Debatte zum Jubiläum 25 Jahre Technikfolgenabschätzung

Schimmelpilzkulturen in einer Lichtbox

„Nuklearbetriebene Staubsauger sind in zehn Jahren wahrscheinlich Realität“. Diese absurde Voraussage aus dem Jahr 1955 stammt vom US-Staubsaugerproduzenten Alex Lewyt. Die unkritische Beigeisterung für Atomkraft kannte damals weder Grenzen noch Widerspruch. Dieses Beispiel zeigt, wie schwer es sein kann, die Potenziale und Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf Gesellschaft und Umwelt auf längere Sicht realistisch zu prognostizieren.

Seit nunmehr 25 Jahren geht das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) diesen Fragen nach. In seinen zahlreichen Studien liefert es wertvolles Wissen zu Chancen neuer Technologien ebenso wie zu möglichen gesellschaftlichen und ökologischen Folgewirkungen. Außerdem geben TAB-Berichte der Politik wichtige Hinweise, wie neuen technischen Herausforderungen begegnet werden kann.

TAB bietet unabhängige Politikberatung

Damit leistet das Büro einen wesentlichen Beitrag dazu, dass sich Abgeordnete und Öffentlichkeit über neue technikbasierte Entwicklungen ein unabhängiges Bild machen können. Die TAB-Berichte helfen, besser einschätzen zu können, wo beispielsweise Reglulierungsmaßnahmen nötig wären, um negative Auswirkungen vorbeugend zu vermeiden.

Technikfolgenabschätzung ist zudem besonders dann auch wichtig, wenn in technologische Entwicklungen übertriebene Hoffnungen gesetzt werden. So hat der Bericht zum Climate Engineering deutlich gemacht, dass es eben kein technisches Wunderwerkzeug gibt, dass uns die nötigen Anstrengungen beim Klimaschutz (durch konsequente Treibhausgasreduktion) ersparen würde.

Die Themenpalette der TAB-Berichte ist breit und knüpft häufig an aktuelle Debatten im zusammenhang mit Technologienutzung an. In seinem jüngsten Bericht über „Synthetische Biologie“ beispielsweise werden zahlreiche wichtige Aspekte angeschnitten: von einer Reform der Risikobewertung, Biosicherheit über Genome Editing unter anderem an menschlichen Embryonen bis hin zur Frage, wo Beteiligungsmöglichkeiten der Gesellschaft für eine verantwortungsvolle Forschung liegen können. Zum Thema Biosicherheit und Partizipation der Gesellschaft hatte sich die grüne Bundestagsfraktion erst kürzlich mit eigenen Beiträgen postioniert (siehe Antrag Biosicherheit; Positionspapier Forschen für den Wandel).

Das TAB-Verfahren ermöglicht es dem Parlament aber auch, wichtige Problemthemen, die bislang zu wenig Aufmerksamkeit erhalten, wissenschaftlich aufbereiten lassen, etwa die Gewässerbelastung durch Pharmaka.

Bewährt hat sich, dass über die Themenauswahl im Konsens statt nach Mehrheit entschieden wird. Dadurch wird eine vielfältige Auswahl kontroverser Themen ermöglicht.

Politik braucht TAB!

Grüne Politik im Deutschen Bundestag dringt seit Jahrzehnten darauf, dass sich Forschungspolitik der Technikfolgenabschätzung immer mehr öffnet. Schließlich wurden Folgewirkungen gerade bei Risikotechnologien wie Atomkraft oder Agrogentechnik lange Zeit ausgeblendet. Technikfolgenabschätzung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass negative Auswirkungen technologischer Entwicklungen vorbeugend minimiert, Fehlentwicklungen vermieden und Gemeinwohlinteressen besser gewahrt werden können.

Der Deutsche Bundestag würdigt das Jubiläum heute mit einer Debatte. Die grüne Bundestagsfraktion sagt: Herzlichen Glückwunsch, TAB!

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