Skiurlaub Wintertourismus neu denken

Schneemangel auf dem Gudiberg,dem Slalomhang in Garmisch Partenkirchen
Auch der Gudiberg in Garmisch Partenkirchen, ein bekannter Slalomhang, bot um die Jahreswende 2015/2016 ein trauriges Bild. Hier konnten selbst Schneekanonen nichts mehr ausrichten.

Um 1,25 Grad Celsius ist die mittlere Lufttemperatur in Deutschland seit Beginn des Industriezeitalters in den Wintermonaten angestiegen. Und damit ist laut Aussagen der Bundesregierung noch lange nicht Schluss. Doch statt daraus Konsequenzen für die Entwicklung des Wintertourismus zu ziehen, setzen die Bundesregierung sowie einige Landesregierungen weiterhin auf die Förderung von Beschneiungs- und Skiliftanlagen. Der Klimawandel lässt sich seit Jahren schon nicht mehr leugnen und aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von Markus Tressel, Sprecher für Tourismuspolitik der grünen Bundestagsfraktion, geht hervor: Wegschauen ist keine Option mehr! In der Wintersaison brauchen wir dringend Alternativen zum Skitourismus.

Schnee nur noch in höchsten Lagen

Dass die mittlere Temperatur in Deutschland um mindestens zwei Grad ansteigen wird, ist bekannt. Schon bei einem solchen Anstieg wird sich die Höhengrenze für eine natürliche Schneesicherheit um 300 Höhenmeter nach oben verschieben. In den Alpen- und Mittelgebirgsregionen erwartet die Bundesregierung jedoch einen noch deutlich höheren Temperaturanstieg. Die Folgen? Die Wintersportsaison wird sich deutlich verkürzen und verlagern. Schneesichere Tage werden in den meisten Skigebieten stark zurückgehen. Schon bei einem Anstieg auf nur zwei Grad ist davon auszugehen, dass von den heute natürlich schneesicheren Skigebieten in den Bayerischen Alpen nur 9 Prozent übrig bleiben werden. 50 Prozent der Skigebiete sind aktuell auf künstliche Beschneiung angewiesen. Gerade einmal 30 Prozent könnten bis 2050 mit künstlicher Beschneiung schneesicher gehalten werden. In den deutschen Mittelgebirgsregionen fällt die Prognose aufgrund der größtenteils niedrigeren Lage noch düsterer aus. Schneesicher wäre hier voraussichtlich nur noch der Feldberg im Schwarzwald.

Was machen Bundes- und Landesregierungen?

Länder und Kommunen setzen mithilfe großzügiger Förderung aus dem Steuersäckel des Bundes auf künstliche Beschneiung und mehr Liftanlagen. Künstliche Beschneiung hat erhebliche Umweltzerstörungen zur Folge. Und sie ist auch touristisch in vielen Regionen keine Lösung mehr, da es in vielen Skigebieten Deutschlands zu warm sein wird, um Kunstschnee herzustellen. Somit rechnen sich auch die Investitionen in die Liftanlagen nicht. In vielen Skiregionen wird dem Klimawandel aber immer noch hinterhergebaut. Man setzt auf mehr Beschneiungsanlagen und fördert den Neubau mit öffentlichen Geldern. Das kann man zum Beispiel im Sudelfeld in Bayern beobachten. Im Allgäu, am Riedberger Horn will die CSU entgegen aller Alpenschutzziele ebenso in nicht zukunftsfeste Skiinfrastruktur investieren und auch im Harz sind neue Investitionen in Millionenhöhe geplant. So wird eine Abhängigkeit der Regionen vom Skitourismus geschaffen, die einzelne Gemeinden letztlich ruinieren könnte. Mit den Daten, die der Bundesregierung und den Landesregierungen vorliegen, dürfen ab sofort keine öffentlichen Gelder mehr in Skiinfrastruktur investiert werden.

Höchste Zeit in neue Formen des Wintertourismus zu investieren

Wir brauchen ein neues Konzept, wie Wintertourismus in 20 Jahren aussehen könnte. Wir brauchen neue - vom Schnee unabhängige - Einnahmequellen, die die Wertschöpfung in den betroffenen Regionen stärkt und Arbeitsplätze schafft. Einzelne Regionen setzen bereits auf alternative Formen des Wintertourismus wie zum Beispiel Wellness oder den Ausbau von Wanderrouten. Diese Entwicklung wollen wir mit der Änderung einschlägiger Förderrichtlinien (zum Beispiel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“) unterstützen. Viele Touristinnen und Touristen kommen in die Alpen- und Mittelgebirgsregionen, um die Landschaft und die Natur zu genießen. Hier kann möglichst sanfter Tourismus die Umwelt schonen. Der Ausbau und die Pflege des Wanderwegenetzes oder auch Schneeschuhtouren sowie der Ausbau nicht skibezogener Sportangebote im Winter sind gute Alternativen. Insgesamt sollte das Naturerlebnis stärker in den Vordergrund rücken, wie es schon in vielen Großschutzgebieten praktiziert wird. Der Tourismus kann so auch im Winter von den zahlreichen Sonnenstunden profitieren.

Das technische Wettrüsten in den Skigebieten muss aufhören. Wir brauchen eine Lösung, die Tourismuspotenziale systematisch erfasst und Arten des nachhaltigen Wintertourismus in Deutschland identifiziert. Dabei müssen Wissenschaft und Politik gemeinsam agieren, um regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu bewahren und die vom Klimawandel betroffenen Alpen- und Mittelgebirgsregionen für die Zukunft zu stärken.

Mehr zum Thema Tourismus

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4398204