NSA-Untersuchungsausschuss Erweiterung Untersuchungsauftrag „NSA-Ausschuss“

Logo des BND Bundesnachrichtendienst auf dem Chip eines Prozessors

In den letzten Monaten drehte sich die Aufklärung des internationalen Überwachungs- und Geheimdienstskandals im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestags vor allem um die Frage der sogenannten „Selektoren“. Deutlich wurde: Nicht nur US-amerikanische Dienste haben mit Hilfe dieser Suchbegriffe (Telefonnummern, E-Mail-Adressen und andere Telekommunikationsmerkmale von Personen) deutsche und europäische Grundrechtsträger und Firmen ausgespäht. Auch deutsche Geheimdienste haben sowohl „Selektoren“ der NSA als auch eigene eingesetzt. Diesen Komplex wollen wir weiter aufklären – auch, um die bisherige Abwehrhaltung der Bundesregierung kritisch zu hinterfragen und die Notwendigkeit gesetzlicher Konsequenzen zu verdeutlichen.

Neue Erkenntnisse – neue Untersuchungen

Den bisherigen Untersuchungsauftrag wollen wir vor allem um den Einsatz und die Kontrolle insbesondere der vom Bundesnachrichtendienst (BND) eingesetzten „Selektoren“ bei der Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) erweitern. Darüber hinaus ergänzen wir den Auftrag explizit um die Untersuchung von Telekommunikationsüberwachungsmaßnahmen des BND in Deutschland, die nicht mittels einer sogenannten „G10-Anordnung“ durchgeführt werden sowie die Rolle des BND als Teil des sogenannten „global reach“-Ansatzes der NSA bei der weltweiten Telekommunikationsüberwachung.

Die Abgeordneten von Grünen und der Fraktion Die Linke haben daher mit den hierfür nötigen 120 Abgeordneten-Unterschriften eine Erweiterung des Untersuchungsauftrages beantragt. Falls die Fraktionen der Großen Koalition mit ihrer Mehrheit unseren Erweiterungsantrag ablehnen, werden wir als Opposition die Einsetzung eines weiteren Untersuchungsausschusses zur Aufklärung dieses Komplexes vorantreiben. Dem könnten sich die Fraktionen von CDU/CSU und SPD wegen des Minderheitenrechts nicht verwehren.

Verteidigungslinie der Bundesregierung bröckelt

Immer deutlicher wurde in den letzten Monaten: Die Bundesregierung hat seit den Snowden-Enthüllungen und insbesondere vor der Bundestagswahl 2013 Öffentlichkeit und Parlament in weiten Teilen über die Beteiligung und das Agieren des Bundesnachrichtendienstes belogen. Damals betonte die Bundesregierung immer wieder, sie wüsste nichts über NSA-Überwachungsprogramme.

Mittlerweile wurde durch Zeugenvernehmung und spätere Medienveröffentlichungen auch bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst selbst unzulässig unter anderem EU- und NATO-Staaten, deren Bevölkerung oder dort ansässige Unternehmen ausgespäht hatte, was der Bundesregierung bekannt war. Dennoch echauffierte man sich und zeigte in Richtung USA. Kurze Zeit später erklärte Kanzleramtsminister Pofalla die Affäre kurzerhand für beendet.

Auch die damals immer wieder gemachten Ankündigungen von sogenannten „No Spy“-Abkommen mit den USA aber auch europäischen Partnern müssen nach den im Untersuchungsausschuss ans Tageslicht gebrachten Erkenntnissen gänzlich neu bewertet werden. Die Erweiterung ist auch unabdingbar, um die These der Bundesregierung, die USA und andere Partner agierten grob rechtswidrig, die deutschen Dienste aber nicht, endgültig widerlegen zu können. Zudem ist die Erweiterung notwendig, da in der Vergangenheit im Ausschuss immer wieder Grenzen des bestehenden Auftrages sowie unklare Voraussetzungen, wann ein Vorgang untersuchungsgegenständlich ist, deutlich wurden. Hier bedarf es Klarstellungen.

Vollständige Aufklärung kann nur gelingen, wenn wir das gesamte Bild sehen können. Dazu gehören auch die BND-Aktivitäten und die Aufsicht des Kanzleramtes darüber. Anlässlich der notwendigen Reformen des BND- und des Artikel 10-Gesetzes zu den Befugnissen der Geheimdienste bei der Fernmeldeaufklärung müssen wir die bestehenden Missstände und die Verfassungswidrigkeit der Praxis aufdecken – auch um so zu verdeutlichen, wie dringend tatsächliche gesetzliche Reformen sind. Dies gilt auch für die parlamentarische Kontrolle der Dienste.

Unseren Antrag auf Ergänzung des Untersuchungsauftrages des 1. Parlamentarischen Untersuchungsausschusses der 18. Wahlperiode (LINK) werden wir in der nächsten Sitzungswoche im Plenum des Bundestages zur Abstimmung stellen.

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