Gleichstellung im Kulturbetrieb Chancengleichheit in allen Branchen

Zwischen lauter schwarzen Herrenschuhen sind ein paar rote Damenschuhe.
Tag der Deutschen Industrie

Kultur lebt von Vielfalt. Und auf die kulturelle Vielfalt in Deutschland können wir zu recht stolz sein. Aber kulturelle Vielfalt ist mehr als die Auswahlmöglichkeit aus einem möglichst breiten kulturellen Angebot. Vielfalt heißt auch, verschiedene Perspektiven zuzulassen und zu fördern. Unterschiedliche Blickwinkel können dabei zum Beispiel durch das Alter, durch verschiedene Nationalitäten oder durch eine weibliche oder männliche Sichtweise entstehen.

Aber gerade die Gleichberechtigung weiblicher und männlicher Perspektiven ist heute leider immer noch keine Selbstverständlichkeit im Kulturbetrieb. Hier gilt dasselbe wie für die Aufsichtsräte in der Wirtschaft: Je höher Gehalt, Ansehen oder Funktion einer Stelle, desto geringer ist der Frauenanteil.

Ein Mangel an weiblichem Nachwuchs ist kein Grund für diese Schieflage. Im Gegenteil: Trotz einer steigenden Anzahl von Studentinnen in künstlerischen Studiengängen sind bis heute Frauen in allen Sparten nicht im gleichen Maße vertreten wie ihre männlichen Kollegen.

Insbesondere Theater und Orchester erweisen sich, zumindest mit Blick auf die Leitungsebene, als schwer zu erobernde Männerdomänen. Noch unerfreulicher sieht es im Film- und Fernsehproduktionsbereich aus. Aktuelle Zahlen des Bundesverbandes Regie zeigen, dass sich die Lage von Regisseurinnen sogar noch verschlechtert hat. Der Anteil von Regisseurinnen bei deutschen Kinofilmen ist von 22% auf 19% gesunken. Weiterhin führt nur bei einem von fünf Kinofilmen eine Frau Regie. Im High Budget-Bereich ab fünf Millionen Euro saß 2014 keine einzige Frau mehr auf dem Regiestuhl.

Vor einem Jahr hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters in ihrer Eröffnungsrede zur Berlinale vollmundig verkündet, wie wichtig ihr die Gleichstellung von Frauen im Kulturbetrieb sei. Trotz der offensichtlichen Missstände ist von Seiten der Bundesregierung aber bis heute keine nennenswerte Initiative zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit und zur Verbesserung der Situation weiblicher Kulturschaffender erfolgt. Deshalb fordern wir in unserem Antrag, die Geschlechterperspektive in der Kulturpolitik und insbesondere im Bereich der Kunst- und Kulturförderung stärker zu berücksichtigen und die Förderkriterien für den Etat der Beauftragten für Kultur und Medien entsprechend anzupassen.

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