommen und anbieten Arabisch zu übersetzen, und denen die händeringend nach Dolmetschern suchen. Ein gutes Informationsmanagement ist für alle Seiten – Verwaltung, professionelle Strukturen und Freiwillige – enorm wertvoll.

In den Workshops haben die Engagierten gemeinsam mit Abgeordneten der grünen Bundestagsfraktion diskutiert, was sie brauchen, damit die zahlreichen kleinen Initiativen und Aktionsbündnisse langfristig und über die erste Euphorie hinaus aktiv und mit Leben gefüllt bleiben können. Wie Engagement in der Kommune gut koordiniert und wie selbstorganisiertes Engagement von Geflüchteten unterstützt werden kann. Oder auch, inwiefern die Öffnung klassischer Vereins- und Verbandsstrukturen für Geflüchtete gelingt und wie Engagierte mit rechter Hetze und Angriffen umgehen.

Forderungen der TeilnehmerInnen

So unterschiedlich die Fragen in den Workshops und so unterschiedlich die Arten des Engagements der Teilnehmenden auch waren, die zusammengetragenen Forderungen an die Politik hatten doch viel gemein:

  • langfristige, verlässliche, unbürokratische und transparente Förderstrukturen
  • Beratungen, Supervision und Fortbildungen für Engagierte
  • Anerkennung und Kommunikation auf Augenhöhe – sei es mit der Verwaltung, der Politik oder den professionell Tätigen

Wichtig waren den Engagierten darüber hinaus aber auch, gut ausgestattete Programme für Demokratiebildung und Beratungsangebote zum Umgang mit rassistischen Angriffen, sowie die Absicherung für engagierte Flüchtlinge, dass sie durch eigenes Engagement keine Nachteile im Asylverfahren erfahren.

Für uns als grüne Bundestagsfraktion heißt es jetzt, die gesammelten Forderungen an die zuständigen Ministerinnen und Minister in der Bundesregierung zu übergeben. Dafür werden wir parlamentarische Initiativen erarbeiten und die Debatten unserer Konferenz ins Plenum des Bundestages tragen.

Den Fraktionsbeschluss zur Engagementpolitik finden Sie hier.

Das waren die teilenehmenden Engagierten:

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